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Lübeck Ein Visum in letzter Sekunde
Lokales Lübeck Ein Visum in letzter Sekunde
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20:13 03.08.2017

Ich sitze im Nachtzug nach Helsinki. Mir gegenüber döst Walther. Schirmmütze, kurze Hose, Flip-Flops. Vor einigen Stunden noch trug der finnische Student Anzug und Hemd auf der Hochzeit eines Freundes, jetzt ist er auf dem Weg nach Hause. Wir sind zu zweit in einem Sechser-Abteil. Glück gehabt, sagt Walther, nimmt die Schirmmütze ab und fährt sich erschöpft durch die dunkelblonden Haare.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Es ist Mitternacht, als mein Handy vibriert. Eine E-Mail von Sampo – der junge Finne, der mir helfen wollte, eine Fahrradkarte für den Zug zu kaufen. Er möchte wissen, ob ich mein Ticket noch bekommen habe. Ja, antworte ich, und frage ihn, ob er eine billige Übernachtungsmöglichkeit in Helsinki wüsste. Sampo bietet mir an, bei ihm zu übernachten.

In Helsinki bin ich vor allem mit der Organisation der Weiterreise beschäftigt: Zugticket nach Moskau kaufen, Visum beantragen, Karton für den Transport meines Fahrrads finden. Mit freundlicher Unterstützung des Reiseveranstalters, über den ich die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn gebucht habe, scheitere ich fast noch am Visum, bevor ich es überhaupt beantragt habe.

Einen Tag vor Ablauf der Frist zum Einreichen der Unterlagen teilen sie mir mit, dass sie noch einen Support-Letter für mich haben. Den könnten sie mir aber frühestens am nächsten Tag schicken. Beim Visa Application Centre läuft dann alles so chaotisch ab, dass ich den Antrag buchstäblich in letzter Sekunde einreiche. Ich bin so frustriert, dass ich bezweifle, überhaupt ein Visum zu bekommen.

Während ich versuche, mich die nächsten sieben Tage in Geduld zu üben, erkunde ich Helsinki, besichtige Hafen, Stadt und Hipster-Viertel, klappere die Fahrradläden ab auf der Suche nach einem Karton. Dann stehe ich erneut im Visa Application Centre. Russland lässt mich einreisen, die Erleichterung ist riesig. Die nächste Herausforderung allerdings lässt nicht lange auf sich warten.

Weil der Nachtzug nach Moskau kein Abteil für Fahrräder hat, soll ich „Anton“ in einen Karton mit den Maßen 60 mal 100 mal 40 Zentimeter pferchen. Das bedeutet: Ich muss mein Rad auseinandernehmen. Das klappt. Dass ich „Anton“ wieder zusammenbauen muss, verdränge ich erst einmal – gepuzzelt habe ich ja schon immer gern.

Als ich in den Zug steige, ist der Karton übrigens immer noch acht Zentimeter zu lang, und die zwei Räder sind gar nicht erst drin. Die Zugbegleiterin lächelt mich jedoch nur an, als ich viermal hin- und herlaufe, um acht Taschen und einen Karton zu verstauen. Das Abteil ist danach voll, zum Glück bin ich die Einzige in dem Vier-Bett-Abteil. Auf nach Moskau.

Luisa Rische

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