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Lübeck Ein Fiat geht baden: Zweites Leben als Boot
Lokales Lübeck Ein Fiat geht baden: Zweites Leben als Boot
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11:08 25.06.2017
Lässig auf der Lachswehr: Dirk Neumann am Steuer seiner Bootskonstruktion. Quelle: Fotos: Holger Kröger
St. Lorenz Süd

Das italienische Wort „barchetta“ bedeutet „kleines Boot“. Als seine Kinder groß waren und er kein Familienauto mehr brauchte, schaffte Dirk Neumann (47) sich einen Barchetta an. Das ist kein Boot, sondern ein Auto, ein sportliches Cabriolet der Marke Fiat. Aber Neumann hat den Namen beim Wort genommen und sich zusätzlich noch einen schwimmenden Fiat Barchetta gebaut. Der liegt jetzt am Anleger seines Kleingartens an der Lachswehr und zieht viele Blicke auf sich.

Dirk Neumann hat ein schrottreifes Exemplar des Cabrio-Typs Barchetta in Eigenarbeit zum Boot umgebaut.

Die Idee entstand beim Stammtisch des Barchetta-Clubs. Jemand schenkte Neumann ein schrottreifes Exemplar. Er hatte es gerade lackiert und dann irreparable Schäden festgestellt. Neumann freute sich.

„Das Auto wurde bis 2005 gebaut“, erklärt er, „es gibt keine Ersatzteile mehr dafür.“ Er schlachtete den geschenkten Wagen aus. „Der war durchgerostet und hatte einen Motorschaden, war aber von der Karosse her einfach zu schade zum Wegschmeißen.“ Er erhielt die Karosserie und setzte sie auf ein altes Boot aus Glasfaser-Kunststoff.

Ein Amphibienfahrzeug wie der Bus, mit dem Touristen neuerdings zu Wasser und zu Land durch Lübeck fahren, ist nicht daraus geworden. Das hat den Nachteil, dass man damit nicht auf der Straße fahren kann. Es hat aber den Vorteil, dass der Umbau Dirk Neumann kaum etwas gekostet hat. Das Boot stand in seinem Kleingarten. „Das war mal die Sandkiste von meinem Großen“, erklärt er. Einen Außenbordmotor hatte er noch in seiner Gartenlaube. Tüfteln und schweißen war für ihn als begeisterter Autofahrer und gelernter Fluggerätemechaniker keine Schwierigkeit. 80 bis 100 Arbeitsstunden, schätzt er, hat er mit seinen Freunden hineingesteckt. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: „Der schwimmt wie’n Korken.“

Einiges ist an dem Gefährt noch zu tun: Neumann will die Beleuchtung ganz schifffahrtsgerecht gestalten, mit hinten und vorn je einer grünen und einer roten Leuchte. Es fehlen noch das Armaturenbrett, die Innenverkleidung und die Reifen an den Hinterrädern, die keine praktische, aber eine dekorative Funktion haben. Der Außenborder ist zwar schon eingebaut, es fehlt aber noch der Tank. Bis auf Weiteres kann Neumann sein Barchetta- Boot nur mit einem Paddel vom Fleck bewegen. Auf Dauer soll ein größerer Motor her. Was auch noch fehlt, ist die Fernbedienung, die das Lenkrad mit dem Motor koppeln soll, und eine Batterie, die mit dem Tank ins Heck gebaut werden soll, was die Lage des Boots noch etwas stabilisieren wird. „Im Moment ist er noch ein bisschen kopflastig.“ Und schließlich will Neumann das Verdeck anmontieren, wie es sich für ein Cabriolet gehört.

Vorerst liegt das Boot mit Sportwagen-Optik dekorativ an der Lachswehr – und ist schon dort ein Blickfang, auf den die Fahrer der Ausflugsschiffe ihre Fahrgäste nicht versäumen hinzuweisen. Besonders Kinder, berichtet Neumann, ließen sich davon beeindrucken. „Die sehen das als Erste: ,Kuck mal, Papa, ein Porsche im Wasser!‘“

 Hanno Kabel

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