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Lübeck Durch das Verkehrschaos nach Nanjing
Lokales Lübeck Durch das Verkehrschaos nach Nanjing
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22:17 28.09.2017
Bei der Familie eines Couchsurfers kann sich Luisa Rische stärken.
Nanjing

30 Tage. Das lässt mir nicht viel Zeit, den Norden Chinas zu entdecken. Nach 30 Tagen muss ich das Land wieder verlassen oder zuvor eine Verlängerung meines Visums beantragen. Die will ich mir jedoch für den Süden Chinas aufsparen. Statt also in die alte Hauptstadt Xi’an – Heimat der Terrakotta-Armee – zu fahren, reise ich nach Shanghai, um mit der Fähre nach Japan überzusetzen. Mein Weg führt mich stetig an der Straße entlang, über Brücken hinweg, die häufig über ausgetrocknete Flussbetten führen, durch jahrhundertealte Siedlungen hindurch und weiterhin vorbei an zahllosen Betonsilos – im Bau, leerstehend, bewohnt.

Peking liegt hinter mir. Die nächste Etappe führt mich durch den Norden Chinas. Mit meinem Fahrrad „Anton“ geht es entlang der Straßen bis nach Nanjing. Zwischendurch finde ich Schlafplätze an Flüssen. Aber auch ein Besuch bei Bob, einem Couchsurfer, steht auf meinem Reiseplan.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Der Verkehr ist mühsam, Chaos regiert auf allen Straßen. Achtspurig. Zehnspurig. Grundregeln missachten die Chinesen pedantisch. Statt sich vorher umzublicken, fahren sie blind darauf los. Statt zu bremsen, hupen sie. Statt rechts zu fahren, fahren sie links. Die Bauern nutzen die Straßen derweil, um Mais, Erdnüsse und Sesam zu trocknen.

Ich schlafe wild. Bis Sonnenuntergang steht das Zelt, zum Sonnenaufgang ist es wieder abgebaut. Wildzelten ist in China erlaubt – oder besser gesagt nicht geregelt. Das Problem ist: Bestellte Felder und Städte gehen Hand und Hand. Meistens versuche ich, an Flussläufen unterzukommen, auch wenn ich nicht hineinspringen kann – ich habe all den Müll gesehen, den die Menschen in Bächen, Seen und Flüssen versenken. Ich versorge mich auf Straßenmärkten und in fliegenden Küchen, die ab 6 Uhr mit Teigtaschen und Suppen aufwarten.

Nach sechs Tagen komme ich in Linyi an, wo mich Bob empfängt. Er lebt mit seiner Mutter in einer Einheit aus Hochhäusern. Die Klingel zeigt keine Namensschilder, sondern ein Ziffernblatt. 2604. Bob ist 16 Jahre alt, spricht Englisch und ist bei Couchsurfing aktiv. Seine Mutter versteht seine Gäste nicht, doch sie überschüttet mich mit Gastfreundschaft und Essen. Zum Abendbrot tischt sie zähflüssige, geschmacklose Bulgursuppe und Teigtaschen auf. Dazu gibt es Teig, der dünn ist wie Papier und mich an Crêpes erinnert. Diesen Teig wickeln wir um eine scharfe Salatmischung, bestehend aus Koriander und etwas Schwarzem, das die Konsistenz von Möhren hat.

Was wir nicht schaffen, geben mir die zwei mit auf die Weiterreise, die mich nach Nanjing führt. 400 Kilometer. Vier Tage. Mit Rückenwind fahre ich durch die drückende Hitze Ostchinas. Am vierten Tag stoße ich früh an die Grenzen Nanjings. Eigentlich muss ich nur noch eine Brücke überqueren. Die ist jedoch gesperrt. In der Hoffnung, eine weitere Brücke oder einen befahrbaren Tunnel zu finden, fahre ich am Ufer entlang und treffe auf ein Knäuel wartender Motorroller. Ob die auf eine Fähre warten? Ich stürze mich ins Getümmel und bin 30 Minuten später in Nanjing.

Ich habe eine Nacht im Hostel gebucht, das im Viertel Laomendong an der Stadtmauer liegt – was erst einmal ungünstig ist, weil ich mit dem Fahrrad dort nicht hinein darf. Ich rede allerdings so lange auf den Sicherheitsbeamten ein, bis er mein Rad „Anton“ und mich durchlässt. Das neue alte Viertel ist eine Insel der Ruhe in einer hektischen Millionenstadt. Ich nutze die Zeit, um Kräfte zu sammeln. In drei Tagen will ich in Shanghai ankommen. 330 Kilometer.

Von Luisa Rische

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