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Lübeck Ein Hühnerstall vor der Schiffergesellschaft
Lokales Lübeck Ein Hühnerstall vor der Schiffergesellschaft
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18:18 24.12.2015
Angela Schlegel vom Stadtarchiv Lübeck und Autor Manfred Eickhölter mit der Skizze. Quelle: Stadtarchiv

Es war 1785, als „ein wolweiser Rath dieser Stadt“ verfügte, die Federvieh- und Wildverkäufer sollten künftig ihre lebende Ware nicht mehr auf dem Markt am Rathaus, sondern auf dem Viktualienmarkt auf dem Kaufberge, auch Kuhberge genannt, feilbieten.

Die Händler zögerten, fürchteten sie doch um ihre Stammkundschaft. Um ihnen den Umzug schmackhaft zu machen, wurde gegenüber der Schiffergesellschaft an der Kirchhofmauer der Jakobikirche ein „Schauer“ errichtet — ein holzgefertigtes „Mittelding“ aus Stall und Käfig: zehn Meter breit, fünf Meter hoch und drei Meter tief. Dort konnte man Vieh unterbringen, besichtigen und kaufen.

Der Verschlag wurde nicht recht angenommen und wenig genutzt, zumal der Senat es den Händlern überließ, ihr Federvieh dort oder in ihren Häusern „feilzuhalten“. Nach 15 Jahren war das hölzerne Ungetüm in marodem Zustand. In dieser Situation bot Johann Rohse, Gastwirt im Hotel Stadt Wismar auf dem Kaufberge, an, das Schauer auf eigene Kosten abzubrechen und an seiner Stelle eine Wagenremise, eine trockene Unterkunft für Pferdegespanne, zu errichten.

Die von Wirt Rose dem Baugesuch beigefügte Zeichnung befindet sich heute im Stadtarchiv. Sie zeigt den vorhandenen Hühnerstall im Grundriss und legt darüber die gezeichneten Dimensionen des geplanten Fahrzeugunterstandes. Dessen Raumbedarf hätte die Breite Straße, damals wie heute kaum mehr als eine Gasse, arg verkleinert. Für Gespanne, die in die Engelsgrube einbiegen wollten oder von dort heraufkamen, eine Zumutung beim Lenken, zumal im Bereich der Kreuzung auf der Seite des Kirchhofs auch ein Baum stand. Der Rat der Stadt folgte 1804 der Expertise seines Baumeisters, das Schauer ersatzlos wegzubrechen.

Dr. Manfred Eickhölter

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