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„Ein Großprojekt geht nicht zu Lasten von Vereinen oder Kunst“

Lübeck „Ein Großprojekt geht nicht zu Lasten von Vereinen oder Kunst“

LN-Interview mit dem neuen Vorsitzenden der Possehl-Stiftung, Max Schön (54), über Fördergrundsätze, die Rettung der MuK und das Hansemuseum.

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Max Schön (54) ist der 18. Vorsitzende der vom Lübecker Kaufmann Emil Possehl gegründeten Stiftung. Der Gründer ist mit einer Statue im Konzernsitz in der Beckergrube verewigt.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Wird die Possehl-Stiftung der Stadt bei der Sanierung der Musik- und Kongresshalle (MuK) helfen?

Max Schön: Das ist eine gute Frage. Wir haben noch keinen Antrag vorliegen. Das entscheidet bei uns der gesamte Stiftungsvorstand .

Es gibt noch keinen Antrag?

Schön: Nein. Er ist aber angekündigt.

Noch in diesem Monat?

Schön: Ich weiß nicht, wann er kommen wird. Doch in diesem Monat könnte der Antrag leider nicht mehr beraten werden. Wir haben Vorbereitungsfristen. Der Antrag geht erst in den Arbeitsausschuss, der die Entscheidung vorbereitet.

Zählt die Sanierung der MuK zu den Aufgaben der Stiftung?

Schön: Genau das werden wir prüfen.

Politiker und Verwaltung erhoffen sich von der Possehl-Stiftung in solchen Notsituationen eine umfangreiche Hilfe. Würden Sie für die MuK tief in die Tasche greifen?

Schön: Solche für die Stadt wesentlichen Entscheidungen werden im Stiftungsvorstand diskutiert. Da sind wir 18 Personen. Ich vertrete diesen Vorstand zwar nach außen, arbeite aber mit allen auf Augenhöhe zusammen.

Sie sind seit Jahresbeginn der neue Vorsitzende. Ihre Vorgängerin Renate Menken trug ihr Herz auf der Zunge. Sind Sie auch der direkte Typ oder mehr der Diplomat?

Schön: Ich bin direkt, aber vielleicht nicht so spontan. Wenn Entscheidungen anstehen, schlafe ich gerne einmal darüber. Und damit bin ich bisher ganz gut gefahren.

Es gab 2015 etwas über 800 Anträge auf Förderung. Wie viel Prozent hat die Stiftung bewilligt?

Schön: Zuschüsse erhielten grob geschätzt um die 90 Prozent. Nur in seltenen Fällen aber wird die erbetene Summe voll zugesagt. Wir sind häufig nicht die einzige Anlaufstelle. Die Menschen wenden sich auch an andere Stiftungen.

Die Stiftung schüttet zwischen 15 und 20 Millionen Euro im Jahr aus.

Schön: Im letzten Jahre waren es rund 15 Millionen Euro. Für Sonderprojekte wie die Sanierung von Dampfheizungen in Schulen, die Holstentorhalle oder das Hansemuseum gibt es Sonderausschüttungen. Wichtig: Diese schränken die normale Jahresförderung auf keinen Fall ein. Ein Großprojekt geht nicht zu Lasten von Vereinen, Kunst oder Sozialeinrichtungen.

Die Hansestadt kann ihre ureigenen Aufgaben wie die Erhaltung von Gebäuden ohne die Possehl- Stiftung oft nicht mehr leisten. Das ist aber nicht der eigentliche Sinn der Stiftung.

Schön: Für uns ist entscheidend, wie weit die Lübecker Bürger von einer Förderung profitieren. Ob es sich bei einem Antragsteller um Kommune, Kirche, Private oder Vereine handelt, ist für uns absolut zweitrangig.

Ihre Vorgänger haben das Hansemuseum verwirklicht. Sie dürfen jetzt dafür sorgen, dass für den Betrieb immer genug Geld da ist. Wie sehr ärgert Sie das?

Schön: Gar nicht. Wir haben den Bau des Hansemuseums vor Jahren im Vorstand einstimmig beschlossen. Genauso wie wir den Beschluss einmütig gefällt haben, dass wir zehn Jahre lang für die wirtschaftlichen Ergebnisse des Museums einstehen. Abgemacht ist abgemacht.

Sind Sie denn überzeugt, dass das Hansemuseum auch ein Erfolg wird?

Schön: Ja, das glauben wir. Sonst wären wir nicht so ein langes Engagement eingegangen. Es wird in Zukunft darum gehen, weitere Geschichten zu erzählen. Da gibt es sehr interessante Möglichkeiten — zum Beispiel zu vergleichen, wie früher die Hanse Handelsabkommen vereinbart hat und wie das heute beim Freihandelsabkommen TTIP läuft.

Die Stiftung wird immer für ihr Engagement gelobt. Aber spart nicht der Konzern Steuern, indem er die Stiftung füttert? Gehen diese Steuern nicht der Hansestadt verloren?

Schön: Nein. Der Konzern zahlte im Geschäftsjahr 2014 etwa 35 Millionen Euro Steuern. Die werden an den Standorten der einzelnen Firmen gezahlt, die zum Konzern gehören. Erst nach der Versteuerung erhält die Stiftung ihr Geld vom Konzern. Die Stiftung hat ein Steuerprivileg für die Zinsen, die sie aus angesparten Rücklagen erhält. Die sind steuerfrei und werden gemeinnützig ausgegeben.

Zu Ihrer Person: Sie haben früh den Familienbetrieb Max Schön übernommen und später verkauft. Sind Sie noch Unternehmer?

Schön: Ja. Ich betreibe ein Küchenstudio und eine Immobiliengesellschaft, die Wohnungen und Läden vermietet. Die Firma Max Schön habe ich 1995 an ein dänisches Unternehmen gegeben. Max Schön ist eine 100-prozentige Tochter der Sanistal A/S.

Sie müssen noch täglich arbeiten gehen?

Schön: Ja, ich habe drei Kinder, die in der Ausbildung stecken.

Sie haben sich für Nachhaltigkeit, Klimarettung und Wüstenstrom engagiert. Was sagt das über Ihr Weltbild aus?

Schön: Zwei Dinge sind mir sehr wichtig. Erstens: Wirtschaftsleben muss in Balance mit dem ökologischen und sozialen Umfeld stattfinden. Dem Egoismus ist eine Grenze gesetzt. Das Zweite ist der langfristige Blick, in Generationen zu denken. Das gilt vor allem für den Klimaschutz. Für Lübeck als Hafenstadt beispielsweise ist die Entwicklung des Meeresspiegels von existenzieller Bedeutung.

Wie lange werden Sie die Stiftung führen?

Schön: Die Wahlzeit beträgt drei Jahre. Zwei Mal kann ein Vorsitzender wiedergewählt werden. Die Beschränkung finde ich gut.

Warum?

Schön: Am Anfang geht man mit Elan an die Aufgabe, später könnte sich Routine einschleichen. Dann tut ein Wechsel gut. Jetzt freue ich mich erst einmal auf meine Aufgabe. Interview:

Kai Dordowsky

Unternehmer und Klimaschützer
Max Schön wurde 1961 als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Lübeck geboren. Sein Abitur machte Schön 1981 am Leibniz-Gymnasium in Bad Schwartau. Anschließend studierte er BWL in Stuttgart. 1985 übernahm Schön die Firma seines verstorbenen Vaters. Er baute den Großhandel für Stahl, Rohre, Werkzeuge, Maschinen und Küchen aus und gründete nach der Wende Niederlassungen im Ostseeraum.
1995 verkaufte er die Firma an ein dänisches Unternehmen, blieb aber Aktionär. Als Unternehmer leitet er heute das Küchenstudio und eine Immobilienfirma. Seit 2004 engagiert sich Schön in der Possehl-Stiftung. Von 2001 bis 2005 war er Verbandspräsident der Familienunternehmen, von 2008 bis 2012 Mitglied des Klimarates der Kieler Landesregierung, von 2009 bis 2013 Mitgründer von Desertec (Wüstenstrom) und drei Jahre lang Vorstand einer Stiftung Unternehmer für Klimaschutz.

Der 54-Jährige hat drei erwachsene Kinder und lebt heute mit der Bildhauerin Bettina Thierig zusammen.

LN

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