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Lübeck Ein Reisender entdeckt seine Heimat in der Ferne
Lokales Lübeck Ein Reisender entdeckt seine Heimat in der Ferne
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18:22 16.01.2016
Nils Straatmann ist ein lebhafter Geschichtenerzähler. Im Tonfink hat er von seiner Karibik-Reise berichtet. Quelle: phs

113 Tage war der gebürtige Geesthachter Nils Straatmann auf einem alten Schiff in der Karibik unterwegs. Über seine Erlebnisse hat er ein Buch geschrieben — eine „Heimatgeschichte in der Ferne“, sagt der 26-Jährige. Jetzt hat er es im Tonfink vorgestellt. Auf einer Leinwand zeigte er Bilder seiner Reise, dazu gab es Rum mit braunem Zucker und Limette.

„Das war unfassbar naiv“, sagt Nils Straatmann. Ohne ein Wort Spanisch zu können, mit einer Kontokarte, die ihm in der Karibik nichts nutzte, und einem Handy ohne Empfang kam er im Juni 2013 an, um auf der „Stahlratte“ zu arbeiten. Das alte Segelschiff transportiert zwischen Panama und Kolumbien Touristen.

Alles begann mit dem Notebook seines Großvaters. Dieser war kurz zuvor verstorben. Auf dem Computer fand er Bilder von ihm. „Die Bilder waren von Fernweh getränkt. Ich wusste gar nicht, dass mein Opa zur See gefahren ist“, sagt Straatmann. Er beschloss, sich auf die Spuren seines Großvaters zu begeben. Und so bewarb er sich um die Stelle auf der „Stahlratte“ — und bekam prompt eine Zusage.

„Alles, was ich bis dahin gelernt hatte, war dort nichts wert“, sagt Straatmann. „Weil meine Arbeit nichts wert war, war auch ich nichts wert.“ Die vielen Arbeiten an Bord musste er sich aneignen. Er lernte viel über die Maschine, das Segeln, Schiffe, Spanisch und über seinen Opa. Über seine Erlebnisse schrieb Straatmann in einem Blog — die Grundlage für sein Buch „Wo die Kartoffeln auf Bäumen wachsen“. Es ist ein Reisebericht, eine Spurensuche im Leben seines Großvaters. Der Tonfink war bis auf den letzten Platz gefüllt. „Auf der Reise habe ich viel über meine Heimat gelernt und darüber, wie gern ich Deutschland mag.“ Am allerschlimmsten sei die Hitze gewesen.

Heute lebt Straatmann in Leipzig und studiert Theologie. Viel Zeit hat er dafür derzeit allerdings nicht. Er ist mit seinem Buch auf Tour, schreibt für große deutsche Zeitungen, tritt bei Poetry- Slams auf. „Die Theologie war immer mein Plan B. Einen Plan A hatte ich nicht.“

Dass er mal Buchautor werden würde, hätte er vor fünf Jahren nicht gedacht. Geschrieben habe er aber schon immer gern — schon als Jugendlicher im Bus, auf dem Weg zum Fußballtraining. Später kamen dann die Poetry-Slams, bei denen er unter dem Künstlernamen „Bleu Broode“ auftritt.

„Wo die Kartoffeln auf Bäumen wachsen“, Piper Verlag, 14,99 Euro.

phs

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