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Lübeck Einzelhandel setzt 1,5 Milliarden um - Einbußen in der Innenstadt
Lokales Lübeck Einzelhandel setzt 1,5 Milliarden um - Einbußen in der Innenstadt
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09:57 03.01.2016
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Lübeck

Das belegen die neuesten Einzelhandelsdaten, die die Wirtschaftsförderung jetzt vorlegt. Die gesamte Verkaufsfläche ist im vergangenen Jahr förmlich explodiert – von 501.000 Quadratmetern 2013 auf nunmehr 577.000 Quadratmeter 2014. Hauptgrund für den Anstieg um satte 15 Prozent ist die Ansiedlung von Ikea und dem Luv-Center. Die Einzelhandelsfläche in der Innenstadt blieb mit 125.000 Quadratmetern unverändert.

Seit 2001 erfasst die Wirtschaftsförderung jedes Jahr alle Einzelhandelsflächen in der Hansestadt. „Durch unsere Totalerhebungen können wir Entwicklungen aufzeigen – und machen keine Momentaufnahmen“, erklärt Dirk Gerdes, oberster Wirtschaftsförderer in Lübeck. Im vergangenen Jahr setzte der Einzelhandel 1,5 Milliarden Euro um. Das ist eine ganz leichte Steigerung um 40 Millionen Euro gegenüber 2013. Die Lübecker speisten die Geschäfte mit einer Milliarde Euro – zehn Millionen Euro weniger als 2013. Dafür gaben die auswärtigen Kunden ordentlich Geld in Lübeck aus. Der Umsatz, den Kunden von außerhalb bescherten, lag 2014 bei 492,8 Millionen Euro – 50 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Gerdes spricht vom „Ikea-Effekt“. Von dem der innerstädtische Einzelhandel nichts hat. Im Gegenteil. Lag der Umsatz der Innenstadt-Händler 2013 noch bei 352,9 Millionen Euro, sank er ein Jahr später auf 327,6 Millionen Euro. Gleichwohl liege der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche in der Innenstadt mit 3055 Euro immer noch deutlich über dem Durchschnitt der gesamten Stadt (2835 Euro).

Der neue Einzelhandelsmonitor 2015/2016 der Wirtschaftsförderung kürt die Hansestadt zum „attraktivsten Einzelhandelsstandort in der Metropolregion Hamburg“. Auch national glänzt Lübeck. Die Wirtschaftsförderung hat einen Vergleich mit zehn anderen, ähnlich großen Städten angestellt – von Kiel im Norden über Chemnitz und Magdeburg im Osten, Freiburg im Süden und Oberhausen im Westen. Bei der Kaufkraft liegt Lübeck auf Rang vier, bei der Zentralität sogar auf Platz eins. Die erklärt, wie viel Umsatz eine Stadt durch Kunden aus dem Umland macht. 2016 geht Decathlon, der französische Sportartikelhändler, in Buntekuh an den Start. Gerdes erwartet dadurch noch mehr Kunden von außerhalb.

Parallel zur Verkaufsfläche wuchs auch der Leerstand. 2013 waren 37 200 Quadratmeter verwaist, im vergangenen Jahr schon 47.000. Die Wirtschaftsförderung spricht dennoch von einem moderaten Leerstand. Die Quote stieg von 7,4 auf 8,2 Prozent. Dazu trugen Leerstände bei C&A in der Mühlenstraße, dem früheren Poco-Markt in der Lohgerber Straße, der ehemalige Praktikermarkt in Genin, in dem jetzt Flüchtlinge leben, und das Dauer-Sorgenkind Königpassage bei. 17.860 Quadratmeter stehen in der Innenstadt leer, und dort liegt die Quote mit 14,2 Prozent (12,7 Prozent 2013) besorgniserregend hoch. Immerhin, so Gerdes: „Mit der Wiederbelebung des C&A- Kaufhauses und der Ansiedlung von Decathlon auf dem Grundstück des früheren Poco-Marktes werden zwei große Leerstände beseitigt.“

Zum ersten Mal hat die Wirtschaftsförderung eine Erhebung zum Online-Handel gestartet. Ein Student hat die Internetpräsenz des Lübecker Einzelhandels ausgewertet. Danach sind 359 Geschäfte überhaupt nicht im Netz präsent (29,6 Prozent von über 1200 Geschäften), während 349 (28,8 Prozent) Online-Shops betreiben. Die Wirtschaftsförderung hat einen weiteren Studenten damit beauftragt, die Zahlen im Detail auszuwerten.

In Zahlen

577.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche gab es 2014, im Jahr davor waren es noch 501.000 Quadratmeter – ein Wachstum von 76.000 Quadratmeter.
349 Händler haben einen Online-Shop beziehungsweise ein Ladengeschäft mit einem zusätzlichen Online-Shop. Das sind 28,8 Prozent. 359 Geschäfte sind überhaupt nicht im Internet präsent. Das sind ganze 29,6 Prozent der Läden.
1,5 Milliarden Euro setzte der Einzelhandel 2014 um. 2013 waren noch 1,46 Milliarden Euro.
47.000 Quadratmeter an Leerständen wurden 2014 gezählt. Im Jahr zuvor waren es erst 37.200 Quadratmeter.
100 Euro pro Quadratmeter betrugen die Ladenmieten in 1A-Lage 2014. Im Jahr 2000 waren es noch 80 Euro.

Von Kai Dordowsky

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