Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Ende Juni rollen die ersten Elektrobusse durch Lübeck
Lokales Lübeck Ende Juni rollen die ersten Elektrobusse durch Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:57 12.04.2017
Am Mittwoch übte die Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD) unter Anleitung von Wilfried Bumann, Leiter der Fahrschule des Stadtverkehrs, mit einem Hybridbus. Ende Juni soll Hiller-Ohm dann den ersten reinen Elektrobus testen. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

„Wir überlegen außerdem, ein Fahrzeug auch durch den Herrentunnel zu schicken, um Erfahrungen mit der Steigung zu sammeln“, erklärt Geschäftsführer Willi Nibbe.

Der Stadtverkehr stellt den gesamten Fuhrpark bis 2035 um.

25 Millionen Fahrgäste

nutzen jährlich die

Busse, weitere drei

Millionen die Fähren.

Der Stadtverkehr

630 Mitarbeiter zählt der Stadtverkehr, zu dem die Travemünder Tochtergesellschaft LVG gehört. 9,3 Millionen Kilometer rollen die 200 Busse des Unternehmens jährlich durch Lübeck.

Geliefert werden die Fahrzeuge von der Firma Sileo. Das deutsch-türkische Unternehmen hat sich auf Elektrobusse spezialisiert und führte Anfang Juni 2016 einen Gelenkbus im Linienverkehr vor. Im Januar holte sich Nibbe fast 280000 Euro Fördergelder in Berlin ab, bestellte die Fahrzeuge. Und jetzt beginnt die Umrüstung des gesamten Fuhrparks. 2035 sollen alle 200 Busse von Stadtverkehr und LVG mit Batterien rollen. Die Gesamtinvestition schätzt Nibbe auf über 60 Millionen Euro.

„Wir wollen weg vom Auspuff und hin zum Strom“, sagt Nibbe. Neben neuen Fahrzeugen braucht der Stadtverkehr vor allem viel Saft aus der Ladestation. „Wir geben derzeit jährlich fünf Millionen Euro für Dieselkraftstoff aus, dieses Geld wollen wir künftig in Strom von unserer Tochtergesellschaft Stadtwerke investieren“, erklärt der Geschäftsführer. Direkt an den Standorten des Busbetriebs im Ratekauer Weg und der LVG in Travemünde führen Mittelspannungsleitungen der Stadtwerke vorbei. Die werden angezapft, dann werden Trafohäuschen auf die Grundstücke gestellt und der Strom für die E-Ladestationen bereitgestellt. In der Halle für die Busse gebe es genug Platz für Ladestationen. Die Werkstatt wurde bereits auf die Wartung von Elektrobussen umgerüstet. „Wir haben schon vor Jahren für die elektrischen Dachkomponenten Arbeitsbühnen geschaffen“, sagt Nibbe. Denn der Stadtverkehr setzt seit 2011 zehn Hybridbusse ein – Elektrofahrzeuge mit Dieselmotor zur Stromerzeugung.

„Der öffentliche Personennahverkehr muss den Vorreiter für die Elektromobilität spielen“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm, die gestern den Betriebshof des Stadtverkehrs besuchte und einen Hybridbus sanft über den Hof lenkte. Von dem Ziel der Bundeskanzlerin, dass 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen rollen, „sind wir weit entfernt“, kritisiert Hiller- Ohm: „Die Fahrzeuge sind zu teuer, es fehlt an Ladestationen.“ Auch der Stadtverkehr erhofft sich von Bund und Land mehr Unterstützung bei der E-Mobilität. „Wir haben in Schleswig-Holstein jede Menge Strom aus erneuerbaren Energien, warum nutzen wir den nicht für den Nahverkehr?“, fragt Nibbe. Der Stadtverkehr könne die Umrüstung nicht allein finanzieren. Die Elektrobusse kosten derzeit rund eine halbe Million Euro pro Stück, konventionelle Fahrzeuge je nach Größe zwischen 220000 und 350000 Euro. Nibbe appelliert an die Industrie, die Fahrzeuge in Serienreife herzustellen und dadurch die Preise zu senken.

Die Umstellung des Betriebs auf Elektromobilität spare auch Geld, rechnet der Geschäftsführer vor. Die Tankstellen, die Entsorgung von Altöl und die aufwendige Wartung fallen weg. „E-Busse haben kein Getriebe“, weiß die Bundestagsabgeordnete Hiller-Ohm. Die Belegschaft unterstütze den eingeschlagenen Weg, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Marco Fiebelkorn. Neben betriebswirtschaftlichen Erwägungen geht es auch um die Umwelt. Aktuell stoßen die 200 Gefährte des Busbetriebs jährlich 13000 Tonnen Kohlendioxid aus. Nibbe: „Das ist immer noch deutlich weniger, als wenn alle Fahrgäste mit ihren Pkw unterwegs wären.“ Wenn die komplette Busflotte elektrisch rollt, liegen die CO2-Emissionen bei null. Ebenso wichtig für die Fahrgäste: Auf die Fahrpreise werde das Öko-Programm keinen Einfluss haben. Der Geschäftsführer: „Die Umstellung muss vom Staat unterstützt werden, oder der Markt macht die Busse deutlich billiger.“

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige