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Lübeck Ende einer musikalischen Reise
Lokales Lübeck Ende einer musikalischen Reise
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20:12 30.04.2016
Verlassen das Gleisdreieck: Firmeninhaberin Ursula Amrein und ihr Mann Manfred, einstiger Solo-Trompeter in vielen deutschen Orchestern, hier mit der von ihm entwickelten Hundertwasser-Trompete. Quelle: Roeßler

Er hat eine Menge erreicht: Manfred Amrein hat 35 Jahre lang als Solo-Trompeter in deutschen Orchestern gespielt, er hat mit Ehefrau Ursula 39 Jahre lang Musikinstrumente in alle Welt verkauft, in seiner Werkstatt sind Blechblasinstrumente gebaut worden, die nicht nur 1991 mit dem Bundespreis für Instrumentenbau ausgezeichnet wurden. Es sind Instrumente, die von Stars wie Jazz-Posaunist Greg Boyer oder Ray Anderson (beide USA), Solo-Trompeter Ingolf Burkhardt (NDR Bigband) und Nils Landgren oder aber Niels-Ole Bo Johansen vom Aarhus Symphony Orchestra (Dänemark) gespielt werden oder wurden.

Amrein schließt nach 39 Jahren aus Altersgründen — Klaviere, Gitarren, Blasinstrumente werden ausverkauft.

Promi-Besuch

1989 ziehen Amreins mit ihrem Musikhaus vom Heinrich-Mann-Ring ins Gewerbegebiet Gleisdreieck.

2007 dreht Ina Müller für die NDR-Sendung „Inas Norden“ 45 Minuten über Lübeck. Sie besucht auch Manfred Amrein, der aus Goldmessing ein funktionstüchtiges WC mit Tuba-Schallstück als Sitz gebaut hat — und staunt gewaltig.

Er hat das Jugendblasorchester der Musikschule aufgebaut und etliche Jahre geleitet. Besonders gern erinnert er sich an ein großes Konzert mit Händels Wasser- und Feuerwerksmusik auf dem Krähenteich — für einen guten Zweck, versteht sich. Überhaupt engagierte sich der einstige Solo-Trompeter häufig im Kiwanis-Club und stellte über musikalische Kontakte einige besondere Konzerte auf die Beine.

Und: Manfred Amrein, der gelernte Werkzeugmeister aus dem Sauerland, der erst nach seiner Lehre Musik an der Essener Folkwang- Hochschule studierte, ist ein Erfinder, ein Tüftler, ein Witzbold. Immer einmal wieder machte er Schlagzeilen, sei es mit dem Tuba- Klo für Ina Müller, mit der Tonleiter für die Firma Bockholdt oder mit dem blasbaren Spazierstock, den er an Papst Johannes Paul II.

verschickte (der bedankte sich höflich). Andere Menschen zum Lachen zu bringen — für Amrein stets eine Herausforderung.

Aber Manfred Amrein, inzwischen 71 Jahre alt, kann auch anders. Ernsthaft hat er nicht nur an seinen Gags getüftelt, sondern immer wieder Instrumente weiterentwickelt. Seit mehr als zehn Jahren zum Beispiel stellt er Mundstücke aus Titan her — aus jenem Material, das auch Allergiker zumeist vertragen. Und vor zwei Jahren machte er von sich reden, als er gemeinsam mit seinem Mitarbeiter, dem Blasinstrumentenbauer Winfried Liedtke, ultraleichte Karbon-Schalltrichter für Posaunen entwickelte — sehr angenehm für die Musiker.

Doch jetzt hört Amrein auf. Geschäft und Wohnhaus auf einem insgesamt 3000 Quadratmeter großen Grundstück im Gleisdreieck sind verkauft, ein neues Haus im ländlichen Bereich ist fast fertiggestellt.

Ende Juli ist der Auszug aus den Räumen im Gleisdreieck angesagt. Holz- und Blechblasinstrumente, Gitarren, Klavier und Flügel — alles muss bis dahin weichen. „20 Jahre waren wir immer auf der Musikmesse in Frankfurt, dieses Jahr fahren wir erstmals nicht hin“, sagt der 71- Jährige, der sogar seinen 70. Geburtstag bei jener wichtigen Messe verbrachte.

Seit dem Tod seines Sohnes Sascha, der mit ihm die Geschäfte führte, ist Manfred Amrein nachdenklicher und ruhiger geworden. Dass Sascha die Firma hätte übernehmen sollen, stand für die Eltern fest.

Und dann der Schicksalsschlag im Frühling 2014. „Man muss auf die Leute zugehen, wenn man etwas verkaufen will. Ich war quirlig“, sagt „Manni“ Amrein mit der Betonung auf „war“. Und weil der Handel mit Musikinstrumenten im Internet — „die Leute probieren unsere Instrumente aus, um dann im Internet zu bestellen“ — die Geschäfte zunehmend erschwerten, und weil man mit fast 72 mit Fug und Recht in Rente gehen darf, entschlossen sich Ursula und Manfred Amrein zu diesem Schritt.

Ab sofort läuft der Ausverkauf der Instrumente, „meine Jungs bekommen die Werkstatt. Mal sehen, ob sie sich damit selbstständig machen.“ Seine „Jungs“ sind besagter Meister Liedtke und Gitarrenbauer Danilo Neun. Was auch immer die beiden mit den geschenkten Werkzeugen anfangen: Mit dem Abschied der Amreins geht am Gleisdreieck eine Ära zu Ende.

Von Sabine Risch

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