Nächste Woche Mittwoch soll an der Lübecker Uni entschieden werden, wie es in Sachen Ehrendoktorwürde für Annette Schavan weitergeht. „Denn dann tagt wieder unser Akademischer Senat, der über das weitere Vorgehen beschließen wird“, erklärt Uni-Präsident Prof. Peter Dominiak. Das höchste Gremium der Hochschule hat 13 Mitglieder, und zwar sieben aus der Gruppe der Professoren und jeweils zwei aus den Gruppen der wissenschaftlichen und der nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter und der Studierenden. Möglicherweise werde entschieden, die Verleihung des „Doktor honoris causa“ an die Forschungsministerin zeitlich zu verschieben, um nicht Politik und Wissenschaft zu vermischen. Eigentlich war die Zeremonie für dieses Frühjahr geplant.

Dominiak betont aber, dass die „ganze Angelegenheit formal abgeschlossen ist“. „Im November 2011 gab es den einstimmigen, demokratischen Beschluss des Senatsausschusses Medizin; dieser wurde im Januar 2012 vom dann neu gebildeten Senat bestätigt, und drei Monate später habe ich als Präsident bereits die Urkunde unterschrieben“, erklärt er. Die Ministerin habe dann selbst jedoch einen Rückzieher gemacht, um die Verleihung nicht in der heißen Phase des Landtagswahlkampfes im Mai 2012 stattfinden zu lassen. Der Uni-Präsident stellt klar, dass es jetzt eigentlich nur noch um einen neuen Termin gehe. Zudem betont er ausdrücklich, dass mit der Entscheidung für den Ehrendoktortitel nicht die wissenschaftliche Leistung von Frau Schavan gewürdigt werden solle, sondern ihre Verdienste in der Wissenschaft.

Und diese seien nun mal unbestritten, ergänzt Prof. Werner Solbach, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene und ehemaliger Dekan der Medizinischen Fakultät. „Sie hat sich für die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung stark gemacht und unseren Medizinstudiengang 2010 gerettet. Zudem war sie wegweisend beteiligt an der Gründung des interdisziplinären BioMedTec- Campus in Lübeck“, zählt der Mediziner auf. Dies wird in keinster Weise durch das Votum der Uni Düsseldorf in Frage gestellt.

Ähnlich sieht es der Präsident der Lübecker Fachhochschule, Prof. Stefan Bartels. „Erst mal ist es natürlich eine Sache der Uni. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass mit dem Dr. h.c. eine Leistung gewürdigt werden soll, die Frau Schavan tatsächlich erbracht hat. Dies hat mit ihrer weit zurückliegenden Doktorarbeit gar nichts zu tun.“

Michael Hollinde