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Lübeck Ehrenfriedhof: Jetzt wird aufgeräumt
Lokales Lübeck Ehrenfriedhof: Jetzt wird aufgeräumt
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20:58 08.01.2018
Es sind große, nach Schätzung der Forstwirte 180 bis 190 Jahre alte Bäume, die Jens Groth (Bild) und sein Kollege Ralph Stahlbaum fällen und zerlegen. Die Motorsäge ist dabei ihr wichtigstes Werkzeug, in komplizierten Fällen brauchen sie Unterstützung durch einen Seilschlepper. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
St. Gertrud

Es ist ein großes Chaos: umgestürzte Grabsteine, überall Bäume, die mit ihren teils bis zu vier Meter großen Wurzeltellern in der Gegend herumliegen, von riesigen Reifen geschaffene Fahrrillen, in denen Menschen nur schwer laufen können. Und an vielen Stellen große Eichen und Buchen, deren Kronen auf „halb acht“ mit anderen Bäumen verwurstelt sind. Das sind die gefährlichen Bäume, die den Forstwirten Ralph Stahlbaum (50) und Jens Groth (43) von der Kastorfer Firma Rodenberg zu schaffen machen: „Die sind zur Zeit unser größtes Problem“, sagt Stahlbaum, „denn diese Bäume stehen enorm unter Spannung – das ist schon anders als beim normalen Holzeinschlag.“

Ende Oktober hatte Sturm „Herwart“ den Lübecker Ehrenfriedhof verwüstet, der seitdem gesperrt ist. Seit einer Woche arbeiten die Mitarbeiter der Firma Bergmann und Rodenberg daran, umgestürzte Eichen und Buchen zu zerlegen. Es gibt viel zu tun – unter teils sehr gefährlichen Bedingungen.

Ähnlich starken Windbruch haben er und sein Kollege schon erlebt, allerdings nicht bei solch dicken Eichen und Buchen, sondern eher bei Fichten. Dass „Herwart“ den 180 bis 190 Jahre alten Bäumen so viel anhaben konnte, kann sich Stahlbaum nur damit erklären, dass die Eichen noch Blätter trugen, als der Sturm tobte: „Die wirkten dann wie Segel.“ Ähnlich hatte es auch Anwohner Manfred Macheit (68) vermutet, der gern auf dem Ehrenfriedhof spazieren geht und die LN Anfang November auf die Schäden aufmerksam gemacht hatte. Am schlimmsten sieht der Bereich zwischen Luisenstraße und Travemünder Allee aus.

Etwa 50 Bäume, schätzen die beiden Forstwirte, sind dem Sturm zum Opfer gefallen. Das macht etwa 200 Festmeter, die wohl als Brennholz verkauft werden. Ganze Stapel zerlegter Stämme liegen schon in einem Bereich des Ehrenfriedhofs. Hinzu kommen noch die Kronen der Bäume. Die werden in diesen Tagen laut krachend und knirschend mit einem Rückezug von Thomas Bergmann eingesammelt, um zerhäckselt zu werden.

Derweil gehen Stahlbaum und Groth nur mit Motorsäge, Maßband und Langaxt auf Tour durch die vom Wind geschaffene Wildnis. Für einige Spezialaufgaben, besagte unter Spannung durcheinander liegenden Bäume, brauchen sie dann doch Seilschlepper. Wie für die schräg im Boden stehende Eiche, die mit der Krone in einem anderen Baum hängt. „Die könnte ein echter Zeitfresser werden“, fürchtet Stahlbaum.

Wenn alles gut laufe, könne man Ende der Woche weitestgehend fertig sein. Was nicht heißt, dass der Ehrenfriedhof wieder geöffnet werden kann, denn die Wiederherstellung der Wege und das Aufstellen der Grabsteine obliegen der Stadt. Und die kann noch nicht sagen, wann es weitergeht.

 Von Sabine Risch

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