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Lübeck Elf junge Forscher auf Schatzsuche
Lokales Lübeck Elf junge Forscher auf Schatzsuche
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21:10 05.02.2018
Max Schön (v. l.), Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Possehl-Stiftung, Prof. Wolfgang Sandberger, Chef des Brahms-Institutes, Bürgermeister Bernd Saxe, Prof. Enno Hartmann, Vizepräsident der Universität, sowie die beiden Sprecher des ZKFL, Prof. Cornelius Borck und Prof. Hans Wißkirchen, freuen sich über den Start der dritten Doktoranden-Staffel. FOTOS (2): LUTZ ROESSLER
Innenstadt

Sie gehören zur mittlerweile „dritten Staffel“ des ZKFL, die elf jungen Leute, die in Lübecks kulturellen Schatzkammern stöbern dürfen, um darin neue Erkenntnisse für die Forschung zu entdecken. „Und all diese Promotionsprojekte haben wieder viel mit unserer Stadtgeschichte zu tun, mit der Hanse, mit dem mittelalterlichen Lübeck, mit Persönlichkeiten, die unsere Stadt prägten“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe.

Die elf Neuen (v. l.): Steven Reiss, Mareike Smolka, Ann-Mailin Behm, Eike Daniel Loeper, Jeanette Fischer, Timm Behnecke, Lea Kollath, Teresa Cäcilia Ramming, Lisa Renn, Kerstin Klein sowie Daniel Fleisch.

Als 2010 diese einmalige Kooperation von Universität sowie Museen und Sammlungen gestartet sei, „war das ein durchaus ungewöhnlicher Schritt, weil Kommunen eigentlich mit Wissenschaft und Forschung nicht direkt zu tun haben. Denn das ist originär Landesaufgabe“, betont Saxe. Man habe sich dadurch jedoch Impulse für die städtischen Kulturinstitutionen erhofft – „und genau dies ist eingetreten, so dass wir uns auf die neue Runde freuen“, sagt Saxe. Denn die Themen seien wieder vielversprechend.

So widmet sich beispielsweise Timm Behnecke „dem Leben und Arbeiten in Herrenwyk“. Der studierte Maschinenbauer und Philosoph von der TU Darmstadt wird die Archive der Geschichtswerkstatt durchforsten. „Schließlich lässt sich ganz besonders – zeitlich und räumlich verdichtet – der Wandel der Arbeit am Hochofenwerk, Inbetriebnahme 1907 und Konkurs 1981, nachvollziehen“, begründet er seine Themenwahl.

Jeanette Fischer, die in Kiel auf Lehramt studiert hat, will sich in der Stadthistorie erheblich weiter zurückbewegen. Ihr Thema: Ökonomie und Alltag im Heiligen- Geist-Hospital im 16. Jahrhundert.

„Im Stadtarchiv bin ich schon auf Schriftstücke gestoßen, von denen keiner wusste. Entsprechend kann ich an dort gefundenen Rechnungen unter anderem rekapitulieren, was damals täglich auf dem Markt oder auf dem Schrangen eingekauft worden ist“, erläutert die Doktorandin.

Nun erstmals als weiterer Kooperationspartner des ZKFL dabei ist die Musikhochschule Lübeck (MHL). „Mit zwei Projekten sind wir beteiligt“, kündigt Prof. Wolfgang Sandberger, Vorsitzender des MHL-Promotionsausschusses, an. Denn wie auch an der Universität fehle es an der MHL an einer klassischen philosophischen Fakultät, so dass man so durch die Zusammenarbeit kulturwissenschaftliche Themen einbinden könne.

Teresa Ramming zum Beispiel interessiert sich für das Brahms-Bild Max Kalbecks. „Der Musikschriftsteller ist vor allem als Brahms-Biograf bekannt“, erklärt sie. Und das Lübecker Brahms-Institut beherberge neben zahlreichen von Kalbeck angefertigten Briefabschriften auch das Skizzen-Konglomerat für die Erstellung seiner Monumentalbiografie über Brahms.

Durch die junge Musikwissenschaftlerin sowie ihre Stipendiaten-Kollegin Mareike Smolka, die sich mit „ethischen Reflektionen in neurowissenschaftlicher Meditationsforschung“ beschäftigen möchte, bekommt das ZKFL diesmal einen internationalen Anstrich – Ramming kommt von der Universität Zürich, Smolka von der Uni Maastricht.

Die beiden Sprecher des ZKFL, Prof. Cornelius Borck und Prof. Hans Wißkirchen, merken an, dass die elf geförderten Doktoranden aus einer Schar von über 40 Bewerbern herausgesucht worden seien. Und „Ich habe inzwischen viele Telefonate mit Kollegen geführt, die sich erkundigen, wie Lübeck das hinbekommen habe und wie man das nachmachen könne“, so Borck.

Als Hauptförderer ist wie gehabt die Possehl-Stiftung mit im Boot, mit 900000 Euro für drei Jahre.

Dritte Förderphase am ZKFL

Gegründet wurde es im Jahr 2010, das „Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck“ (ZKFL). Es soll dabei helfen, auch die Kulturwissenschaften auf dem Uni-Campus zu etablieren und Hochschule sowie städtische Museen und Sammlungen zu verzahnen. Inzwischen gibt es den dritten Doktoranden-Jahrgang. Begonnen hatte man mit sechs Nachwuchsforschern; dann wurden zehn junge Leute ausgewählt; jetzt sind es elf, wobei noch die Arbeit einer zwölften jungen Forscherin aus Heidelberg als „assoziiertes Projekt am ZKFL“ geführt wird.

Michael Hollinde

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