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Lübeck Ein Faible für die Zirkuswelt
Lokales Lübeck Ein Faible für die Zirkuswelt
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05:01 12.11.2017
In der Woche ist Lindenau kaum zu Hause, aber ein Tag gehört der Familie. „Das wird auch so bleiben“, sagt er. Dann buddelt er mit seinem Sohn einen Teich im Garten oder schneidet die Hecke.  Quelle: Neelsen
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Er wäre der jüngste Bürgermeister Lübecks. Jan Lindenau will mit 38 Jahren Rathaus-Chef werden. Der Bankkaufmann leitet die SPD-Fraktion in der Bürgerschaft. Er gilt als gut informiert und manchmal technokratisch. Aber er hat auch eine verträumte Seite.

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Das Lachen ist unglaublich breit. Die Lippen knallrot, von den Mundwinkeln bis zum Kinn ist alles weiß geschminkt. In das fröhliche Gesicht mit dem charakteristisch gekräuselten Mundwinkeln blickt Jan Lindenau jeden Tag. Clown Grock ist Teil seines Arbeitszimmers. Der weltberühmte Schweizer Musikclown mit den riesigen Schlappschuhen und Schlabberhose ist 30 Zentimeter hoch und wird in Lindenaus neuer Vitrine stehen. Noch ist sie nicht ausgepackt, aber ein roter Samtvorhang rahmt schon die Ecke des Raumes ein, in der sie auf einem Podest Platz finden wird. Es wird ein kleinerAltar.
Zirkus-Fan – das ist Lindenau durch und durch. „Das hat etwas von Träumerei, von Poesie – das gefällt mir“, sagt Lindenau. Seine Schränke unter den schrägen Dachwinkeln sind voll mit Utensilien, die den großen Zirkussen einst gehörten. Kein Sammelsurium, sondern schön aufgeräumt. Vergilbte Blöcke mit Eintrittskarten zum Abreißen, Untersetzer für Gläser mit einem gefährlich aussehenden Löwenkopf, eine Sektflasche mit dem Schriftzug Sarrasani – und eingewickelte Zuckerstücke mit der Aufschrift „Staatszirkus der DDR“. Da ist Lindenau nach der Wende extra ins Winterlager des Zirkus’ bei Berlin gefahren – und hat mächtig eingekauft. Für die Zuckerstücke hat er eine Mark gezahlt, heute sind sie 70 Euro wert. Es gibt offenbar eine Fan-Gemeinde – und Mitglied in der Gesellschaft für Zirkusfreunde ist Lindenau auch.

Zwei Welten sind es, die in Lindenaus Zimmer aufeinanderprallen. Die des rationalen Kommunalpolitikers und die des verträumten Zirkus-Fans. Der Raum unter dem Dach seines Reihenhauses ist in Weiß gehalten, mit einigen roten Elementen. Auf der einen Seite reihen sich die Regale mit Ordnern auf. Davor steht der nüchterne Schreibtisch aus Glas. Von dort fällt der Blick auf die andere Seite des Zimmers.

HanseTalk: Das Duell

Die komplette Veranstaltung können alle Interessierten heute ab 12 Uhr live im Internet verfolgen. Einfach auf LN-Online.de/Hansetalklivestream gehen. Sie sind auf Facebook? Dann können Sie die Liveübertragung auch auf www.facebook.com/LNOnline verfolgen. 

Dort ist die Zirkuswelt. Neben dem roten Samtvorhang steht der Nachbau eines Zirkuswagens – zumindest eines Teils. Die schmale Seite mit dem roten Runddach hat Lindenau selbst gebaut. Wenn alles fertig ist, werden dort weitere Devotionalien Platz finden: 3500 Plakate und Programmhefte, die er gesammelt hat.

Zwei Etagen tiefer ist Familienleben angesagt. Der große Wohnraum, die angrenzende, offene Küche, der Esstisch – dort hat auch Lindenaus siebenjähriger Sohn seinen Maltisch. Jeden Morgen fährt Lindenau mit ihm im Bus zur Altstadt und bringt ihn zur Schule. Lindenau selbst hat keinen Führerschein („Habe nie ein Auto gebraucht“), geht meistens zu Fuß. Aufgewachsen ist der Lübecker in der Hundestraße, dort leben seine Eltern heute noch. Danach hatte er zwei weitere Wohnungen in der Altstadt – eine alleine und eine mit seiner Frau Ellen. Als sich der Nachwuchs ankündigte, sollte es etwas mit Garten sein. „Wir haben drei Jahre gesucht “, sagt Lindenau. Dann wurden das Ehepaar am Hansering fündig. Ein Endreihenhaus, 2013 gebaut – alles neu, alles modern, alles sehr aufgeräumt. Die beherrschende Farbe: Rot. „Das hat meine Frau eingerichtet.“

Jan Lindenau Privat

  • Lieblingsbücher: So ein richtiges Lieblingsbuch hat Jan Lindenau nicht. Aber: In der Schule hat er als einziges Buch „Die philosophische Hintertreppe“ (Wilhelm Weischel) komplett durchgelesen.
  • Hobbys: Nun, die Zirkus-Leidenschaft. In die Vorstellungen geht Jan Lindenau „immer, wenn es die Gelegenheit gibt“. Ansonsten sammelt er alles, was mit der Zirkuswelt zu tun hat. 
  • Im Fernsehen schaltet Jan Lindenau Politik-Sendungen und Reportagen ein. Als einzige Schnulze schaut er sich „Traumschiff“ an. Da geht dann sogar seine Frau ins Bett, weil sie das nicht aushält.
  • Speis und Trank: Da ist Jan Lindenau leidenschaftslos. Gern Wein, aber am liebsten alkoholfreies Bier. Lindenau isst alles, was auf den Tisch kommt – und ab und an eine Currywurst. 

Wenn Lindenau seinen Sohn zur Schule gebracht hat, geht’s zur Arbeit – die Bank hat ihre Filiale in der Altstadt. Abends gibt es Termine in Sachen Kommunalpolitik: Sei es der Hauptausschuss, in dem er Vorsitzender ist, die Fraktionssitzung, die er leitet – oder eine Veranstaltung, zu der er eingeladen ist. Lindenau mag es, Probleme zu lösen. „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht etwas geregelt habe“, sagt Lindenau. Und wenn es das Dixi-Klo in der Hartengrube ist, das dort wochenlang stand – und stank. Die Baustelle war weg, die Toilette noch da. Lindenau hat sich darum gekümmert. Jetzt ist sie weg. Von solchen kleinen Geschichten kann er viele erzählen. Er wühlt sich in Themen hinein und ist unermüdlich. Auch als die Eigentümer der Reihenhäuser Ärger mit dem Verwalter hatten, hat Lindenau kurzerhand „die Organisation übernommen“.

In der Woche ist Lindenau kaum zu Hause, aber ein Tag gehört der Familie. „Das wird auch so bleiben“, sagt er. Dann buddelt er mit seinem Sohn einen Teich im Garten oder schneidet die Hecke. „Auch wenn es gar nicht sein muss“, sagt er. Das entspannt ihn. Und wenn Urlaub angesagt ist, dann gerne in Skandinavien – oder auch Griechenland. „Weil da die Mentalität so anders ist“, sagt er. Die Niederlande hat er ebenfalls auf dem Urlaubszettel. Meistens fährt die Familie aber auf einem Kreuzfahrtschiff – zuletzt von Mallorca aus die französische Küste entlang. Dass Kreuzfahrtreisen toll sein können, hat ihm seine Frau beigebracht.

Außerdem passt das mit einer anderen Leidenschaft zusammen, die man von Lindenau eher nicht erwartet. „Ich gucke gerne ,Das Traumschiff’“, sagt er. Da kann er entspannen, weil alles so schön vorhersehbar ist. Lindenau gesteht: „Das ist die einzige Schnulze, die ich sehe.“

Josephine von Zastrow

Politischer Unterschied zu Weiher

  • Stadtteilbüros: Lindenau möchte die Stadtteilbüros wieder eröffnen. Bürger sollen frei entscheiden können, ob sie einen persönlichen Service oder einen Online-Service nutzen, die Königpassage könnte Verwaltungsstandort werden.
  • Schuldenabbau: 1400 Mitarbeiter der Verwaltung werden in den Ruhestand gehen, Lindenau will nicht alle Stellen besetzen, sondern Verwaltungsvorgänge digitalisieren. So möchte er neun Millionen Euro Personalkosten sparen.
  • Staufalle: Baufirmen sollen mit Wochenend- und Nachtarbeit sowie Fristen zur zügigen Fertigstellung verpflichtet werden. Baustelleninfos sollen Bürger auf Handys und Navis erreichen
  • Wohnen: Um die dringend benötigten Wohnungen zu schaffen, plant Lindenau einen neuen Stadtteil zwischen Schwartauer Allee undWallhalbinsel. 1000 bis 1200 Wohnungen sollen dort entstehen, außerdem Kleingewerbe, Nahversorgung und viel Grün.
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