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Lübeck Ein Zeuge erinnert sich wieder
Lokales Lübeck Ein Zeuge erinnert sich wieder
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20:12 17.05.2017

Werner R. (alle Namen geändert) verflucht heute den Tag, an dem der Angeklagte Rainer P. ihn anrief, um ihm Schmuck anzubieten. „Wenn ich den Tag nicht hingefahren wär’, dann wüsste ich nichts“, sagt R. Dann wäre es ihm wohl erspart geblieben, in einem Mordprozess als Zeuge auszusagen. Aber er ist hingefahren, wie er gestern zugab. Jetzt könnte ihm eine wichtige Rolle dabei zukommen, den Mord an einer 85-jährigen Frau im Galeonenweg in Buntekuh im August 2016 aufzuklären.

Im zweiten Anlauf bestätigte R. gestern vor dem Landgericht Lübeck seine Aussage aus der polizeilichen Vernehmung. Danach hat der Angeklagte versucht, ihm Schmuck zu verkaufen, der aus dem Einbruch in Buntekuh stammen könnte. Wie schon am ersten Prozesstag Ende März, zu dem er ebenfalls als Zeuge geladen war, erschien Werner R. auch gestern zunächst nicht und musste geholt werden. Im März hatte er in der Vernehmung von einem Schlaganfall gesprochen, durch den er sich an die Monate Juli bis Oktober 2016 nicht erinnern könne. Gestern dagegen erzählte er, dass er Ende August 2016 ins Haus der Familie von Rainer P.s Vater fuhr. Rainer P., offensichtlich unter Drogeneinfluss, habe aus seiner Hosentasche Schmuck gezogen – mehrere Ketten und einen Armreif. Aber R. hatte kein Interesse. „Das war Katzengold“, sagt er verächtlich, „das war nichts wert.“

Werner R. ist nach eigener Aussage seit 40 Jahren mit Karlheinz P., dem Vater des Angeklagten, bekannt und steht noch immer mit ihm in Kontakt. Rechtsanwalt Oliver Dedow, Vertreter der Nebenkläger, berichtete von Einschüchterungsversuchen am ersten Prozesstag.

Karlheinz P. habe dem Zeugen R. zu Beginn zugezwinkert und während der Vernehmung gesagt: „Ich schneid’ ihm den Hals durch.“ Der Vorsitzende Richter Christian Singelmann spricht Karlheinz P., der auch diesmal im Publikum sitzt, darauf an. Der antwortet: „Es kann möglich sein, dass ich das gesagt habe.“ Bevor das Gericht über einen möglichen Ausschluss berät, verlässt er freiwillig den Saal.

Werner R. sagt aus, mit starrem Blick fixiert vom Angeklagten. R. spricht unbeholfen und wenig präzise, aber von einer mehrmonatigen Gedächtnislücke ist keine Rede mehr. Ob P. gesagt habe, woher die Schmuckstücke stammten, fragt der Vorsitzende Richter. R. verneint. Was er selbst sich denn gedacht habe, fragt der Richter nach. „Ja, dass das vielleicht von einem Einbruch kommt. Aber wo, das kann ich auch nicht sagen.“

Zuvor hatten seine Schwester Gudrun R. und ein weiterer Zeuge ausgesagt. Dabei ging es vor allem um ein Treffen im Kleingarten, bei dem der Angeklagte Gudrun R. einen Motorroller verkaufen wollte.

Als das Gespräch auf den Mord in Buntekuh gekommen sei, habe P. Schweißausbrüche bekommen, habe gezittert und keinen mehr angesehen und sei überstürzt aufgebrochen.

Vieles deutet darauf hin, dass die sichergestellten Schmuckstücke, die Rainer P. dem Zeugen Werner R. verkaufen wollte, aus der Wohnung der ermordeten Rentnerin stammen. Aber Richter Singelmann wies gestern darauf hin, dass ihm noch keine Liste der vermissten Gegenstände vorliege. Um den Schmuck wird es unter anderem auch am nächsten Prozesstag gehen. Dann wird einer der Brüder des Opfers als Zeuge aussagen; am Mittwoch, 24. Mai, ab 9 Uhr, Außenstelle des Landgerichts im Ausbildungspark Blankensee.

Rohrzucker am Tatort

Das Rätsel um den Zucker auf der Leiche der 85-Jährigen in Buntekuh bleibt ungelöst. Ein Chemiker des Landeskriminalamtes hat gestern während der Verhandlung zwar bestätigt, dass es sich bei der kristallinen Substanz um Rohrzucker handelte. Eine Erklärung hatte er aber auch nicht. In drei Gläsern mit Wasser sei außerdem ein Lösungsmittel nachgewiesen worden, das zwar in Spülmittel vorkommen könne, aber normalerweise nach dem Abspülen keine Spuren hinterlasse. Auch dafür gibt es bislang keine Erklärung.

Hanno Kabel

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