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Rechts und links von Wildschweinkeiler „Willi“ stehen die beiden Hausschweinfrauen im Gehege und hoffen auf Futter. Bald sind die Drei eine saugute Patchworkfamilie. Quelle: Fotos: Cosima Künzel
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St. Jürgen

Wildschwein „Willi“ will es auf seine alten Tage nochmal wissen. Der Keiler lebt in friedlicher Eintracht mit seiner Wildschweindame zusammen und hat sich nebenbei noch mit zwei Angler Sattelschweinen gepaart. Ansonsten ist er aber ein gemütlicher Geselle, denn Regina Aewerdieck (47) vom Hof Falkenhusen hat ihn einst per Hand aufgezogen.

„Als ich ,Willi‘ bekommen habe, war er erst ein paar Wochen alt“, erinnert sich Landwirtin Aewerdieck an den Tag vor etwa acht Jahren. Spaziergänger hatten den kleinen Keiler verlassen im Wald gefunden. Was mit dem Muttertier passiert war, wusste niemand. Also nahm sich die Landwirtin des kleinen Kerls an, der zunächst im Kaninchengehege – ohne Kaninchen – unterkam. „Willi“ war noch so klein, dass er auf einem Din-A3-Papier Platz gefunden hätte. Anfangs hat er Aufzuchtmilch per Flasche bekommen, später gestampfte Kartoffeln mit Milch. „Das liebte er.“

Drei Mal am Tag wurde das Borstenvieh gefüttert, war zutraulich und kam auf Zuruf. Aber verhätscheln wollte sie ihn nicht. Dazu wäre auf dem großen Hof mit Rindern, Hühnern, Kaninchen und allerlei Tieren mehr auch keine Zeit. Als der Keiler so groß war, dass er nicht mehr durch den grobmaschigen Drahtzaun schlüpfen konnte, durfte er zu den beiden weiblichen Artgenossen ins Gehege. „Sie haben etwas Zeit gebraucht, sich aber dann prima verstanden.“

Inzwischen gibt es nur noch eine Wildschweinbache an seiner Seite, und die ist schon eine wirklich alte Dame. Wenn „Willi“ sich mit eindeutigem Ansinnen nähert, grunzt sie genervt bis verärgert und läuft weg. „Willi“ hinterher. Das bringt aber nichts. Nur Streit. „Also wollten wir ihm auf die alten Tage noch mal etwas Glück gönnen und haben im Herbst die weiblichen Angler Sattelschweine mit ins Gehege gelassen.“ Erst passierte nichts, aber jetzt haben Aewerdiecks gleich zwei tragende Hausschweine auf dem Hof. „Das Gesäuge ist deutlich zu sehen, und sie sind auch schon viel dicker geworden.“

Nach einer Tragzeit von „drei Monaten, drei Wochen und drei Tagen“ werden die Kleinen wohl Ende April auf die Welt kommen. „Wir sind gespannt, wie sie aussehen“, sagt die Landwirtin und schaut zu, wie sich alle vier Schweine in eine Mulde kuscheln. Und um das Luxus-Leben perfekt zu machen, darf der Keiler ausnahmsweise sogar Spargel probieren.

 Cosima Künzel

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