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22:12 01.11.2017
Mia (7) dreht, was das Zeug hält. Immerhin muss der Dinkel schön fein gemahlen werden. Quelle: Fotos: Jacob
St. Jürgen

Etwa 420 Menschen kamen zum Reformationsgottesdienst. Das Gotteshaus war so voll, dass einige Kirchgänger auf dem Fußboden saßen. Zwei Gemeindechöre, die Martinsbläser und der Posaunenchor sorgten für beste Stimmung am Reformationstag. „Wir haben bewusst auf eine Predigt verzichtet“, sagte Pastor Heiko von Kiedrowski. Stattdessen haben Laien, die in der Kirchengemeinde Verantwortung tragen, Worte zum Reformationstag gesprochen. Von der Polizei eskortiert zogen die Gottesdienstbesucher mit einer nachgebauten Schlosstür von der Kirche St. Martin zur St.-Jürgen-Kapelle – vorneweg die Pastoren Katja und Heiko von Kiedrowski, Friedrich Fallenbacher, Christine Oldemeier und Thorsten Jessen. Aufgestellt wurde die Tür, an der die Besucher des Mittelaltermarktes ihre ganz persönlichen Wünsche anbringen konnten, am ältesten Gebäude des Stadtteils, der Leichenhalle der Kapelle. Bald sollen die Wünsche im Internet nachzulesen sein, sagte Heiko von Kiedrowski.

Pastor Heiko von Kiedrowski schlug verkleidet als Martin Luther die Thesen an die Tür.

Den Garten der St.-Jürgen-Kapelle hatte die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Lübecker Verein Geschichtserlebnisraum in einen mittelalterlichen Marktplatz verwandelt. Ritter, Landsleute, Bogen- und Armbrustschützen, Marktfrauen und Köche zeigten sich in selbst gebauten oder genähten Rüstungen, Kleidern, Hüten und Schuhen. Dinkelmehl wurde von Hand mit einem dicken Mühlstein gemahlen und zu kleinen Fladen verarbeitet. Dabei konnten die Marktbesucher der Bäuerin alias Gesine Sonntag mit dem Marktkind Mia (7) genau über die Schultern gucken. Auch Koch Frank Kock zog die Blicke auf sich.

Zusammen mit seinem Kollegen Firuoz Rasuli legte er immer wieder Holz auf einer Kochstelle nach und kreierte Erbsenmus mit Fisch. „Das soll Luther tatsächlich einst geschmeckt haben“, sagte Kock.

Frischen Fisch wollte das Mitglied des Geschichtserlebnisraumes aus hygienischen Gründen aber nicht verarbeiten. Stattdessen gab es Sardinen aus der Dose, während Jugendliche der Gemeinde die Besucher mit Gemüsesuppe versorgten.

Bei Ria Bredemeyer, die an einer nachgebauten Presse alte Reformationsschriften druckte, konnten vor allem viele Besucherkinder ausprobieren, wie es sich anfühlt, nur mit Geschick und Muskelkraft die große Druckerschraube zu drehen. Schwarz gekleidet verteilte Philipp Melanchthon alias Pastor Fallenbacher eine der Bekenntnisschriften der Reformation, „Loci Communes“.

Brigitte und Dirk Krüger mit ihrer Großnichte Lina (6) erklärte der Geistliche auch die Deutung des Namens Melanchthon: Schwarzsehen heiße die Übersetzung des Nachnamens des Mannes, der einst Luthers Weggefährte war und dessen Beziehung zum Reformator von großer Intensität geprägt gewesen sei. Auch Pastor von Kiedrowski zeigte sich in mittelalterlicher Kluft. Er ging als Martin Luther unters Volk.

jac

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