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Lübeck Ein Briefkasten für Riesen
Lokales Lübeck Ein Briefkasten für Riesen
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10:00 04.09.2017
Urlauberin Rena Clausen (62) musste sich ganz schön strecken, um ihre Postkarte einzuwerfen. Quelle: Privat
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Deswegen ist sie mit ihrem Enkel, der in Frankfurt lebt und in den Sommerferien häufig zu ihr auf den Priwall kommt, genau zu dem besagten Briefkasten vor dem ehemaligen Insel-Krankenhaus gefahren, um eine Urlaubskarte einzuwerfen. „Ich konnte das nicht glauben. Der war wirklich so hoch aufgestellt, dass ich kaum an den Briefschlitz herankam“, sagt Clausen, die mit 1,55 Meter zwar nicht die Größte ist, aber an anderen Briefkästen nie Probleme hatte, einen Brief einzuwerfen. „Mein Enkel hätte mich zur Not auch hochheben können, der ist über 1,80 Meter. Aber ich konnte die Postkarte gerade noch hineinschmeißen, wenn ich mich auf die Zehenspitzen gestellt habe.“

Wieso der Briefkasten so hoch hängt, kann sich auch ihr Enkel Pascal Clausen nicht erklären. „Mein Opa meinte, dass er vielleicht wegen Hochwassergefahr so angebracht wurde, damit die Briefe nicht nass werden“, sagt der 16-Jährige, der selbst aber eine andere Erklärung hat. „Ich glaube, dass Kinder da Bonbonpapier hineingeworfen haben und kein Platz mehr für Briefe war. In der jetzigen Höhe kommen Kinder dann nicht mehr ran.“

Die LN haben nachgeforscht und herausgefunden: Der wahre Grund für die kuriose Aufstellung des Postkastens ist viel einfacher. „Da an dieser Stelle Baumaßnahmen stattfanden, haben die Bauarbeiter den Briefkasten abgebaut, ohne uns zu informieren“, sagt Martin Grundler, Sprecher der Deutschen Post. „Nach Beendigung der Bauarbeiten wurde er wieder eingegraben, aber nicht fachgerecht, wie auf dem Foto zu erkennen ist.“ Eine Standardhöhe für die Installation der Briefkästen gibt es zwar nicht. „Aber sie werden so aufgebaut, dass auch kleine Menschen und Kinder den Briefschlitz problemlos erreichen können. Natürlich werden wir den Briefkasten so schnell wie möglich wieder herabsetzen“, sagt Grundler.

Doch so einfach ist das nicht. Ein Techniker der Deutschen Post wollte jetzt den Postkasten wieder auf Normalhöhe bringen, aber das ist an diesem Standort nicht mehr möglich. „Er kann an dieser Stelle nicht weiter ins Erdreich versenkt werden, weil darunter Kabel verlaufen“, sagt Grundler. „Wir werden deshalb einen neuen Standort in der Nähe suchen.“

Pascal Clausen findet das schade. „Na ja, ich fand es eigentlich ziemlich witzig. Und ich bin groß genug, so dass ich problemlos den Briefschlitz des Riesen-Briefkastens erreichen konnte.“

Hannes Lintschnig

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