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Lübeck Elbe-Lübeck-Kanal: Zukunft entscheidet sich Ende März
Lokales Lübeck Elbe-Lübeck-Kanal: Zukunft entscheidet sich Ende März
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11:25 10.02.2016
Das Binnenschiff „Fortuna“ legt sich in die Kurve. Mit 1400 Schiffsbewegungen liegt der Kanal laut Stadt auf mäßigem Niveau. Quelle: Flint

Und dann bleibt nur noch abzuwarten, was der Bundesverkehrsminister daraus macht. Ende März legt Alexander Dobrindt (CSU) den Entwurf für einen neuen Bundesverkehrswegeplan im Berliner Kabinett vor. Eine Zukunft als bedeutender Wirtschaftsweg hat die Wasserstraße zwischen Hamburg und Lübeck nur, wenn der Ausbau in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wird.

Kommentar zum Thema: Der Ausbau ist ein Muss!

Das bestätigen die Bundestagsabgeordneten der Region, die sich seit Jahren für den Kanal verwenden. „Die Zukunft als effiziente und umweltfreundliche Verkehrsader darf jetzt nicht verspielt werden“, sagt die SPD-Parlamentarierin Gabriele Hiller-Ohm. Die Bundestagsabgeordnete skizziert die Vorteile eines ausgebauten Kanals: Bis zu 200000 Lkw könnten jährlich von den Straßen der Region verschwinden, wenn mehr Güter auf dem Wasser transportiert würden. Die SPD-Politikerin: „Viele Güterschiffe aus Russland fahren momentan bis in die niederländischen Häfen, um von dort ins deutsche Wasserstraßennetz zu gelangen, dies wäre über den Elbe- Lübeck-Kanal deutlich schneller und günstiger möglich.“ Ins gleiche Horn stößt ihre CDU-Kollegin Alexandra Dinges-Dierig. Wer mit Binnenschiffen zur Ostsee wolle, brauche den Elbe-Lübeck-Kanal. Dinges-Dierig: „Der Ausbau ist ein sinnvolles und bedeutendes Infrastrukturprojekt für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr — über alle Ländergrenzen hinweg.“

Die CDU-Abgeordnete hat vor Kurzem eine Absichtserklärung von 35 Unternehmen aus der ganzen Republik an wichtige Bundestagsabgeordnete in Berlin überreicht. In dieser Erklärung verpflichten sich die Betriebe, mehr Ladung über den Kanal zu verschiffen, wenn der endlich ausgebaut wird. Kurios: Die gleiche Absichtserklärung hat im September Hiller-Ohm ihren wichtigen Kollegen im Bundestag überreicht.

Das ist die eigentliche Crux bei dem Thema: Viele setzen sich für den Ausbau ein, aber sie ziehen nicht alle am gleichen Strang. Dierk Faust, Geschäftsführer des privaten Hafenbetreibers Lehmann und Vorsitzender der Lübecker Schiffsmakler: „Der Ball wird immer zwischen Land und Bund hin- und hergespielt.“ Der Ausbau könne aber nur gelingen, „wenn wir gemeinsam etwas machen“. Rüdiger Schacht von der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck (IHK): „Wir haben noch einmal den Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) angeschrieben. Meyer verweist auf den Bundesverkehrswegeplan.“ Die Landesregierung hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass der Nord-Ostsee-Kanal für sie Priorität hat.

Ausgerechnet in diesen Wochen der Entscheidung wartet die Wasserstraße mit einer schlechten Bilanz für 2015 auf. Der gesamte Kanalverkehr zwischen Hamburg und Lübeck sank um 11,4 Prozent auf nur noch 664 611 Tonnen. Das sei das Henne-Ei-Dilemma, sagen die Befürworter des Kanalausbaus. Weil Brücken zu niedrig und Schleusen zu kurz sind, können große und moderne Binnenschiffe hier nicht fahren.

Kleinere Kanalschiffe würden zusehends ausgemustert. Dadurch sinken die Ladungsmengen weiter, was gegen den mehrere 100 Millionen Euro teuren Ausbau spricht. Dinges-Dierig: „Die Nutzung kann erst wieder zunehmen, wenn der Ausbau für 110 Meter lange Großmotorgüterschiffe stattgefunden hat.“

Norbert Brackmann (CDU), Haushalts- und Verkehrspolitiker aus dem Lauenburgischen, geht davon aus, dass der Kanal in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird, aber nicht in den vordringlichen Bedarf. Brackmann: „Das wäre ein Wunder.“ Auch Dierk Faust, Chef der Schiffsmakler, hat „wenig Hoffnung, dass der Kanal in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wird“. Rüdiger Schacht von der IHK: „Dann wird es schwierig.“ Aber eines sei sicher, so Schacht: „Aufgeben werden wir den Kanal mit Sicherheit nicht.“

Der lange Weg zum Ausbau

464 Millionen Euro würde ein Ausbau nach Schätzung einer Studie kosten. Dabei würden die 62 Kilometer lange Wasserstraße ausgebaggert, sechs Schleusen verlängert und acht Brücken angehoben.

3 Millionen Tonnen könnten nach einem Ausbau über den Kanal transportiert werden — im vergangenen Jahr waren es 664611 Tonnen.

Ende März legt der Bundesverkehrsminister den Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan vor, dann folgen Anhörungen und ein Kabinettsbeschluss. Anschließend macht der Bundestag daraus ein Gesetz.

Kai Dordowsky

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