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Lübeck Ein Umzug ins Ungewisse
Lokales Lübeck Ein Umzug ins Ungewisse
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01:28 25.09.2016
Claudiu und Cornelia Apostol sitzen in Bayern schon auf gepackten Kartons. Neben Sohn Alessandro (siehe Foto unten) gehören ein Terrier und zwei Katzen mit zur Familie. Quelle: Thomas Sehr
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Lübeck/Garmisch-Partenkirchen

Familie Apostol aus Bayern hat einen Traum: Sie wollen die hohen Berge im Süden hinter sich lassen und in den hohen Norden ziehen. Und sie haben sich auf den ersten Blick verliebt – in die Hansestadt. Bis vor Kurzem schwebte die dreiköpfige Familie auf Wolke sieben und glaubte, in Lübeck ein neues Heim gefunden zu haben.

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In Lübeck: Ehepaar Apostol mit Sohn Alessandro (13).

„Wenn wir noch

tiefer fallen, kommen

wir in China wieder raus –

es kann einfach nur noch bergauf gehen.“Claudiu Apostol

Der zukünftige Vermieter sagte nun aber kurzfristig ab. Trotzdem kommt am Donnerstag der bestellte Umzugs-Lkw, und Familie Apostol reist nach Lübeck, ohne genau zu wissen, wohin.

„Es war schon immer unser Herzenswunsch, am Meer einen Neuanfang zu starten“, erzählt Claudiu Apostol. Seit Langem hätten er, seine Frau Cornelia und ihr dreizehnjähriger Sohn Alessandro nach einer möglichen neuen Heimat gesucht. „Dann haben wir im Internet Lübeck gefunden und wussten: Dort wollen wir leben“, erzählt der Gesundheitscoach. Und das, obwohl sie die Hansestadt bisher nur von Bildern kannten – Liebe auf den ersten Blick eben. Online fand die Familie eine Wohnung, kontaktierte den Vermieter. „Von Anfang an haben wir erzählt, dass wir selbstständig sind, zwei ältere Katzen und einen Jack-Russel-Terrier haben“, sagt der 40-jährige Bayer. Zwei Tage später sei die Familie nach Lübeck gefahren, habe sich die Wohnung angesehen und mit dem Vermieter getroffen.

„Es war ein tolles Treffen, familiär und wahnsinnig warmherzig“, erinnert sich Apostol. Beide Seiten seien voneinander begeistert gewesen. „Wir konnten unser Glück kaum fassen“, so Apostol. Weil auf die Schnelle kein Mietvertrag aufgesetzt werden konnte, sei man bei einer mündlichen Zusage verblieben. Und einem Handschlag. „Es war wie ein Zeichen, dass es das Leben mit uns gut meint.“ Der Vermieter habe betont, dass sein Wort etwas zähle. „Als Gegenleistung sollten wir die Miete und eine Mieterhöhung für Oktober schon zahlen“, erzählt der Gesundheitscoach.

Nach dem Treffen ging es für die Bayern endlich ans Meer. „Wir fuhren beseelt nach Travemünde und standen in dieser wunderschönen Stadt am Strand, blickten auf das Wasser und waren uns sicher, dass die Entscheidung alles zurückzulassen vielleicht verrückt, aber richtig sei“, so Apostol. Zurück in Bayern habe es noch ein Telefonat gegeben. „Ich fragte noch einmal deutlich, ob wir unsere Wohnung jetzt kündigen können – der Vermieter bejahte“, sagt der Familienvater. Die Familie kündigte die Wohnung in Garmisch-Partenkirchen, fand einen Nachmieter, verkaufte Möbel, leitete die Schulanmeldung für den Sohn in die Wege, bestellte neue Möbel und überwies Geld an den bisherigen Lübecker Mieter, von dem sie einige Dinge übernehmen wollten. Dann sei plötzlich alles zusammengebrochen.

„Ein Anwaltsschreiben kam, in dem stand, dass der Vermieter uns nun doch nicht mehr haben wollte“, sagt Claudiu Apostol. Auch eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung der letzten zwei Vermieter reichte schließlich nicht aus. „Von hier aus kann ich nicht überprüfen, ob die Unterschrift echt ist“, erklärt der 76-jährige Vermieter seine Entscheidung auf LN-Anfrage. Außerdem hätte die Familie alle Nachweise nur an seinen Anwalt und nicht an ihn persönlich geschickt. Seine Zweifel und Bedenken ob der Bonität habe die Familie aus Bayern nicht ausräumen können.

Der Umzug der Apostols steht trotzdem vor der Tür. „Bei Facebook habe ich einen Aufruf in einer Lübeck-Gruppe gestartet“, sagt Claudiu Apostol. Ein Notruf, denn die Zeit rennt. Ob der Resonanz und Hilfsbereitschaft der Lübecker sei die Familie überwältigt. „Jeden Tag erhalten wir Nachrichten und haben tatsächlich eine Notunterkunft bekommen“, sagt Apostol gerührt. Von dort aus hofft die Familie, in Lübeck irgendwie Fuß fassen zu können. „Denn wenn wir noch tiefer fallen, kommen wir in China wieder raus – es kann einfach nur noch bergauf gehen“, sagt der 40-Jährige.

 Tomma Petersen

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