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Lübeck Ein Feiertag für den Gerstensaft
Lokales Lübeck Ein Feiertag für den Gerstensaft
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22:39 22.04.2016
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Lübeck

Es ist ein Feiertag der Braumeister: Seit 1994 gibt es jährlich am 23. April den „Tag des deutschen Bieres“. Erinnert wird dabei an das „Deutsche Reinheitsgebot von 1516“, bei dem erstmals die Inhaltsstoffe von Bier — Hopfen, Gerste und Wasser — festlegt wurden. Auch in Lübeck hat das Hopfen-Getränk eine lange Tradition: So war die Stadt nicht nur Vormacht der Hanse, sondern viele Jahrhunderte auch „Hauptstadt“ der Brauereien und des Bierexportes.

Das zeigt auch die Vielfalt an Biersorten, die man hier seit dem Mittelalter braute: Man unterschied zwischen Weißbier, Rotbier und Braunbier. Es gab „Frillenbier“, „Israelsbier“ — benannt nach einem Brauer-Kaufmann —, Dickbier, Pfennigbier oder Kesselbier. 1546 arbeiteten 130 Rot- und 46 Weißbrauer in der Stadt, die in der Brauerzunft zusammengefasst waren. 1363 wurde das Bier aus einer Mischung von Gersten- oder Weizen- und Hafermalz im Verhältnis von 1:7 hergestellt. Damit war man schon nahe am Reinheitsgebot von 1516.

Dem Lübecker Rat lag sehr daran, dass der Ruf des Bieres im Ausland nicht litt, „darmit de frömde Man durch vorfelschunghe des beeres nicht bedragen“ werde. Daher musste die Qualität des Bieres durch die sogenannte Bierprobe, die bis ins 19. Jahrhundert praktiziert wurde, geprüft werden: Bis 1859 gab es eine Art Behörde mit einem Senator als Vorsitzenden sowie acht weiteren Mitgliedern. Diese kamen wöchentlich mehrmals zu einer Probe von bis zu acht verschiedenen Bieren zusammen. Ob man einem Lübecker Senator heute noch ein Amt in der „Bierprobe“ wünschen sollte? Eher nicht. Denn nicht alle damals gebrauten Biersorten schmeckten gut.

Heute braut in Lübeck nur noch die Brauerei Brauberger in der Alfstraße ihr Zwickelbier. „Lück“-Pils, das 1988 mit Schließung der gleichnamigen Brauerei aus den Handelsregalen verschwand, wird mittlerweile in der Kirschenholz Brauerei im Kreis Plön hergestellt.

Von Jan Lokers

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