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Lübeck Eine zweifelhafte Erinnerungskultur
Lokales Lübeck Eine zweifelhafte Erinnerungskultur
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21:12 08.09.2017
In der Lutherkirche sind noch die Fenster mit den Namen der gefallenen Soldaten zu sehen. Der Kunstkurs von Margrit Schimanke (M.) hat versucht, das Ehrenmal künstlerisch zu vervollständigen. Historikerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch (r.) hat die Schülergruppe um den 17-jährigen Nikolai dabei beraten. Quelle: Fotos: Felix König (2), Michael Hollinde
St. Lorenz Süd

Ursprünglich wusste die Kirchengemeinde gar nichts davon, was da noch so auf ihrem Dachboden schlummerte. „Stimmt“, sagt Dr. Karen Meyer-Rebentisch, „bis im Jahr 2000 ein Forscher vorsprach, der sich für die Kunstwerke von Erich Klahn in unserer Kirche interessierte. Hintergrund war, dass 2001 ein Klahn-Museum in Niedersachsen eröffnen sollte.“ Und da sei man auf die Fensterfragmente des Heldenehrenmales gestoßen, das der Künstler geschaffen hat und das nur noch zum Teil im Kirchenvorraum zu entdecken ist.

Zahlreiche Denkmäler ehren die im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten als Helden. Auch in der Lutherkirche findet sich dieses Relikt aus längst vergangenen Tagen. Zwölftklässler der Baltic-Schule sind in einer Projektwoche dieser Erinnerungskultur auf den Grund gegangen.

Klahn selbst, der Kindheit und Jugend in Lübeck verbrachte, ist in der Kulturszene mehr als umstritten. Er gilt für sehr viele als völkischer, antidemokratischer Künstler, der sich für die Ziele der Nationalsozialisten einsetzte. „Entsprechend tragen seine Werke eine spezifische Handschrift, mit der wir uns auseinandersetzen wollen“, sagt die Historikerin Meyer-Rebentisch.

Sie hat in der Luthergemeinde mit ihrer eigenen Gedenkstätte schon viele Projekte zur Vergangenheitsbewältigung angestoßen. „Und da wir uns im November zur Zeit des Erinnerns vor dem Volkstrauertag kritisch mit Klahns-Ehrenmal befassen wollen, habe ich den Kontakt zu Margrit Schimanke gesucht, die an der Uni Greifswald die Bedeutung von Kriegsehrenmalen wissenschaftlich analysiert hat, bevor sie Kunstlehrerin an der Baltic-Schule in Buntekuh geworden ist“, erklärt Meyer-Rebentisch.

Die Idee fiel sofort auf fruchtbaren Boden, und die Oberstudienrätin formte aus dem Ganzen ein einwöchiges Schulprojekt, das zurzeit läuft und im November in der Lutherkirche präsentiert werden soll.

„Zum einen werden wir dann unseren Gegenentwurf aus GlasmosaikSteinchen zeigen, der das Thema Gefallenen-Gedenken auf moderne Weise interpretiert“, so die Pädagogin. Dazu die 18-jährige Jule: „Unser Entwurf mit einem sich verästelnden Baum ist mit der Botschaft ,Frieden auf Erden‘ entstanden und beinhaltet die zentrale Aussage ,Wir sind alle Schwestern und Brüder‘.“

Das Team um den 17-jährigen Nikolai hingegen hat sich auf den Dachboden der Lutherkirche begeben, um die fehlenden Fensterfragmente des Ehrenmals aufzuspüren. „Erstmal waren wir mit Entstauben beschäftigt“, sagt der Zwölftklässler, „anschließend haben wir versucht, die teilweise fehlenden und zerstörten Teile mit Szenen aus der Bibel, die die Namensfenster ursprünglich umrahmt haben, wieder sichtbar zu machen.“

Auf das Ergebnis dürfe man gespannt sein, sagt die Lehrerin, die auch darauf verweist, dass sich weitere Schüler sowohl mit den historischen Zusammenhängen sowie der Projektdokumentation beschäftigt haben.

„Zeit des Erinnerns“

Die Schüler-Arbeiten werden in einer Werkpräsentation in der Lutherkirche, Moislinger Allee 96, zu sehen sein, und zwar von Montag, 6. November, bis Sonntag, 19. November, jeweils montags bis sonnabends von 14 bis 17 Uhr. Am Montag, 6. November, um 18 Uhr wird die Ausstellung eröffnet. Und am Sonntag, 19. November, wird Luther-Pastor Thorsten Rose dann im Gottesdienst am Volkstrauertag schließlich der Frage nachspüren „Wann ist ein Held ein Held?“

Michael Hollinde

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