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Lübeck Eine Brücke in die Problemviertel geschlagen
Lokales Lübeck Eine Brücke in die Problemviertel geschlagen
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22:14 15.04.2016

„Unser heutiges Treffen findet eigentlich aus einem traurigen Anlass statt, Nachbarschaftshilfe müsste selbstverständlich sein.“ Mit diesen Worten begrüßte Kathrin Weiher (53, parteilos), Senatorin für Bildung und Kultur, die Gäste in der Großen Börse des Rathauses. Dort feierte die Stadt das Jubiläum des Lübecker Nachbarschaftsbüros. Dabei hat dieses Projekt vor 20 Jahren als ein Experiment angefangen, das in Problemvierteln die Entstehung von stabilen Nachbarschaften fördern sollte.

Birgit Reichel leitet die Nachbarschaftsbüros Quelle: Donath

Das erste Büro eröffnete 1996 in Kücknitz. „Wir sind in Quartiere gegangen, in denen es schon Probleme gab oder solche zu befürchten waren“, erinnert sich Daniela Kerschbaumer. Die 42-Jährige war von Anfang an bei den Nachbarschaftsbüros mit dabei. Jetzt ist sie in der Anlaufstelle in Vorwerk-Falkenfeld tätig.

Heute gibt es in Lübeck fünf Nachbarschaftsbüros mit insgesamt acht Mitarbeiterinnen, darunter eines in Eichholz und eines im Hudekamp. Seit der Entstehung hat sich ein vielfältiges Beratungs-, Bildungs- und Freizeitangebot entwickelt: von Sprachförderung für Kinder bis zur Mietschuldenberatung. Überall wo es möglich ist, folgen die Projekte dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Bewohner der Quartiere sollen in die Gestaltung ihres Umfelds mit einbezogen werden. Damit sie später selbst Verantwortung übernehmen können, werden sie unter anderem in Seminaren darauf vorbereitet.

Allein im Hudekamp sind mittlerweile 40 solcher ehrenamtlicher Kräfte aktiv. Der einstige soziale Brennpunkt sei auch durch die Arbeit des Nachbarschaftsbüros sicherer geworden, sagt Mitarbeiterin Beatrix Rußland (53). Nahezu jeder dort kenne die Anlaufstelle. „Wir gehören zu den Leuten dazu“, sagt Rußland. „Wenn sich etwas zuspitzt, bekommen wir das sofort mit.“ Die Anlaufstellen arbeiten eng mit öffentlichen und freien Trägern zusammen. „Wenn die Bewohner mit ihren unterschiedlichen Anliegen zu uns kommen, sagen wir nicht, dass wir dafür nicht zuständig sind, sondern kümmern uns darum“, fügt die 53-jährige hinzu. Das vertrauensvolle Verhältnis sei aber nicht über Nacht entstanden. „Diese Arbeit braucht Zeit“, sagt Birgit Reichel (54), Leiterin der Nachbarschaftsbüros. „Es dauert Jahre, bis Vertrauen geschaffen ist.“

Die Personalkosten für das Projekt trägt die Stadt. Alles weitere übernehmen Sponsoren, unter anderem verschiedene Lübecker Wohnungsgesellschaften. Für Birgit Reichel hat der ungewöhnliche Ansatz zum Erfolg geführt: „Wir haben eine Brücke zu Vierteln geschlagen, die uns zu entgleiten drohten.“ dad

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