Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Eltern setzen sich durch: Horte bleiben erhalten
Lokales Lübeck Eltern setzen sich durch: Horte bleiben erhalten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:35 04.02.2018
„Eltern wollen Auswahl haben.“Anka Grädner, Grünen-Politikerin
Lübeck

„Wir freuen uns und danken allen Unterstützern, die sich konsequent, richtungsweisend und voller Herzblut für eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung stark gemacht haben“, sagt Juleka Schulte-Ostermann, Gründungsmitglied der Hortretterinnen. Für Bildungssenatorin Weiher bedeutet der Beschluss, der unter anderem von SPD, GAL und Grünen getragen wird, eine Vollbremsung. „Die Strategie, Horte ab- und Betreute Grundschulen aufzubauen, ist immer wieder von der Politik unterstützt worden“, erklärte die Senatorin im Jugendhilfeausschuss, „ich kann mir nicht vorstellen, dass wir diesen Weg verlassen.“

 

„Der Bedarf ist vorhanden.“Katja Mentz, GAL-Politikerin

Sie wisse auch gar nicht, wie der weitere Ausbau der Schulkindbetreuung finanziert werden solle, „wenn die Horte bleiben“.

Vor etlichen Jahren haben Verwaltung und Politik beschlossen, die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern auf andere Beine zu stellen. Horte, die an Kitas angegliedert sind, wurden geschlossen.

Stattdessen wurden die Betreuten Grundschulen ausgebaut. Die Zahl der Hortplätze ist massiv gesunken, gleichzeitig sind die Plätze in den Betreuten Grundschulen auf über 3800 gestiegen. Doch die räumliche und personelle Ausstattung der Betreuten Grundschulen wurde in den letzten Monaten immer wieder kritisiert. In Horten kommen beispielsweise weniger Kinder auf eine Fachkraft (15) als in den Betreuten Grundschulen (20). Die Hortretterinnen haben sich deshalb dafür eingesetzt, dass nicht nur die zwölf bestehenden Horte bleiben, sondern dass für die Betreuten Grundschulen die gleichen Standards gelten müssen. „250 Hortplätze sind noch übrig, ich bitte Sie, diese zu erhalten“, richtete Schulte-Ostermann einen Appell an die Politiker.

„Es war ein Fehler, die Hortplätze so massiv abzubauen“, erklärte Katja Mentz (GAL), die den Antrag zum Erhalt der Einrichtungen einbrachte. Mentz weiß, wovon sie spricht. Sie hat zwei Kinder in Horten gehabt und eines jetzt in einer Betreuten Grundschule. Die GAL-Politikerin: „Ich sehe immense Unterschiede.“ Pito Bernet (SPD) warnte davor, „den gleichen Fehler wie bei den Stadtteilbüros zu machen“. Die seien geschlossen worden, ohne dass es eine funktionierende Alternative gegeben habe. Tim Klüssendorf (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, warb dafür, den Abbau der Horte abzubremsen. Anka Grädner (Grüne): „Wir sind gegen die Schließung der Horte. Die Eltern wollen das Recht auf eine Auswahl haben.“ Andreas Müller (Linke) hält es für rechtlich nicht haltbar, „dass die Stadt keine Horte mehr anbietet“.

Diakoniepastorin Dörte Eitel, Chefin des Kitawerkes, sprach sich gegen den Erhalt der Horte aus: „Wir sollten den begonnenen Weg nicht abbrechen.“ Nach ihrer Erfahrung „wollen Dritt- und Viertklässler nicht in Horten betreut werden, die gehören an die Schulen“. Die Jugendhilfeplanerin der Stadt, Petra Albrecht, rechnete vor, dass viel mehr Kinder durch Betreute Grundschulen versorgt würden als früher durch die Horte. Albrecht: „Viele Eltern konnten sich Horte nicht leisten.“ Klaus-Peter Jürgensen, bei der Stadt für Kita-Finanzierung zuständig, sagte, dass die Horte wegen mangelnder Nachfrage abgebaut worden seien.

Die Kreiselternvertretung der Kitas dagegen begrüßt den Beschluss des Jugendhilfeausschusses. Vorsitzender Christian Weise: „Insbesondere die Tatsache, dass an den Betreuten Grundschulen schon jetzt räumliche und personelle Kapazitäten fehlen, lässt für uns keinen anderen Schluss zu, als die noch vorhandenen Hortplätze zu erhalten.“ GAL-Politikerin Mentz geht davon aus, „dass Lübeck die bestehenden Horte in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht schließen kann“.

 Von Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!