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Lübeck Eine Tonskulptur, die Trost spendet
Lokales Lübeck Eine Tonskulptur, die Trost spendet
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20:28 06.11.2013
Künstlerin Marita Sennert (l.) und Gemeinde-Pastorin Margrit Kehring-Ibold weihen das Tränenkrüglein ein. Quelle: Rüdiger Jacob

Dicht an dicht liegen Kerzen, Blumen, kleine Schuhe, Stofftiere und Dinge, die an verstorbene Kinder erinnern. Nur ein paar Meter weiter ist die Gedenkstätte für Totgeburten. Sie haben das Licht der Welt nie erblickt. Doch in Vergessenheit werden sie nie geraten. Jetzt hat die Trauerbegleitung der St.-Lorenz-Gemeinde auf dem Friedhof ein Kunstwerk enthüllt. Es wurde von der Lübecker Künstlerin Marita Sennert gestaltet und zeigt ein Tränenkrüglein.

Eine Skulptur aus Ton, die auf ein Märchen von Ludwig Bechstein aus dem Jahre 1845 zurückgeht: Es erzählt von einem an einer Krankheit verstorbenen Kind und dessen Mutter, die nicht aufhören kann zu weinen. Bis plötzlich die Tür aufgeht und das Kind als Engel mit einem Krug zur Mutter kommt. Ein Krug, der mit den Muttertränen überzulaufen droht.

Um den Seelenfrieden zu bekommen, bittet das Kind die Mutter, mit dem Weinen aufzuhören. Eine bewegende Geschichte, die für Marita Sennert eine besondere Bedeutung hat. Als Mutter einer nach einem Verkehrsunfall verstorbenen Tochter ist die Künstlerin selbst zur Trauerbegleiterin geworden. Der Krug sei eine Mahnung für Menschen, die trauernde Eltern nicht verstehen könnten, und ein Gebot, achtsam mit diesen umzugehen. „Gleichzeitig aber auch ein Trost, dass es eine Verbindung zu dem verstorbenen Kind und die Chance auf ein neues Stück Lebensweg, in dem es Zuversicht, Hoffnung und sogar wieder Lebensfreude geben kann.“

Betroffene kommen im Trauercafé der St.-Lorenz-Gemeinde zusammen, finden Trost bei gemeinsamen Gesprächen und handwerklichen Workshops. Jetzt lud das Café bei Lesungen, Musik und einer Lichterspirale zum Tag der offenen Tür. Bei Kaffee, Tee und Kuchen informierten Gemeinde-Pastorin Margrit Kehring-Ibold und die sechs ehrenamtlich tätigen Trauerbegleiter über ihre Arbeit. Lübeck gilt als eine der wenigen Städte, in denen Totgeburten feierlich auf einem Friedhof bestattet werden. Zurückgegangen ist dieser Brauch auf eine Initiative der Universität zu Lübeck in Kooperation mit dem Arbeitskreis Trauerkultur.

„Die Bestattung ist für trauernde Eltern sehr wichtig“, weiß Kehring-Ibold. Die Beerdigung helfe bei der Bewältigung der Trauer. Etwa zwölf bis 15 Beisetzungen gibt es vierteljährlich. Gesetzlichen Bestimmungen zufolge besteht eine Bestattungspflicht ab einem Körpergewicht von 500 Gramm. Um den trauernden Eltern einen würdevollen Abschied zu ermöglichen, gibt es Friedhöfe, die eine besondere Stätte für Totgeborene ohne Rücksicht auf das Gewicht pflegen. Die St.-Lorenz-Ruhestätte gehört dazu. jac

LN

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