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Lübeck Durch die Stadt der tausend Tempel
Lokales Lübeck Durch die Stadt der tausend Tempel
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21:13 16.10.2017
Luisa Rische unterwegs in Japan, im Dezember soll es dann weiter nach Vietnam gehen. Quelle: Foto: Privat

Die einstige Hauptstadt Japans erinnert mich an einen Streichelzoo. Ob im Park, auf der Straße, in der Fußgängerzone – überall vertreiben sich zutrauliche Sikahirsche die Zeit, belagert von streichelwütigen Touristen. Auch meine kurzweilige Gefährtin Sabrina kann den runden, braunen Augen nicht widerstehen. Ich kann Daifuku Mochi nicht widerstehen: japanischer Matcha-Reiskuchen mit süßer Bohnenfüllung.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Wir zwei fahren zusammen weiter, am Ufer des Kizu-Flusses entlang nach Kyoto. Sabrina ist 26, aus Deutschland und macht noch einen Abstecher nach Japan, bevor sie nach ihrer Weltreise wieder in den Alltag einsteigt. Wir stellen allerdings am ersten Abend in Kyoto fest, dass wir nicht auf einer Wellenlänge reisen. Läuft nicht. Deshalb gehen wir in Kyoto wieder unserer eigenen Wege.

Ich widme mich zunächst meinem Fahrrad, wasche den Schmutz von Rahmen und Reifen, reinige und öle die Nabenschaltung, repariere das Licht und wechsle zum ersten Mal eine Kette. Läuft. Während ich um mein Rad herumwusele, laufen die Schüler der angrenzenden Mittelschule an mir vorbei: weißes Hemd, blaue Hose, weißer Hut, rote Schleife, Trinkflasche, Schultasche. Ein kleiner Wirbelsturm zieht mir seine Trinkflasche über den Kopf. Ich lache. „Konnichiwa“. Er verbeugt sich, läuft rot an, murmelt „Gomen nasai“ und läuft fix weiter.

Als Anton wieder glänzt und schnurrt, erkunde ich die Stadt. Kyoto. Damals Kaiserstadt, heute Weltkulturerbe. Diesseits und jenseits von Japan schwärmt jeder von Kyoto. Nicht grundlos. Kyoto ist das kulturelle Zentrum des Landes – und trägt die Nase hoch. 2000 Tempel und Schreine gibt es zwischen dem Biwa-See und Berg Atago zu besichtigen: Kaiserpalast, goldener Pavillon, Torii-Bogengang, Bambuswald. Während der Abendstunden stehen die Chancen besonders hoch, eine Geisha, eine traditionelle japanische Unterhaltungskünstlerin, im alten Stadtteil Gion anzutreffen.

Ich schlemme mich auf dem Nishiki-Markt durch Fisch und Gewürze, Kuchen und Saucen, wandere durch Gion bis zum Friedhof und bergauf zu einem Tempel, der orangerot in der Abendsonne leuchtet.

Anschließend lasse ich mich durch die verschlungenen Gassen an Sushi-Restaurants vorbei zum Fluss treiben, wo ich neidvolle Blicke auf die Ryokans werfe: japanische Gasthäuser, in denen Touristen ins alte Japan eintauchen; leben und schlafen nach den alten Traditionen.

Auf Ordnung, Sauberkeit und Gepflogenheiten legen die Japaner Wert. Was nicht überrascht. Die Japaner selbst sind die höflichsten und geduldigsten Menschen, die ich je getroffen habe. Ständig verbeugen sie sich, grüßen und bedanken sich, domo arigat? Gozaimasu. Was mir noch viel besser gefällt: Alle sprechen Englisch, auch wenn ich mithilfe einer App meinen japanischen Sprachschatz täglich erweitere.

Es fällt mir schwer, mich von der stolzen Stadt zu lösen. Doch der Blick geht nach vorn. Himeji, Hiroshima, Nagasaki. Es gibt viel zu entdecken auf den japanischen Inseln.

Nach der Zurückweisung im chinesischen Visumszentrum in Osaka finde ich immer mehr Gefallen an dem Gedanken, nicht nach China zurückzukehren, bis Dezember in Japan zu bleiben und dann nach Hanoi zu fliegen.

Luisa Rische

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