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Lübeck Ein Manager und Diplomat geht von Bord
Lokales Lübeck Ein Manager und Diplomat geht von Bord
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21:40 30.01.2018
Abklatschen zum Abschied: Thomas Schmittinger musste gestern einen langen Parcours im Katharineum bewältigen. Quelle: Foto: Felix König
Innenstadt

Wer zum Eintritt in den Ruhestand so mit herzlichen Komplimenten überschüttet wird, muss einiges richtig gemacht werden. „Seine Hingabe ging weit über das hinaus, was die Stellenbeschreibung einem Schulleiter auferlegt“, sagte Corinna Arndt vom Personalrat in einer bemerkenswerten Rede. „Sein Fortgang ist ein großer Verlust“, erklärten die Schülervertreter Sarah Fetscher und Henry James Berndt. Auf einer Klassenreise seien sie gefragt worden, ob „der lockere Typ wirklich ihr Schulleiter sei“. Oliver Claussen vom Kieler Bildungsministerium: „Er hat nicht auf die Pauke gehauen, sondern zugehört.“

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Vom Mann der leisen Töne waren anfangs nicht alle überzeugt. „Ich erwartete Visionen zur Schule von morgen“, sagte der stellvertretende Schulleiter Frank Poetzsch- Heffter, „da kam nichts.“ Doch „Schmitti“, wie ihn die Schüler nannten, überzeugte schnell durch andere Fähigkeiten. Unzählige Gespräche führen, alle fünf Minuten eine E-Mail verschicken, ganz viele Personen kennen, hartnäckig um eine Sache streiten – das habe den Oberstudiendirektor ausgezeichnet. „Er war Manager, Fundraiser, Diplomat, Lobbyist und Dompteur in einer Person“, lobte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD).

Schmittinger habe in den 14 Jahren rund zehn Millionen Euro verbaut – für Mensa, Aula, Fachräume, Brandschutz und neue Toiletten. „Eine beeindruckende Liste“, sagte Saxe. „Er hatte brillante Fähigkeiten im Bereich der Kofinanzierung“, bestätigte Poetzsch-Heffter. Diverse Stiftungen und drei Fördervereine pumpen Geld in die Schule. Die hat sich in den 14 Jahren grundlegend gewandelt. Die Zahl der Vollzeitstellen sank auf unter 50 Prozent, ebenso die Zahl der männlichen Lehrkräfte.

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Schmittinger wuchs im Hunsrück auf, studierte in Braunschweig und Bonn Mathematik, Physik und Religion, unterrichtete in der Ernestinen- und der Prenski- Schule. Seine mehrstündige Abschiedsfeier bezeichnete er als „einen emotionalen Ritt“. In seiner Rede kritisierte der scheidende Schulleiter die wachsende Bürokratisierung. Drei Mal bezeichnete er das, was heute an Schulen passiert, als „Absurdistan“. Aber es gebe auch Lichtblicke. Nach 15 Jahren Kampf gebe es „Licht am Horizont in Sachen Digitalisierung“.

 dor

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