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Lübeck Ein Rettungswagen für XXL-Patienten
Lokales Lübeck Ein Rettungswagen für XXL-Patienten
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20:45 31.05.2016
Notfallsanitäterin Kathleen Borda (l.) und Rettungsassistentin Natascha Bock zeigen den Innenraum des Schwerlast-Rettungswagens. Quelle: dpa

Wenn extrem übergewichtige Menschen ins Krankenhaus gebracht werden müssen, kommen normale Rettungswagen an ihre Grenzen. In Lübeck wird daher künftig ein Spezial-Rettungsfahrzeug im Einsatz sein – mit verstärkter Hydraulik und extrabreiten Tragen. Im Land gibt es insgesamt jetzt zwei dieser Fahrzeuge.

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Fahrzeug ermöglicht sicheren und menschenwürdigen Transport von bis zu 400 Kilo schweren Personen.

„Das Problem ist oft weniger das Gewicht, sondern der Körperumfang der Patienten. Da sind normale Tragen und Haltegurte schnell überfordert“, erklärt Christian Mandel, Sprecher der Rettungsdienstkooperation in Schleswig- Holstein. Diese ist Trägerin des Rettungsdienstes in verschiedenen Kreisen und hat das Konzept gemeinsam mit der Lübecker Berufsfeuerwehr entwickelt. 

Die Fahrzeuge auf der Basis eines 7,5-Tonnen-Lastwagens sind daher speziell für den Transport extrem übergewichtiger Patienten ausgelegt. Dadurch können schwergewichtige Patienten sicher und menschenwürdig transportiert werden, sagt der stellvertretende Chef der Lübecker Berufsfeuerwehr, Bernd Neumann. Ähnlich äußert sich Ludger Hinsen (CDU), Senator für Umwelt, Sicherheit und Ordnung. „Bisher musste bei der Versorgung Schwergewichtiger ein umgerüsteter Rettungswagen als Notbehelf dienen“, erklärt Hinsen. „Das neue Spezialfahrzeug bietet nun durch optimale Raumausnutzung nicht nur genug Platz für Ausrüstung und Instrumente, sondern auch eine bestmögliche Behandlungsumgebung.“

Ein normaler Rettungswagen kann Menschen bis zu einem Gewicht von 140 Kilogramm transportieren. Doch Menschen mit Adipositas, also einer krankhaften Fettleibigkeit, bringen oft deutlich mehr als 200 Kilogramm auf die Waage. In der Vergangenheit sind fettleibige Patienten mangels anderer Möglichkeiten schon auf der Ladefläche eines Lastwagens ins Krankenhaus gefahren worden. 

Die Schwerlast-Rettungswagen (S-RTW) verfügen neben der normalen medizinischen Ausstattung unter anderem über eine hydraulische Ladebordwand mit einer Hubkraft von 1,5 Tonnen, um die Patienten samt Trage ins Fahrzeug heben zu können. Die Trage selbst ist bis 450 Kilogramm belastbar und lässt sich bis auf 91 Zentimeter verbreitern. Die Standardtrage ist dagegen nur 55 Zentimeter breit. Außerdem gehören extrabreite sogenannte Schleifkorbtragen und extrem belastbare Trage- und Gleittücher zur Ausstattung der Fahrzeuge. Die umfangreiche Sonderausstattung ergänzt die ansonsten identische Ausrüstung, und die neuen Fahrzeuge sind vollwertig in der Notfallrettung einsetzbar.

Allein die Feuerwehr Lübeck bestreite pro Jahr rund 200 Einsätze, bei denen ein normaler Rettungswagen nicht ausreichte, sagt der Leiter des Rettungsdienstes, Tobias Schäfer.

„Als Notlösung hatten wir – wie auch die Feuerwehr Kiel – einen entsprechend umgebauten Rettungswagen, doch der ist mehr als zehn Jahre alt und abgängig.“ 

Im Notfall sprang die Feuerwehr Hamburg mit ihrem  Spezialfahrzeug ein. „Doch in den letzten Jahren kam es häufiger vor, dass die Fahrzeuge aus Hamburg erst nach mehreren Stunden oder gar am Folgetag verfügbar waren. Deshalb haben die Krankenkassen der Neuanschaffung von Schwerlast-Rettungswagen  in Lübeck zugestimmt“, sagte der Sprecher der AOK Nordwest, Jens Kuschel. 

Die Kosten sind nach Angaben der Feuerwehr Lübeck rund doppelt so hoch wie für ein Standardfahrzeug und werden über die Rettungsdienstentgelte von den Krankenkassen refinanziert. „Im Endeffekt tragen alle Versicherten die Kosten“, sagt Kuschel. 

Insgesamt gibt es zwei S-RTW in Schleswig-Holstein, das zweite Fahrzeug ist in Rendsburg stationiert. Der Lübecker Spezial-Rettungswagen soll vorwiegend im Süden und Südosten eingesetzt werden, der S-RTW aus Rendsburg steht überwiegend dem Norden und Westen des Landes zur Verfügung. Laut Rettungsdienstkooperation steigt die Zahl der Übergewichtigen beständig.

Übergewichtig

Nach Angaben der DAG, der Deutschen Adipositas Gesellschaft, sind inzwischen mehr als 50 Prozent der Bundesbürger übergewichtig, rund 24 Prozent gelten als adipös. Das bedeutet, ihr Body-Mass-Index (BMI) beträgt 30 oder mehr.  „Wir begrüßen die Anschaffung spezieller Schwerlast-Rettungswagen sehr, denn Übergewicht ist heute das neue Normal. Die Zahl schwer übergewichtiger Menschen hat stark zugenommen und wird in Zukunft noch weiter ansteigen“, sagt die DAG-Sprecherin Stefanie Gerlach.

kü/dpa

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