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Lübeck Ein neues Gewölbe für St. Petri
Lokales Lübeck Ein neues Gewölbe für St. Petri
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15:00 26.02.2014
Bernd Leinert, Leiter der Kirchenbauhütte, verfugt die letzten kleinen Risse im Kuppeldach des Gewölbes über dem Petri-Café. Ende nächster Woche soll dann die erste kleine Sanierungsmaßnahme in Lübecks Kulturkirche abgeschlossen sein. Fotos (3): Ulf-Kersten Neelsen Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Eigentlich war die Krankenakte des Patienten St. Petri schon prall genug, als im Sommer des vergangenen Jahres eine weitere Diagnose hinzukam: Die Standsicherheit des Gewölbes über dem Café im Nordwestteil der Kulturkirche sei langfristig nicht mehr gesichert, lautete das Fazit der Bau-Experten.

„Es hätte noch 20 Jahre gut gehen können, oder es wäre morgen schon passiert“, erinnert sich der Leiter der Kirchenbauhütte, Bernd Leinert, an den Schreckensmoment. Jetzt allerdings sei fast alles fertig, das Gewölbe neu aufgemauert worden, das Gerüst könne um den 20. Februar abgebaut werden, so dass das St. Petri-Café ab dem 1. März wieder regulär geöffnet habe, kündigt er an.

Entdeckt wurde der Gewölbe- Schaden, da man Petri im Vorfeld der großen, geplanten Sanierungsmaßnahme seit Monaten intensiv untersucht hatte.

„Es sah wie ein eingedrücktes Ei aus“, erinnert sich Leinert. Schuld ist der Baugrund unter der Nordwestecke. In diesem Bereich steht der Kirchenbau nicht auf in Jahrtausenden natürlich gewachsenem und gefestigtem Baugrund, sondern auf weichen Aufschüttungen. Das führt immer wieder zu kleinsten Bewegungen im Kirchenfundament, auf die das Gewölbe sehr sensibel reagiert.

„Jetzt aber würde ich sagen, dass es die nächsten 100 Jahre hält“, legt sich Leinert fest, „wir haben lange geforscht, welches Baumaterial wir verwenden, und dann alles homogen sorgfältig aufgebaut. Und weil die Kappe auf das Mauerwerk gedrückt hat, wurden auch neue Zuganker gesetzt.“

Seit dem 12. August waren täglich drei bis vier Handwerker der Kirchenbauhütte mit der Maßnahme beschäftigt. „Nun gibt es mit dem Verfugen kleiner Risse von unten lediglich noch wenige Restarbeiten zu erledigen“, erklärt der 44-Jährige. Und in zwei Wochen verschwinde auch das hohe Gerüst im Kirchenschiff. Sein Resümee: Eine Gewölbekappe inklusive Rippe zu mauern, sei aufwendig und ganz schön schwierig. Nicht umsonst habe es in früheren Zeiten eigens spezialisierte Gewölbemaurer gegeben, die tagein tagaus nichts anderes gemacht hätten.

Dies war jedoch eine Mini-Maßnahme — Kostenpunkt 150 000 Euro — im Vergleich zum anstehenden großen Bauprojekt.

Denn die Backsteinfassade der Kirche aus dem zwölften Jahrhundert ist durch Frost und eintretende Feuchtigkeit erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Risse durchdringen das Mauerwerk an einigen Stellen bis zu drei Mauerwerk-Steine tief. Nach Auskunft der Bau-Chefin des Kirchenkreises, Liane Kreuzer, sind für die Sanierung drei Jahre veranschlagt. Unter anderem sind 4000 Quadratmeter Gerüst nötig; rund 40 000 Klosterformatsteine und 4500 Formsteine müssen verbaut werden; dabei werden über 2000 Quadratmeter Fugen erneuert.

Die geschätzten Kosten liegen bei 2,8 Millionen Euro — von denen allerdings bereits durch die Spendenkampagne „Sieben Türme sollst Du sehen“ fast 1 040 000 Euro zusammengekommen sind. Weiterhin sind Fördermittel bei der Stiftung Deutscher Denkmalschutz beantragt worden; außerdem läuft eine Bewerbung um Bundesmittel, die für die Erhaltung nationaler Denkmale vorgehalten werden. Und erst wenn das Geld bewilligt wurde, fällt der Startschuss. „Das wird dann wohl Juni oder Juli“, erklärt Bernd Leinert.

Michael Hollinde

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