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Lübeck Ein Lübecker erweckt Urzeit-Kreaturen zum Leben
Lokales Lübeck Ein Lübecker erweckt Urzeit-Kreaturen zum Leben
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00:00 14.10.2012
Lübeck

Der Archaeopteryx ist ausgestorben – und das schon seit Millionen von Jahren. Von ihm übrig geblieben sind lediglich Federabdrücke und Skelettreste. Doch dank Jörg Ohlenbusch können die Besucher des Darwineums in Rostock den Urvogel in seiner vollen Pracht bewundern. Das Gefieder glänzt seidig-blau, die Flügel hat er ausgestreckt. Der Lübecker Tierpräparator und Modellbauer hat in den vergangenen anderthalb Jahren zehn große Tiere, 30 kleinere Objekte und 30 Orchideen für die neue Ausstellung angefertigt. Der Lübecker setzte sich mit seinem Kollegen Hartmut Schmiese aus Mönchengladbach gegen acht andere Bieter in der europaweiten Ausschreibung durch.„Für eine Person ist das Projekt zu groß“, erläutert der 45-Jährige. Acht Dioramen (künstlicher Landschaftsraum) zu den verschiedenen Erdzeitaltern haben er und sein Kollege für das Darwineum geschaffen. Schmiese konzentrierte sich dabei auf den Landschaftsbau und die Hintergrundmalerei, während Ohlenbusch die Pflanzen und Tiere erschuf. Viel mehr als ein paar fossile Abdrücke bleiben dem 45-Jährigen als Anhaltspunkte für die Gestaltung der urzeitlichen Kreaturen nicht. „Man hat Spielraum“, sagt der Modellbauer. „Denn man weiß nicht, wie die Gestalt wirklich war.“ Die Recherche ist deshalb das A und O. Bevor sich Ohlenbusch an die Konstruktion macht, wälzt er Bücher und durchforstet das Internet. „Das macht ein Drittel der Arbeit aus.“ Zu seinem Glück erschien passend zu seinem Darwineum-Projekt das Buch „Die Urzeit“ mit zahlreichen Abbildungen. Sie dienen aber nur als Orientierungshilfe, die Entscheidungsgewalt hat Ohlenbusch und so erstrahlen seine Wiwaxia in einem leuchtenden Orange. „Man weiß gar nichts über die ursprüngliche Farbgebung“, erklärt er. Der Körper des Kriechtieres, das vor 525 bis 500 Millionen Jahren gelebt hat, ist weich und mit Rückenpanzerplättchen sowie langen Stacheln besetzt. Damit die Nachbildung der Neuzeit seinem ausgestorbenen Modell ähnelt, hat sich Ohlenbusch einiges einfallen ist. „Man muss kreativ sein“, sagt er. Der 45-Jährige hat den Rücken seiner Wiwaxia kurzerhand mit Sonnenblumenkernen nachgebildet, die er später mit Kunstharz ausgoss. Der Urvogel hat ihn vor eine besondere Herausforderung gestellt. „Ich wusste nicht, wie ich die Flügel bauen sollte“, schildert er. Lange schwankte er zwischen echten und nachgebildeten, für die er sich schließlich entschied. Die Füße des Archaeopteryx und die Krallen am Flügel sind allerdings echt – das waren mal Hühnchen- und Krähenfüße. „Hier spielt die Arbeit des Präparators wieder rein.“ Drei Jahre hat Ohlenbusch den Beruf an der höheren Berufsfachschule für Präparatoren, Fachbereich Biologie, in Bochum gelernt. Über diese Arbeit kam er zum Modellbau. „Das ist kein Lehrberuf“, erläutert Ohlenbusch, der zu den wenigen gehört, die dieses Handwerk beherrschen. Die Zahl der Modellbauer liegt in Deutschland nur etwa im zweistelligen Bereich, schätzt er. Von seiner Werkstatt in der Galerie „Defacto Art“ im Balauerfohr aus arbeitet Ohlenbusch für Kunden in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. In dem 80 Quadratmeter großen Atelier hat er mit Hilfe der Holzbildhauer Ria Bredemeyer und Killian Kreuzinger auch alle Ausstellungsstücke für das Darwineum gebaut – vom zwei Zentimeter großen Hallucinugenia bis zum 1,20 Meter langen Anomalocaris. „Ich war selbst erstaunt, dass das alles gepasst hat.“ Mit der zentralen Lage seiner Werkstatt ist Ohlenbusch sehr zufrieden. „In der Innenstadt bekommt man alles.“ Für die Stacheln des Wiwaxia verwendete er zum Beispiel ganz einfach Kunstgras. Mit einem Transporter brachte Ohlenbusch das Kriechtier und seine gut verpackten Urzeitkollegen im August nach Rostock. „Vor Ort wird dann nur noch die Position festgelegt und die Endmontage gemacht.“ Am 8. September feierte das Darwineum Eröffnung – Ohlenbusch war natürlich dabei. „Es ist sehr spannend, die Reaktionen zu sehen, es war auch viel Fachpublikum da“, sagt der Lübecker. „Die Resonanz war sehr positiv.“ Der erste Folgeauftrag ließ nicht lange auf sich warten. Für das Nationalparkzentrum Berchtesgadener Land soll er alpine Pflanzen und die dort lebenden Fische nachbilden. Pflanzen über Pflanzen liegen bereits auf einem Tisch in seiner Werkstatt. Diese sind mittlerweile zwar nicht mehr taufrisch, aber immer noch um einiges lebendiger als der Urvogel und seine Kollege.

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