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Lübeck Ein Sommer mitten im Herbst
Lokales Lübeck Ein Sommer mitten im Herbst
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22:46 27.09.2016
Gabi Kitta (52) und Leo Brosch (48) haben sich noch einen Strandkorb gemietet. „Das Wetter ist ein Traum für diese Jahreszeit“, sagen sie. Quelle: Fotos: Lsc

„Vielleicht sollten wir bei diesem Foto noch das aktuelle Datum hochhalten“, sagt Leo Brosch und lacht. Mit Gabi Kitta liegt der Urlauber aus Nordrhein-Westfalen im Strandkorb in Travemünde und genießt die Sonne, den strahlend blauen Himmel. Beide können es kaum fassen, was sie für Traumtemperaturen auf ihrem Kurztrip an die Ostsee erleben: „Es ist Ende September! Andere fliegen für so ein Wetter weit weg.“

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Traumwetter zieht Gäste weiter an den Travemünder Strand – Wird offizielle Badesaison in Zukunft verlängert?.

Kosten und Nutzen

Die Strandnutzungsgebühr müssen Besucher nur zwischen dem 15. Mai und dem 14. September bezahlen. Sie beträgt auf der Stadtseite 2,80 Euro, auf dem Priwall 1,40 Euro. Gebührenfrei sind die Strände am Brodtener Ufer, der Grünstrand sowie für Lübecker der Priwallstrand. Die Gebühr fließt in Betrieb und Unterhaltung des Kurstrandes.

Die beiden Urlauber aus Marl sind nicht die einzigen, die so denken. Auch Ina Marie Kersten hat sich im Sand auf dem Handtuch niedergelassen und genießt die Ruhe. „Das einzige, was ich vielleicht ein bisschen vermisse, ist das gastronomische Angebot“, sagt die 48-Jährige. „Sonst konnte man sich mal eben schnell einen Kaffee holen.“

Denn auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so aussieht: Die Badesaison ist vorbei. Offiziell geht die sogenannte „Sommerkurzeit“vom 15. Mai bis zum 14. September. In dieser Zeit müssen die Besucher die Strandnutzungsgebühr zahlen. Jetzt machen die Automaten eine Pause – was so mancher Strandgast offenbar noch nicht bemerkt hat. „Manche standen vor den Geräten und beschwerten sich, dass die wohl kaputt seien“, sagt Kurdirektor Uwe Kirchhoff. „Die hatten einfach die Schilder übersehen.“

Tatsächlich gebe es wegen des zunehmend in den Herbst hinein verschobenen Sommers Überlegungen, die offizielle Badesaison zu verlängern. Vor allem damit die gesamte „Infrastruktur“ von Strandreinigung über Wasserwacht bis hin zu Gastronomie auch noch nach dem 14. September angeboten werden kann. „Wir haben im August mit der DLRG und auch dem DRK gesprochen, da diese ja ein wichtiger Partner bei der Sicherung des Badebetriebs sind“, so Kirchhoff. Aber da bereitet ein späterer Einsatz schon Probleme: „Die rekrutieren sich ja aus Freiwilligen, meist Schülern und Studenten – und die müssen um die Zeit dann meist schon wieder in den Lehrbetrieb zurückgehen.“

Die Sondernutzungserlaubnis des Landes für die Strandabschnitte über Mitte September hinaus zu verlängern, wäre wohl nur ein „formaler Akt“, so Kirchhoff. „Jedoch sollte man das dann in allen Küstenorten vereinheitlichen“, meint der Kurdirektor. „Und dann muss man sich überlegen, dass das relativ viel Geld kostet, weil unter anderem die Saisonkräfte länger beschäftigt werden müssen.“

So bleiben derzeit unter anderem das angespülte Seegras und der Seetang am Strand liegen, da die Saison ja vorbei ist. Für die meisten Besucher ist das aber kein Problem. „Das stört und beißt nicht“, sagt Strandkorbvermieterin Charlotte Seipel. „Das ist einfach Natur.“ Zudem müsse ihrer Meinung nach die Kurverwaltung auch zu dieser Jahreszeit die Prioritäten anders setzen. „Jetzt werden eben die Stege und Brücken eingeholt, damit die Hölzer auch im nächsten Jahr noch schön sind“, sagt Seipel. Sie ist jedenfalls froh, dass nach den recht verregneten Sommerferien nun noch ein paar Gäste an den Strand gekommen sind. „Unsere Saison geht sowieso bis zum 3. Oktober“, sagt Seipel. Viel länger könne man dann sowieso nicht machen, denn dann würden meist die Herbststürme beginnen.

Doch daran mag Werner Pannenbecker jetzt noch nicht denken. Im 18 Grad warmen Wasser nimmt er noch ein Bad mit seiner Tochter Silja (2). „Jetzt ist das Wasser viel wärmer als noch im Frühjahr“, sagt der Düsseldorfer. Gerade weil keine Rettungsschwimmer mehr den Strand bewachen, sagt er: „Da muss man die Lage beobachten und vorsichtig sein.“

 Lena Modrow

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