Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Ein Besuch in früheren Zeiten
Lokales Lübeck Ein Besuch in früheren Zeiten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:24 12.09.2016
Aus dem 15. Jahrhundert stammen die Deckenbemalungen mit der gotischen Fassung in Rot und Grün, wie Dieter Oldenburg (li.) erklärt.

Wie wohnt es sich eigentlich in einem Denkmal? Dieser Frage gingen am Sonntag beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals auch wieder zahllose Lübecker nach. 33 denkmalgeschützte Kirchen, Industriegebäude und andere Bauten in der Hansestadt öffneten ihre Türen, darunter auch viele private Wohnhäuser. Passend zum Thema „Gemeinsam Denkmale erhalten“ erklärten und zeigten die Hausbesitzer, wie das Leben im denkmalgeschützten Wohnraum funktioniert.

Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag zeigten auch private Hausbesitzer, wie man mit der Vergangenheit lebt.

„Die Restaurierung war eine Abenteuerreise.“Ursula Holzinger über ihre Heiligenbilder

So wie bei Sönke-Henning Tappe in der Blanckstraße. „Mit so vielen Menschen haben wir gar nicht gerechnet“, sagt der Hausherr überrascht. Insgesamt 150 Neugierige nahmen an den drei Führungen durch das Erdgeschoss der alten Villa im Schweizer Stil teil. Sie alle waren gekommen, um einen Blick auf die historischen Wand- und Deckenmalereien zu werfen.

Seit 2004 wohnt Tappe mit seiner Familie in dem 1877 erbauten Haus. „Damals war das Haus bewohnbar, aber eindeutig renovierungsbedürftig“, sagt er. Raum für Raum nahmen die Bauherren das Projekt in Angriff. Dabei erlebten sie so manche Überraschung. So versteckten sich unter abgehängten Decken und Putz Stuckverzierungen und Wandmalereien, die nun liebevoll wiederhergestellt wurden. „Das waren Glücksgriffe, die uns allerdings viel Geld gekostet haben.“ Dennoch ist er stolz auf seine Immobilie.

Das ist Ursula Holzinger auch. Sie ist Bewohnerin im ehemaligen Beginenkonvent in der St. Annen-Straße. Das Gebäude, 1294 erstmals erwähnt, diente früher als Wohnraum für bedürftige Frauen. Holzinger bewohnt ihre gemütliche Wohnung im Erdgeschoss des heutigen Aegidienhofes gemeinsam mit insgesamt sechs Heiligenbildern. Die wurden bei der Sanierung des Gebäudes peu à peu gefunden. Anschaulich erklärte Holzinger den rund 150 Interessierten, die sich über den Tag verteilt bei ihr die Klinke in die Hand gaben, wie sich die Restaurierung der Wandgemälde im Alltag gestalteten. „Das war eine Abenteuerreise und nicht immer einfach.“

Für viel Interesse sorgte auch die Führung von Dieter Oldenburg im Marstall, dem Gebäudekomplex zwischen der nördlichen Stadtmauer und der Burg. Dort, genau über dem Durchgang zum Jugendzentrum, befindet sich ein kleines Zimmer mit einer außergewöhnlichen Deckenverzierung. „Wofür genau der Raum genutzt wurde, wissen wir nicht. Vielleicht standen hier die Fanfarenspieler und begrüßten die hochrangigen Gäste.“ Immer nur jeweils 16 Leute nahm der pensionierte Denkmalschützer pro Führung mit in die Vergangenheit. Sachkundig erklärte er dabei nicht nur die Schnitzarbeiten und Gemälde, sondern zeichnete mit seinen Worten auch ein Bild des Lebens damals. „Das war sehr interessant“, fand der aufmerksame Zuhörer Hans Petersen.

 Majka Gerke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige