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Lübeck „Eine Zeitreise ganz tief in die Geschichte“: Der Autor und sein Buch
Lokales Lübeck „Eine Zeitreise ganz tief in die Geschichte“: Der Autor und sein Buch
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18:20 15.10.2016

Im Jahr 2000 hielt Gustav Querfurth einen langen Vortrag im Dom. Er wies auf die alten Mauern und sagte: „Wenn diese Wände reden könnten . . .“ Das war so eine Redewendung.

Inzwischen hat er aber festgestellt: Die Wände können tatsächlich reden. Die Wände, die Nischen, die Kapitelle auf den Säulen, die Gestühle, die Kanzel, die Portale, alles im Dom spricht – zu dem, der die Sprache der christlichen Symbole versteht. Diese Sprache erforscht Gustav Querfurth (81) seit vielen Jahren. Die Symbole im Dom sind das Thema des reich bebilderten Buchs, das er jetzt veröffentlicht hat.

Obwohl der Dom aus dem Zweiten Weltkrieg erhebliche Schäden davontrug, blieb ein Großteil des Inventars unversehrt – die Altäre, Grabmäler und Wandbilder, die Dekorationen, Kapitelle und Figuren. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass alles, bis ins kleinste Detail, eine symbolische Bedeutung hat. Ab 2004 schrieb Querfurth für die Mitglieder der Domwache – das sind die Ehrenamtler, die während der Öffnungszeiten für die Besucher im Dom da sind – Texte über diese Symbole. Seitdem hat das Thema ihn nicht mehr losgelassen. „Ich habe selber wahnsinnig viel dabei gelernt“, sagt er. „Das ist eine Zeitreise bis ganz tief in die Geschichte hinein. Mir sind so viele Menschen nahegekommen. Zum Beispiel Cremon“, sagt er und tritt an die Grabplatte des Bischofs Bertram von Cremon, der 1377 im Dom beerdigt wurde. Der überlebensgroß dargestellte Bischof trägt Mitra (Bischofsmütze) und Krummstab (Symbol des Hirten) und ist umgeben von Löwen (Herrschaft), Vögeln (Boten Gottes) und vier geflügelten Engeln (die vier Evangelisten, jeder durch eigene Symbole gekennzeichnet).

Querfurth kennt den Dom wie kaum ein Zweiter, und trotzdem, sagt er, entdecke er immer wieder etwas Neues. „Auch bei den unterschiedlichen Lichtverhältnissen“, sagt er. „Die Cremon-Grabplatte habe ich mir bei dem Licht der frühen Märzsonne genau angesehen.“ Vor seinem Ruhestand leitete Querfurth ein Altenheim. Jetzt ist der Dom seine wichtigste Wirkungsstätte. „Meine Frau sagt immer, du kriegst hier noch ein Bett hingestellt.“ Gustav Querfurth: Lexikon der Symbole im Lübecker Dom, 148 Seiten, 543 Fotos, gebunden, 66 Euro, erhältlich beim Autor (0451/2038639, gustavquerfurth@web.de, www.symbole-im-luebecker-dom.de).

Texte: Hanno Kabel

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