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Dunkle Wolken über Lübecks Hafen

Lübeck Dunkle Wolken über Lübecks Hafen

Der Umschlagsrückgang bereitet große Sorge. Ein Ende des Streits um die Arbeitsplatzsicherung ist nicht in Sicht.

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Ankunft der „Finnmaid“ am Skandinavienkai: Die Reederei Finnlines stellt mittlerweile eigene Männer zum Laschen an Bord. Das Angebot der LHG war ihr zu teuer.

Quelle: Foto: Timon Ruge

Lübeck. Kein gutes Jahr für Lübecks Hafen: Am Montag tagt der Aufsichtsrat der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), die Chefs legen dann ihre neuesten Zahlen auf den Tisch. Sie werden mies aussehen. „Die wirtschaftliche Situation ist ultraschlecht“, gibt LHG-Chef Heinrich Beckmann zu. Denn der Hafen hat Ladung verloren, gleichzeitig sind die Kosten hoch. Schon im ersten Halbjahr zeigte die Kurve nach unten: 11,8 Millionen Tonnen gingen bei der LHG über die Kaikanten — ein Minus von drei Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2012. Beim Papier büßte die LHG vier Prozent ein, bei der Autoverschiffung fast 16 Prozent. Zudem kehrten Kunden der LHG den Rücken. Die Reederei Swedish Orient Lines (SOL) stellte ihre Verkehre von Travemünde komplett ein — sechs Abfahrten die Woche. Die Reederei Transfennica zog mehrere Verkehre vom Seelandkai ab und verlegte sie an den Lehmannkai — wegen des Tarifkonflikts bei der LHG.

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„Die Deutsche Asset blockiert die Arbeitsplatzsicherung und Investitionen im Hafen.“ LHG-Betriebsratschef Hans Schwartz „

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Vom Rekordjahr 2007 mit 33 Millionen Tonnen Umschlag ist der Hafen weit entfernt. Seit der Wirtschaftskrise 2008 ist das Umschlagsvolumen der LHG um satte 20 Prozent zurückgegangen. Grund für das miese Geschäft im Hafen: die Flaute im Osteseeraum. Außerdem ist das Papiergeschäft wegen der Digitalisierung eingebrochen. Und: die hohen Lohnkosten, denn der Lübecker Hafen ist der teuerste im Ostseeraum. Bei der LHG erhalten die meisten Arbeiter einen Grundarbeitslohn von 46 200 Euro beziehungsweise 36 000 Euro brutto. Zum Vergleich: In Rostock sind es 29 600 Euro.

Die LHG-Geschäftsführer wollen mit der Gewerkschaft Ver.di über Arbeitszeiten und Löhne verhandeln. LHG-Chef Ulfbenno Krüger: „Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben, die Welt hat sich verändert.“

LHG

Ver.di sieht das anders. Zwar geht Landesfachbereichsleiter Gerhard Mette auch davon aus, dass „die neuen Zahlen der LHG nicht überragend sein werden“. Aber er sieht als Grund dafür, dass „die Erholung im Ostseeraum weiter auf sich warten lässt“.

Neben den schlechten Zahlen ist der fast anderthalb Jahre andauernde Konflikt mit Ver.di die zweite große Baustelle der LHG. Denn es brodelt an der Kaikante. Die Arbeitsplatzsicherung bis 2023 für die Hafenarbeiter ist immer noch nicht unter Dach und Fach, obwohl sowohl Bürgerschaft als auch die Kommunalaufsicht grünes Licht gaben. Nur für die 200 Mitarbeiter des Hafenbetriebsvereins (HBV) zeichnet sich eine Lösung ab. Aber für die 800 LHG-Beschäftigten unterschreibt der Minderheitsgesellschafter Deutsche Asset der städtischen Gesellschaft den Vertrag nicht. „Die machen nichts, was den Kündigungsschutz verbessert“, wettert LHG-Betriebsratschef Hans Schwartz. Die Deutsche Asset blockiere nicht nur die Arbeitsplatzsicherung, sondern auch Investitionen im Hafen. Die Deutsche Asset (vormals Rreef) hat sich 2008 in die LHG eingekauft. Mittlerweile hält sie 37,5 Prozent.

Auch die Politiker sind beunruhigt angesichts des nicht enden wollenden Hafenstreits. Der hafenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Hundertmark, sieht Gefahr in Verzug. Er habe keinerlei Verständnis dafür, dass die Deutsche Asset die Arbeitsplatzsicherung nicht unterschreibt. „Das würde die nötige Ruhe im Hafen bringen“, so Hundertmark. Der Lübecker Hafen sei als „Logistikkonzern mit ausgetüftelter EDV-Systeme“ gut positioniert. Doch er müsse jetzt dringend nach außen seine Zuverlässigkeit untermauern und sich neue Geschäftsfelder erschließen. Lars Rottloff, finanzpolitischer Sprecher der CDU, betont ebenfalls, in den Hafen müsse so schnell wie möglich wieder Ruhe einkehren — im Interesse der Kunden und Mitarbeiter. „Und diese Ruhe kommt nur rein, wenn sich die Politik nicht einmischt“, mahnt Rottloff. Er appelliert an LHG-Geschäftsführung, Gesellschafter, Aufsichtsrat und Gewerkschaft, eine schnelle Lösung des Konflikts auszuhandeln. Angesichts der seit Monaten andauernden Querelen bei der LHG äußert sich auch die FDP besorgt und fordert, dass „man sich hier schnellstens einigt, damit ein weiterer Vertrauensverlust in die Verlässlichkeit der LHG vermieden wird“. Das FDP-Bürgerschaftsmitglied Manfred Kirch warnt: „Der Rückgang der Gütermengen bei der LHG von drei Prozent sind beunruhigend.“

Und zu allen Turbulenzen im Lübecker Hafen gesellt sich noch die Nachricht, dass LHG-Chef Heinrich Beckmann im Februar kommenden Jahres die Lübecker Hafen-Gesellschaft verlässt und zu einem norddeutschen Logistikunternehmen wechselt — ohne Verdruss, wie er beteuert.

Gehälter bei der LHG
46 200 Euro bekommen die meisten Hafenarbeiter brutto als Grundarbeitslohn im Jahr. Dafür haben sie eine 40-Stunden-Woche und 30 Tage Urlaub. Hinzu kommen 30 freie Tage — bezahlt. Seit 1998 gibt es die Tarifgruppe der Umschlagsarbeiter. Der bekommt 36 000 Euro brutto, hat auch eine 40-Stunden-Woche, 25 bis 30 Tage Urlaub und 30 freie Tage — allerdings unbezahlt.

Der Vergleich zu Rostock: 29 600 Euro gibt es dort im Jahr, ebenfalls 40 Stunden und 24 bis 30 Tage Urlaub — aber keine freien Tage.

Josephine von Zastrow und Torsten Teichmann

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