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Lübeck Einbrecher fliehen als Geisterfahrer - Polizei fasst den Fahrer
Lokales Lübeck Einbrecher fliehen als Geisterfahrer - Polizei fasst den Fahrer
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22:37 25.07.2017
Es war eine halsbrecherische Jagd auf regennassem Asphalt über die Autobahn in Richtung Hamburg. Quelle: Symbolbild LN-Archiv
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Lübeck/Hamburg

Es war ein Szenario, wie man es sonst eigentlich nur aus dem Kino kennt: ein nächtlicher Einbruch in ein Lagerhaus, eine rasende Flucht vor der Polizei über die Autobahn, Verfolgungsjagd, Geisterfahrt, alles inklusive. Was sich in der Nacht zu gestern zwischen Lübeck und Hamburg abspielte, nachdem ein Lübecker ein Einbrecher-Trio an der Lohmühle auf frischer Tat ertappt hatte, war geradezu filmreif. Das erleben auch die beteiligten Polizeidienststellen nicht alle Tage. Das Protokoll einer Verfolgungsjagd.

 

„Zum Glück gab es bei der Geisterfahrt über die A 21 keine Unfälle.Ulli Fritz Gerlach Sprecher der Polizei

Es ist etwa 4.20 Uhr am frühen Dienstagmorgen. Einem 26-jährigen Lübecker, der gerade auf der Höhe von „Kentucky Fried Chicken“ an der Lohmühle unterwegs ist, fällt die optische Alarmanlage eines benachbarten Mietlagers ins Auge. Plötzlich rennen zwei Männer aus dem Lagerbüro und springen zu einem etwas abseits wartenden Fahrer in einen Wagen – offenbar treten sie gerade die Flucht an. Wie die Polizisten des 2. Reviers Lübeck kurz darauf feststellen, waren sie offenbar in das Büro des Lagers eingebrochen, um den Tresor zu stehlen, und waren geflüchtet, als sie dabei überrascht wurden.

Die Fahndung läuft an.

Das Tätertrio ist in einem grauen BMW X5 unterwegs auf der A 1, als Beamte der Autobahnpolizei das Fluchtfahrzeug erkennen. Sie setzen sich dahinter, rufen weitere Streifenwagen aus Lübeck und Stormarn zur Verstärkung. Es folgt eine halsbrecherische Jagd auf regennassem Asphalt über die Autobahn in Richtung Hamburg.

Mit Tempo 160 jagen die Flüchtenden durch Baustellen, ignorieren alle Signale anzuhalten und versuchen mit Spurwechseln und Bremsmanövern die ihnen folgenden Polizeiwagen abzuschütteln. Am Kreuz Bargteheide biegt das Fluchtauto plötzlich auf die A 21 nach Kiel ab – auf die Gegenfahrbahn. Als Geisterfahrer geht es nun zwei Kilometer weit entgegen der Fahrtrichtung, die Verfolger noch immer an den Fersen. Dann stoppt der BMW urplötzlich, zwei Männer springen heraus und flüchten ins Gelände, verschwinden in der Nacht. Sie sind noch immer flüchtig; auch die eingesetzten Polizeihunde spüren die Verdächtigen nicht mehr auf.

„Es ist ein Glück, dass es bei dieser Geisterfahrt und den plötzlichen Ausweichmanövern der entgegenkommenden Autos keine Unfälle gegeben hat“, sagt der Lübecker Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach am Tag darauf. „Auf der Autobahn ist zu jeder Uhrzeit Verkehr.“ Die Polizei sucht Personen, die durch die Geisterfahrt geschädigt oder gefährdet wurden (Hinweise nimmt das Revier Bad Oldesloe unter 04531/17060 entgegen).

Nach Stopp und Flucht seiner Komplizen wendet der BMW-Fahrer den Wagen; es geht zurück zur A 1 – nun auf der richtigen Spur – und weiter nach Hamburg, wo die Polizeikollegen bereits alarmiert sind. Der BMW rast über die A 24 und an der Anschlussstelle Jenfeld nach Hamburg hinein und jagt mit mehr als 120 Kilometern pro Stunde durchs Stadtgebiet, überfährt zahlreiche rote Ampeln auf seiner Fahrt, bis er in der Rodigallee in Hamburg-Horn „durch die Einbindung starker Polizeikräfte“ schließlich gestoppt werden kann; ein Polizist wird vom rollenden Fluchtauto leicht verletzt. Da ist es kurz vor 5 Uhr morgens – dieser Polizeikrimi hat nicht viel länger als eine halbe Stunde gedauert.

Der Fahrer, ein 43-Jähriger aus dem Landkreis Stade, wird festgenommen und befindet sich in Obhut der Lübecker Kripo, im BMW findet die Polizei Tatwerkzeuge und mögliches Diebesgut.

Die Suche nach den beiden flüchtigen Männern dauert an. Die Polizei bittet um Hinweise von Zeugen. Gesucht wird nach zwei 1,70 bis 1,80 Meter großen Männern mit kahlgeschorenen Köpfen. Beide waren mit Trainingsjacken bekleidet, eine der Jacken war blau mit roten Streifen an den Seiten. Die Tatverdächtigen trugen außerdem weiße Turnschuhe.

Sachdienliche Hinweise nimmt die Lübecker Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 0451/1310 entgegen.

ley

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