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Lübeck Endgültig: Horte bleiben erst einmal erhalten
Lokales Lübeck Endgültig: Horte bleiben erst einmal erhalten
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15:13 23.03.2018
Das tägliche Mittagessen, das Nira (v. l.), Emma, Viktoria, Dilara und Rosa genießen, gehört zur Betreuung in der Bugenhagen-Schule. Quelle: Foto: Roessler
Lübeck

Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) kämpfte vergeblich dafür, den Weg des Ausbaus der Ganztagsbetreuung in den Grundschulen nicht zu verlassen. „Wir haben in den vergangenen Jahren 900 Hortplätze abgebaut und das Geld für den Ausbau der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen eingesetzt“, sagte Weiher. Zwei Mal habe die Bürgerschaft diesen Weg bestätigt. Über 4000 Kinder gingen mittlerweile in die Schulkindbetreuung, und der Bedarf an weiteren Plätzen sei riesig. Weiher: „Die freien Träger stehen in den Startlöchern, Eltern und Kinder sind größtenteils zufrieden.“ Für den Haushalt 2018 habe sie Ausbauten an sieben Grundschulen angemeldet. Weiher appellierte an die Bürgerschaft, ein verlässlicher Partner der Verwaltung zu sein.

Die vorangegangene Entscheidung des Jugendhilfeausschusses vom 1. Februar, die Horte doch zu erhalten, sei eine „Verirrung“. Das städtische Rechtsamt hatte den Beschluss einkassiert, weil der Jugendhilfeausschuss diese weitreichende Entscheidung nicht fällen durfte. Der größte Schulkindbetreuer der Hansestadt, Kinderwege, hatte angekündigt, seine Horte auch gegen die Beschlüsse der Politiker in Ganztagsbetreuung an Schulen umzuwandeln (LN berichteten).

Die Bürgerschaft bestätigte gestern Abend nach langer Debatte aber den Beschluss des Jugendhilfeausschusses mit knapper Mehrheit – 24 Politiker von SPD, GAL, Grünen und Linken stimmten dafür, 20 Politiker von CDU, BfL und FDP dagegen. Die anfallenden Mehrkosten muss die Hansestadt zur Verfügung stellen. Die Umsetzung wird gemeinsam mit den freien Trägern geplant. Dazu wird eine Task Force eingerichtet.

SPD, GAL, Grüne und Linke betonten, dass die Hortrettung nicht zu Lasten des Ganztagsausbaus gehe, sondern dass beides parallel verlaufen solle. Die Kehrtwende begründete Katja Mentz (GAL) mit Hinweis auf die Eltern: „Die Hortretterinnen haben deutlich gemacht, dass es Bedarf an diesen Plätzen gibt.“ Ragnar Lüttke (Linke): „Warum soll es nicht möglich sein, beide Modelle aufrechtzuerhalten?“ André Kleyer (Grüne): „Wir sind beim Abbau der Horte zu schnell los gehoppelt.“ Es gehe aber nicht darum, die Horte für alle Zeiten zu erhalten, „sondern solange, wie es Missstände gibt“. Jörn Puhle (SPD): „Wir grätschen ein bisschen in Weihers Planung.“ Die SPD wolle freien Trägern, die Horte umwandeln wollen, nicht im Wege stehen. Der Beschluss, Horte aufzulösen, sei blauäugig gewesen, sagte Antje Jansen (GAL), die räumliche Ausstattung einiger Schulen sei unzureichend. Jansen: „Wir wollen keine Schnellschüsse mehr bei der Kinderbetreuung.“

CDU und FDP kritisierten, dass die Kosten der parallelen Angebote überhaupt nicht klar seien. „Die CDU will wissen, was auf Lübeck zukommt“, sagte Christopher Lötsch (CDU). „Reden wir über Hunderte, Tausende oder Millionen Euro?“, fragte Marcel Niewöhner (BfL). Die Bildungssenatorin wehrte sich gegen den Eindruck, „dass Horte per se eine höhere Betreuungsqualität anbieten“. Die Frage nach den Kosten konnte auch Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) nicht beantworten: „Das wird aber kein Nullsummenspiel für Lübeck.“

Die Hortretterinnen, die seit mehr als zwei Jahren um die verbliebenen Einrichtungen kämpfen, nennen den Bürgerschaftsbeschluss einen „großen Wurf“. Anna Sondermann von der Initiative: „Die politische Mehrheit bekennt sich zu einer hochwertigen Betreuung von Grundschulkindern und scheut dabei keine Kosten – ein großartiges Signal an die Eltern.“

 Von Kai Dordowsky

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