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Lokales Lübeck Ein kleines Buch über ein großes Thema
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18:14 25.07.2017
Barbara Palsherm-Schäfer (69) ist seit vielen Jahren in der Hospizbewegung tätig und hat im Frühjahr ein Buch geschrieben. Quelle: Foto: Kai Dordowsky

„Als Sterbebegleiterin durfte ich im Lauf der Jahre mit vielen Sterbenden die Zeit bis zu ihrem Tod erleben. Es gab berührende und fröhliche Momente, merkwürdige Wünsche und natürlich auch Tränen und Kummer.“ Das schreibt Barbara Palsherm-Schäfer in ihrem kleinen Buch „Wie wird es sein?“ Die langjährige Mitarbeiterin der Lübecker Hospizbewegung hat ihre Erfahrungen aufgeschrieben. „Ich möchte das Buch jedem in die Hand drücken, der Angst vor der letzten Lebensphase hat“, sagt die 69-jährige Lübeckerin.

Auf 75 Seiten setzt sich die Autorin mit dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod auseinander und erläutert Fachbegriffe wie Palliativmedizin und ambulantes Hospiz. Auf vielen Seiten aber verlässt Barbara Palsherm-Schäfer die Ebene der Theorie und berichtet von ihren zahlreichen Begegnungen, alles in anonymisierter Form. Die Sterbebegleiterin verheimlicht auch nicht die Situationen, in denen sie ratlos war oder Fehler gemacht hat. „Ich zog meine schwarze Winterjacke aus und trat ans Bett. In diesem Moment konnte ich sehen, wie der Körper sich stärker auf die Unterlage und das Kopfkissen drückte, als wollte die Dame im Altenheim mir ausweichen.“ Die Sterbebegleiterin ist überrascht, bemerkt dann aber, dass sie eine durchweg schwarze Garderobe an hat. „Sah sie in mir den Bestatter?“, fragt Palsherm-Schäfer. Immer wieder macht die Autorin die Erfahrung, dass Menschen über den Tod sprechen wollen, aber die Angehörigen das Thema abwehren. Oder dass Partner der sterbenskranken Menschen einfach mal über ihre eigenen Probleme reden wollen. Auch dafür sind Sterbebegleiter da. Die Hospizmitarbeiterin hat auch die Erfahrung gemacht, dass die meisten allein sterben. „Ganz selten steht die ganze Familie um das Bett herum“, sagt Palsherm-Schäfer. „Viele sterben, wenn keiner da ist.“

Palsherm-Schäfer lebte, bevor sie 2008 nach Lübeck kam, in München und gehörte dort zwölf Jahre lang einem ehrenamtlichen Besuchsdienst an. 2004 ließ sie sich zur Sterbebegleiterin ausbilden. Seitdem hat sie zahlreiche Menschen begleitet. Manche Einsätze dauern nur Stunden oder wenige Tage, manche bis zu einem Jahr. Aktuell begleitet sie zwei Menschen. 50 Sterbebegleiter arbeiten in der Lübecker Hospizbewegung. „Das sind überwiegend Frauen“, bestätigt Palsherm-Schäfer. Für sich selbst hat die Autorin vorgesorgt. In ihrer Handtasche trägt sie stets ihre Wertvorstellungen über das Ende mit sich – keine Behandlung bei fortgeschrittenem Krebs, Musik von den Doors und Leonard Cohen, wenn sie im Koma liegen sollte.

Bis dahin will sie vielen Menschen mit ihrem Buch Mut machen, sich dem Thema zu stellen. Das kleine Werk kostet 7,99 Euro, ist im Verlag tredition erschienen, kann in jeder Buchhandlung, bei Amazon oder dem Verlag direkt bestellt werden. „Gedruckt wird nur auf Bestellung“, erklärt die Autorin.

Kai Dordowsky

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