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Lübeck Elektrobranche macht Flüchtlinge fit für die Lehre
Lokales Lübeck Elektrobranche macht Flüchtlinge fit für die Lehre
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21:16 23.08.2016
Junge Flüchtlinge gemeinsam mit Auszubildenden der Firma Habotec: Khaled Hejazi (24, v. l.), Annica Ahlers (19), Ahmet Atiah (24), Kevin Becker (23), Reza Heidari (19), Florian Femmer (18) und Firmenchef Peter Bode. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Integration durch Bildungschancen: 20 junge Flüchtlinge aus dem Irak, aus Syrien, Afghanistan und Eritrea sollen in Lübeck ihre Elektroniker-Lehre machen, Gesellen werden, vielleicht eines Tages Meister ihres Fachs sein – allemal aber begehrte Fachkräfte. Die Lübecker Elektroinnung will dem Fachkräftemangel mit einem Integrationsprojekt Paroli bieten.

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Junge Flüchtlinge gemeinsam mit Auszubildenden der Firma Habotec: Khaled Hejazi (24, v. l.), Annica Ahlers (19), Ahmet Atiah (24), Kevin Becker (23), Reza Heidari (19), Florian Femmer (18) und Firmenchef Peter Bode.

Unbesetzte Lehrstellen

mit mehr als 900 Mitarbeitern gehören der Lübecker Elektroinnung an. 100 neue Ausbildungsplätze haben die Lübecker Elektrobetriebe für das neue Lehrjahr angeboten. Doch nur rund 75 Lehrstellen konnten besetzt werden.

Das Integrationsmodell „ipet“ ist stark berufsschulorientiert und lehnt sich an Inhalte des Ausbildungsvorbereitenden Jahres (AVJ) an.

Die jungen Leute können ihr Glück kaum fassen; und sie sind hochmotiviert.

Peter Bode, Chef des Kücknitzer Elektro- und Gebäudesystemtechnik-Unternehmens Habotec hat gemeinsam mit dem pensionierten Studiendirektor Helmut Braasch das Projekt auf den Weg gebracht. Auch aus „Eigennutz“, wie Bode bekennt. „Wie viele andere Unternehmer stelle ich mir die Frage, woher ich meine Nachwuchskräfte kriege. Uns fehlen die jungen Leute.“ Das Projekt der Ausbildungsakademie Lübeck (AAL) der Elektroinnung wird eng mit der Emil- Possehl-Schule verzahnt. Bode, AAL-Geschäftsführer und Ehrenobermeister, ist von dem Erfolg überzeugt. Zu den jungen Flüchtlingen sagte er gestern bei der Vorstellung des Projektes mit Nachdruck: „Ihr müsst keine Angst haben. Wir machen euch so fit, dass ihr die Lehre packt.“

Das Integrationsprojekt Elektrotechnik „ipet“, das langfristig geplant ist, wird bei seinem Start von der Possehl-Stiftung mit einem hohen fünfstelligen Betrag gefördert. Vom 12. September an werden die 20 Flüchtlinge ein Jahr lang in 40 Unterrichtswochen an der Emil- Possehl-Schule auf die Lehre vorbereitet. In den 1200 Unterrichtsstunden lernen sie Alltagsdeutsch und deutsche Fachbegriffe. Sie erhalten fundierte Einblicke in die Elektrotechnik und in Wirtschaft, Politik, Religion und Kultur. Hinzu kommen acht Wochen lang Betriebspraktika in Lübecker Elektro-Unternehmen. Bei einem erfolgreichen Abschluss der einjährigen Berufsvorbereitung beginnt die dreieinhalbjährige Lehre. Hauptvoraussetzung: Die Flüchtlinge müssen im Sommer kommenden Jahres die Prüfung für das Deutsch- Zertifikat „B1“ ablegen.

Bode betonte, man werde die Flüchtlinge nicht ein Jahr lang im Ungewissen lassen, ob es mit der Lehre ab 1. September 2017 klappe. Sie würden bei entsprechenden Leistungen ihren Lehrvertrag bereits Anfang Februar bekommen, mit der Klausel, dass die Deutsch-Prüfung bestanden werden müsse. Der AAL-Geschäftsführer hat keinen Zweifel daran, dass die Flüchtlinge, die seit rund einem Jahr in Deutschland leben und schon recht gut Deutsch sprechen, die Prüfung bewältigen: „Die schaffen das.“

Im Rahmen des Integrationsprojektes leistet ein Team aus Lehrkräften der Emil-Possehl-Schule, Sozialpädagogen, Betreuern und Patenfamilien individuelle Hilfestellung. Während der Betriebspraktika werden den Flüchtlingen gleichaltrige Paten in den Firmen zur Seite gestellt. Bode: „Berührungsängste, Unsicherheit und Vorurteile lassen sich am besten und schnellsten durch persönliche Begegnungen abstellen.“

Das bestätigt eine Patenfamilie. Inge und Jürgen Voß betreuen seit einem Jahr vier junge Männer aus Eritrea, helfen bei Behördengängen, gehen mit ihnen in Konzerte, machen Ausflüge, sprechen mit den jungen Männern über Religion, deutsche Regeln und Essensgebräuche. „Integration kann so schnell gehen“, sagt die 65-jährige Inge Voß und freut sich über „viele neue Erfahrungen und Impulse“. Ihr Ehemann Jürgen (67) ist hellauf begeistert von dem Integrationsprojekt: „Das ist eine tolle Initiative. Dahinter steckt richtig Power.“ Mit einem freundlichen und schüchternen Lächeln sagt Abrham (21) aus Eritrea, einer der 20 Lehrgangsteilnehmer: „Ich freue mich über diese Ausbildung. Die ist gut für mich.“

Torsten Teichmann

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