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Ein Kuhstall der Luxusklasse

Lübeck Ein Kuhstall der Luxusklasse

Mitten in der Milchkrise geht ein junger Lübecker Landwirt in die Offensive: Mit einem der modernsten Kuhställe Lübecks setzt er ein Zeichen für die bäuerliche Zukunft und gegen den Preisverfall der Milch.

St. Jürgen. Stefan Bandholz dürfte nicht nach Lachen zumute sein. Für einen Liter Milch bekommt der Landwirt zur Zeit 23 Cent. Ein Hungerlohn. 33 Cent braucht er, um in seiner Milchwirtschaft mit plus/minus null über die Runden zu kommen. „Mit 40 Cent pro Liter Milch könnte ich gut auskommen“, sagt der 33-Jährige, der den alteingesessenen Bauernhof in Vorrade in 17. Generation führt. Der Familienbetrieb geht bis ins 13. Jahrhundert zurück und hat in den Jahrhunderten so manche Krise gemeistert.

LN-Bild

Mitten in der Milchkrise geht ein junger Lübecker Landwirt in die Offensive: Mit einem der modernsten Kuhställe Lübecks setzt er ein Zeichen für die bäuerliche Zukunft und gegen den Preisverfall der Milch.

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Bandholz hat in seinem 212-Hektar-Betrieb zwei Standbeine: die Milchwirtschaft, die derzeit nichts abwirft (Bandholz: „Ich verzichte auf meinen Lohn“), und den Ackerbau mit Weizen, Gerste, Raps und Futtermais.

Der Landwirt mit dem eisernen Willen gehört zu den Menschen, die sich von Optimismus treiben lassen, nach dem Motto: Auf schlechte Jahre folgen die guten. „Ich schaffe das“, sagt er und blickt auf seinen riesigen neuen Kuhstall an der Vorrader Straße, in den die Kühe im April eingezogen sind. Wie ein Mahnmal steht der Stall am Wegesrand, ist fast 3000 Quadratmeter groß, hat eine Firsthöhe von 11,50 Meter und wirkt wie Rübezahls Carport. Denn der Kuhstall hat keine geschlossenen Wände. Durch ihn weht der Wind. Kühe mögen frischen Wind, sie „mögen keinen nassen Rücken und keine 30 Grad Hitze“, sagt der Landwirt und grinst vergnügt – und das bei einem Milchpreis, der im Keller ist.

Während andere Landwirte die Milchwirtschaft aufgeben, investiert Stefan Bandholz. Er sagt nicht, wie viel, aber wer in diesem Kuhstall steht, weiß: sehr viel. Derzeit futtern in diesem Stall 136 Kühe, rennen auf Laufwegen um die Wette, sonnen sich auf der kleinen Terrasse und lassen sich den Rücken von einer automatischen „Kuhputzbürste“ kraulen.

Und wenn die Euter voller Milch sind und es drückt, dann gehen die glücklichen Kühe aus freien Stücken zu beliebigen Zeiten in die Gasse, wo der Milchroboter steht. Am Ende der Gasse steht der betörend duftende Trog mit Kraftfutter. Während die Kühe fressen, macht sich der Kamera-bestückte Melk-Roboter an die Arbeit, reinigt die Zitzen und zapft die Milch.

Aber nicht nur das. Der Roboter übernimmt echte Verantwortung. Er misst den so genannten Leitwert der Milch, prüft deren Qualität und errechnet die gezapfte Milchmenge. Hat die Kuh zum Beispiel eine erhöhte Körpertemperatur oder ein verändertes Hormonbild, gibt der Roboter sofort Alarm. Bandholz weiß beim Blick in seinen Computer anhand der Chip-Nummer blitzschnell, welche Kuh sich anschickt, krank oder Mutter zu werden. Viele Kühe werden deshalb gar nicht erst krank, bleiben produktiv. Und der Tierarzt muss nicht mehr so häufig kommen. Das spart Geld.

Viele Milchbauern trennen sich aus Frust von ihren Kühen, weil verschenkte Milch keine Einnahmen bringt. Bandholz blickt durch seinen lichtdurchfluteten Kuhstall. Auf der einen Seite stehen die 136 Kühe, auf der anderen Seite herrscht noch Leere. Aber nicht mehr lange. Auch dort sollen bald Milchkühe futtern. Der Stall ist für 280 Kühe ausgelegt. Angesichts der Milchkrise kann man das schon trotzig nennen.

Warum macht der Vorrader Landwirt das, warum stellt er sich gegen den Trend? Weil er an die unverzichtbare Milch glaubt. „Es wäre fair, wenn die Milch im Laden 1,30 bis 1,50 Euro kosten würde“, sagt Bandhorst und glaubt unerschütterlich, dass die Endverbraucher irgendwann ein Einsehen haben und nicht mehr der Dumping-Preis-Milch der Discounter hinterher rennen.

„Ich investiere in Wohlbefinden“, betont der Vorrader Landwirt mit Blick auf den supermodernen Kuhstall. Er meint das Wohlbefinden seiner Kühe und sein eigenes. Der 33-Jährige rechnet betriebswirtschaftlich vor, was sich für ihn verändert hat: „Im alten Stall hatte ich 48 Arbeitsstunden pro Kuh und Jahr. Im neuen Stall sind es 34 Stunden.“ Da er an keine Melkzeiten mehr gebunden sei, habe er einen flexibleren Arbeitstag. Ziel des begeisterten Landwirts ist es, dass seine Kühe älter werden, und dass jede Kuh pro Lebenszeit künftig statt der derzeit 32 000 Liter gut 40 000 Liter spendet.

Stefan Bandholz hat schon ein weiteres Projekt im Kopf: eine vollautomatische Milchzapfanlage für Otto Normalverbraucher. Der Milchliebhaber kommt auf seinen Hof, geht mit einer Ein-Liter-Pfandflasche zum „Getränkeautomaten“ und zapft sich die Milch für einen angemessenen Preis. Dass es Menschen gibt, die das tun wollen, davon ist der Vorrader Landwirt felsenfest überzeugt:

„Fünf Prozent der Verbraucher würden Lebensmittel direkt vom Hof kaufen.“ Und er fügt hinzu: „Es ist wichtig, hochwertige Lebensmittel aus der Region zu kaufen. Ob Bio oder normal ist egal.“

Immer weniger Milchbauern

4000 Milchbauern gibt es in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1999 waren es noch 7500. Das heißt: Pro Jahr werfen 3,1 Prozent der Milchviehhalter das Handtuch. Wird dies nicht gestoppt, wird es im Jahr 2025 nur noch rund 2900 Milchbetriebe im nördlichsten Bundesland geben.

35,9 Prozent der schleswig-holsteinischen Milchbauern halten mehr als 100 Milchkühe in ihren Herden. 14 Betriebe haben mehr als 500 Milchkühe, 219 Betriebe zwischen 200 und 499 Kühe und 1234 Betriebe zwischen 100 und 199 Kühe.

2,5 Milliarden Kilogramm Milch werden in Schleswig-Holstein jährlich produziert.

 Torsten Teichmann

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