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Lübeck Ein Satiriker macht ernst
Lokales Lübeck Ein Satiriker macht ernst
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18:03 26.10.2017
Ein Herz für Travemünde: Ali Alam von der Satire-Truppe Die Partei hat fast sein ganzes Leben im Seebad gewohnt. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Wer der Politik einen Spiegel vor die Augen halten will, muss sie gut kennen. Das kann man über Ali Alam nicht sagen. Dennoch versucht er es. „Wir in Lübeck haben eine andere Ideologie als die anderen Kreisverbände“, plaudert der Mediengestalter über Die Partei. Treffpunkt ist das Café Niederegger in der Vorderreihe. Während seine Parteifreunde andernorts „nur Quatsch machen, wollen wir auf Missstände vor Ort aufmerksam machen“, beschreibt er seinen Ansatz.

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Wie mit der Aktion „Warten versüßen“ in der Meldestelle. Da haben Alam und seine Truppe Leckereien an Lübecker verteilt, die im Warteraum saßen, um ihr Auto anzumelden. Die Debatte um das Chaos in der Kfz-Meldestelle hat Alam genutzt, um für Die Partei zu werben. Kein Wunder, in dieser Hinsicht ist er Fachmann. Alam ist Chef einer kleinen Marketing- Agentur in Travemünde. Dort hat er gelernt, nun hat er mit anderen zusammen die Leitung. Bei einem weiteren Aufreger-Thema hat Alam sich ebenfalls eingemischt: Beim Streit um die Linden an der Untertrave. Der „Biber Lindenau“ wurde an den von Fällung bedrohten Bäumen angebracht – verziert mit der Aufforderung: „Esst mehr Lindenau“. In Anspielung auf SPD- Fraktionschef Jan Lindenau, der die Linden nicht erhalten wollte. „Ich mag Jan“, sagt Alam.

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Was er aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, sind Leute, die keinen Spaß verstehen. Wie Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD). In der Pause der Bürgerschaft spazierte Alam mit einem Karton Pizza in den Saal und spendierte sie den Politikern. Das kam nicht gut an bei Schopenhauer, die ihn aufforderte, den Saal zu verlassen. „Ich wollte den Leuten einfach etwas gönnen“, sagt Alam. So ist seine Satire nie verächtlich, sondern eher liebevoll-harmlos. Daher nennt Alam sich Bürgermeister der Herzen. Mit seinem Programm will er politisches Handeln spielerisch vorführen. Beispiel: Stimme her, Spende zurück. Wer Alam jetzt für seine Kandidatur Geld gibt, kriegt es zurück, sobald er im Amt ist. Garantiert, verspricht Alam. Und schiebt hinterher: „Ich verspreche nichts, aber das halte ich auch.“

Ob er es in die Stichwahl am 19. November schafft? „Das kann man nie wissen“, sagt er. Einen Erfolg zumindest verbucht er für sich. Seine wenigen Plakate sind beliebt. Alam erhält Anfragen von Studenten, die die Plakate nach der Wahl in ihre WG hängen wollen – manche nehmen sie schon jetzt mit. Wer ihm das Geld für den Druck der Plakate gegeben hat, verrät er nicht: „Ein geheimer Spender.“

Bei der Kommunalwahl 2013 hat Die Partei 1,3 Prozent geholt: Seither ist Parteikollege Bastian Langbehn in der Bürgerschaft. Alam hat eine Fan-Gemeinde im Netz, liebt Deutsch-Rap, Basketball, Inline- Skaten, ist verheiratet und Vater von dreijährigen Zwillingen. Ein Freund von ihm meint über Alam: „So satirisch ist er gar nicht, wie er vorzugeben scheint.“

Josephine von Zastrow

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