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Lübeck Ehemalige Schule wird Studentenheim
Lokales Lübeck Ehemalige Schule wird Studentenheim
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12:23 17.06.2017
Der dreigeschossige Backsteinbau in der Schwartauer Allee – hier vom Schulhof aus fotografiert – steht komplett unter Denkmalschutz.
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St. Lorenz Nord

Erst sollten Obdachlose in die frühere List-Schule in der Schwartauer Allee einziehen, betreut von der Vorwerker Diakonie. Daraus wurde nichts. Dann beanspruchte Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) das leerstehende Gebäude für die Schulentwicklung. Das scheiterte ebenfalls. Jetzt wird das Objekt verkauft – und dann ziehen Studenten in das umkämpfte Gebäude.

Das Gebäude in der Schwartauer Allee war lange umkämpft, jetzt wird es verkauft.

Nach LN-Informationen will ein Lüneburger Bauträger die Immobilie für eine knappe Million Euro erwerben und dort Wohnraum für 48 Studenten schaffen. Der Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft hat den Plan bereits abgesegnet. Die endgültige Entscheidung über den Verkauf trifft die Stadtvertretung Ende des Monats. In den ehemaligen Klassenzimmern und Fachräumen, in denen zum Teil noch die Tafeln hängen, sollen Wohneinheiten für je zwei Studierende geschaffen werden – mit Bädern und Küchen. Die Räume sind hell und trotz der Nähe zur Straße ruhig. Im Keller ist eine Wohnung für eine Studentenfamilie, im Souterrain ist ein Café geplant.

„Das ist eine schöne Entwicklung“, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der sich massiv in die Debatte um die Immobilie eingebracht hatte. Im Mai vergangenen Jahres hatte der Verwaltungschef dafür geworben, das Gebäude doch lieber für DaZ-Schüler (Deutsch als Zweitsprache) als für Obdachlose zu nutzen. Im Januar dieses Jahres folgte der Kurswechsel. Das Gebäude in der Schwartauer Allee sei für die schulische Nutzung nicht geeignet, erklärte der Bürgermeister den verdutzten Politikern. Stattdessen sollte das Haus verkauft werden. „Studentisches Wohnen ist toll, wir haben großen Bedarf“, sagt der Bürgermeister jetzt. Auch Bildungssenatorin Weiher, die zeitweise mehrere Nutzungsmodelle durchspielte, ist begeistert: „Ich bin dafür, das ist ein attraktiver Standort.“

Das neue Wohnprojekt stärke Lübeck als Hochschulstandort und sei auf Grund der Lage zur Innenstadt und wegen der guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sehr attraktiv, sind die SPD-Wirtschaftspolitiker Jörg Hundertmark und Andreas Sankewitz überzeugt. Unmittelbar vor dem Gebäude halten Busse, der Hauptbahnhof ist in acht Minuten erreichbar. „Studierende wollen entweder nah am Zentrum oder nah am Campus wohnen“, weiß SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Die CDU-Bildungspolitikerin Anette Röttger bedauert, dass das Gebäude nicht für schulische Zwecke genutzt wird, sieht aber im studentischen Wohnen eine gute Lösung.

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Lübeck lobt das Vorhaben: „Wir begrüßen es, dass die ehemalige List-Schule in studentischen Wohnraum umgewandelt werden soll“, sagt der AStA-Vorsitzende Swen Gärtner, „die Entfernung zu den Hochschulen im Süden der Stadt spielt eine untergeordnete Rolle.“ Viel Auswahl haben die Studenten derzeit ohnehin nicht. „Der Wohnungsmarkt ist massiv angespannt“, erklärt der AStA-Vorsitzende. Grund seien die steigende Zahl der angehenden Akademiker, der doppelte Abitur-Jahrgang 2016 und die Einrichtung neuer Studiengänge in Lübeck.

Gärtner: „Auch zum Wintersemester 2017/2018 erwarten wir wieder ein Wohnungschaos in Lübeck.“

Das neue Wohnheim wird bis dahin nicht fertig sein. Die Liegenschaftsverwaltung geht davon aus, dass der Umbau des Gebäudes ein Jahr dauert. Die Inbetriebnahme in der ersten Jahreshälfte 2019 wird als realistisch eingeschätzt. Für den AStA ist wichtig, dass die Studentenzimmer bezahlbar bleiben. Vorsitzender Gärtner: „Oft sind privat betriebene Wohnheimplätze überdurchschnittlich teuer.“

Unter Denkmalschutz

Die ehemalige Friedrich-List-Schule ist ein Doppel-Schulgebäude von 1890, welches von Baudirektor Adolf Schwiening (1847–1916) errichtet wurde. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Backsteinbau. Städtebaulich ist das Gebäude von besonderem Wert und stadtbildprägend in der Reihe zeitgleicher Bauten in der Schwartauer Allee. Das Grundstück ist 2860 Quadratmeter groß. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Bis 2010 war die Volkshochschule in dem Gebäude. Die benachbarte Sporthalle gehört einem Boxclub.

 Kai Dordowsky

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