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Lübeck Ein konservativer Erneuerer
Lokales Lübeck Ein konservativer Erneuerer
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11:25 26.11.2013
Seit 1955 verheiratet: Altbischof Ulrich Wilckens und seine Ehefrau Inge, die auch Theologin ist. Quelle: Foto: Maxwitat
Lübeck

„In der Politik gilt der Begriff des Vaterlands nichts mehr und in der Kirche nicht einmal der Bibeltext.“ Das sagte Altbischof Ulrich Wilckens vor wenigen Jahren den LN, als er zum Thema Konservativismus befragt wurde. Das klang etwas resigniert, doch er sagte auch: „In der heutigen Zeit ist Vertrauen wieder aktuell — die Kirche hat eine neue Chance auf eine eigene Identität“

Morgen feiert Wilckens seinen 85. Geburtstag. Er war von 1981 bis 1991 Bischof für den Sprengel Holstein-Lübeck der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Zuvor lehrte er als Professor für Neues Testament unter anderem in seiner Vaterstadt Hamburg.

Gespräche mit dem

deutschen Papst

Mit Buchveröffentlichungen, an denen er auch nach seiner Emeritierung weiter arbeitet, ist Wilckens bekannt geworden. Eines seiner großen Anliegen sei die Ökumene, das Bemühen um ein engeres Miteinander der Kirche, sagt der Altbischof im Gespräch mit den LN. Viele Jahre war er der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der Verbindungsmann nach Rom. Nicht zuletzt deshalb wurde er vor einem Jahr als erster evangelischer Bischof zu einem Treffen der Schüler von Papst Benedikt eingeladen. Auf Castel Gandolfo, der päpstlichen Sommerresidenz, hielt Wilckens einen Vortrag über Voraussetzungen für die Einheit der Kirche. Er erinnert sich gern an lebhafte Gespräche mit Vertretern der Kurie und dem deutschen Papst.

Mit seinen Ansichten, etwa zur feministischen Theologie, ist Wilckens nicht unumstritten. Ihn belaste es, auch in seiner eigenen Kirche in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden, wobei die Kritiker sich auf einzelne Sätze seiner Äußerungen beziehen. Dabei wolle er nichts so sehr wie eine „geistlich-theologische Erneuerung der evangelischen Kirche“. Dies sei auch sein Geburtstagswunsch, sagt Wilckens. Er ist überzeugt: Ohne eine Erneuerung werde es keine Fortschritte in der Ökumene geben.

Bekannt geworden ist Wilckens vor Jahrzehnten vor allem durch seine kommentierte Übersetzung des Neuen Testaments. 1970 erschien die erste Auflage, sieben weitere folgten.

Populäre Bücher und

ein Großwerk

Dieses Neue Testament, sein „persönlicher Bestseller“, ist seit langem vergriffen. Zurzeit arbeitet er an einer Neuauflage, für die ein Verlag Interesse bekundet hat. Er habe sich immer um die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und kirchlicher Praxis bemüht, sagt Wilckens. Diesem Ziel dienten auch seine jüngsten Veröffentlichungen, zum Beispiel der Band „Standpunkte“. Hier behandele er elementare Fragen des Glaubens, „verständlich für jedermann“. Das Buch, so hätten ihm Briefe bestätigt, werde gern in den Gemeinden genutzt. Sein „Großwerk“ der letzten Jahre war eine mehrbändige „Theologie des Neuen Testaments“.

Ulrich Wilckens machte sein Abitur in Hinterzarten. Dorthin war die Mutter mit vier Kindern 1941 gezogen, um der Bombengefahr in Hamburg zu entgehen. Der Vater starb kurz vor Kriegsende bei Berlin.

Evangelische Theologie studierte er in Tübingen und Heidelberg. Er promovierte 1956, seine Habilitation erfolgte 1958.

Am Ende seiner Zeit im Lübecker Bischofsamt erhielt Wilckens durch medizinische Befunde nahezu ein Todesurteil — Krebs. Dass er die Operationen gut überstand, wertete er damals als neu geschenktes Leben. „Seitdem führe ich ein Leben in täglicher Dankbarkeit“, sagt Ulrich Wilckens heute.

Bischof und Autor
Ulrich Wilckens, am 5. August 1928 in Hamburg geboren, musste im letzten Kriegsjahr mit 16 Jahren noch an die Front. Nach einem Theologiestudium war er zunächst im Pfarrdienst tätig, 1960 wurde er Professor für Neues Testament an der Kirchlichen Hochschule Berlin. Nach einer Lehrtätigkeit als Professor für Neues Testament an der Universität Hamburg war er von 1981 bis 1991 Bischof des Sprengels Holstein- Lübeck in der Nordelbischen Kirche. Wilckens hat gemeinsam mit seiner Frau Inge drei Töchter. Er hat zahlreiche theologische Bücher veröffentlicht, zuletzt:

„Kritik der Bibelkritik — Wie die Bibel wieder zur Heiligen Schrift werden kann“ (1912).

Konrad Dittrich

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