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Lübeck Englisch an drei Grundschulen
Lokales Lübeck Englisch an drei Grundschulen
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21:25 15.07.2016
Kerstin Urban (l.) und Birgit Gedicke unterrichten auf Englisch in den Klassen 1a und 2a. „Die Kinder haben viel Freude und sind stolz“, sagen die Lehrerinnen.

Der blaue Vorhang in der Mensa war mit deutschen und britischen Fähnchen geschmückt. Die Schüler aus den Klassen 1a und 2a sangen „And we learn a lot of words, and we have a lot of fun“, und auf dem Hof der Schule Roter Hahn wurde jeder Anzugträger von neugierigen Schülern gefragt: „Bist Du der Bürgermeister?“

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„Mehrsprachigkeit ist wichtig für die interkulturelle Bildung.“Staatssekretär Dirk Loßack

Ein Bürgermeister, ein Staatssekretär, der Vorstandschef eines Weltkonzerns, die Spitze der Industrie- und Handelskammer, die Bildungssenatorin, Schulrat und Schulleiter trafen sich gestern in der Kücknitzer Schule, um eine Absichtserklärung zu unterzeichnen, die den Startschuss für den zweisprachigen Unterricht an Lübecker Schulen einläutet. Die Schule Roter Hahn ist Pionier für bilingualen Unterricht in Lübecker Grundschulen, bietet Englisch seit zwei Jahren an. Die Eltern seien so begeistert, dass alle ihre Kinder für die Englischklassen anmelden, aber das gehe nicht, sagt Schulleiterin Nicole Völschow: „Dazu fehlen mir die Lehrer.“ Obwohl sich sogar schon Pädagogen aus Berlin bei Völschow bewerben, weil sie Englisch in der Grundschule unterrichten wollen. Und eine Assistentin aus dem englischen Cambridge hatte die Schule auch schon.

Die Firma Dräger und die Industrie- und Handelskammer (IHK) wollen eine Fördergesellschaft gründen, die die bilingualen Schulen bei der Beschäftigung von Honorarkräften und bei der Ausstattung mit Unterrichtsmaterial unterstützt. Muttersprachler, die über ein Austauschprogramm des Kultusministeriums angeworben werden, sollen den Unterricht begleiten.

Denn die Hansestadt hat große Pläne. Langfristig sollen auch Kitas und weiterführende Schulen zweisprachig werden. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Wir denken daran, bilingualen Unterricht bis zum Abitur anzubieten. Da wollen wir hin – und das schaffen wir.“ Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) hofft, dass sich weitere Schulen bewerben.

Vor acht Jahren bastelten Stadt, IHK und Dräger erstmals an ersten Ideen für englischsprachige Schulen in Lübeck. Zunächst wurde an eine privatwirtschaftliche Lösung gedacht – und an eine weiterführende Schule. Diese Pläne wurden verworfen. Schließlich einigten sich die Akteure auf das Grundschul- Modell. Schulrat Gustaf Dreier schrieb alle Grundschulen an. Drei bewarben sich. Neben Pionier Roter Hahn starten im August auch die Schule am Stadtpark und die Luther-Schule mit dem bilingualen Unterricht. „Das Konzept kommt bei unseren Eltern sehr gut an“, sagt Martina Montag, neue Leiterin der Luther-Schule, „die Klasse war sofort ausgebucht.“

Das Land werde dieses Angebot dauerhaft etablieren, versprach Dirk Loßack, Staatssekretär im Bildungsministerium. Für Lehrer aus dem ganzen Land würden entsprechende Fortbildungen organisiert.

„Mehrsprachigkeit ist wichtig für die interkulturelle Bildung“, betonte Loßack, „und die Schulen können sich auf dem heiß umkämpften Schulmarkt profilieren“. Wie sehr Kinder vom frühen Fremdsprachenunterricht profitieren, schilderte Dräger-Vorstandsvorsitzender Stefan Dräger am Beispiel seiner drei Kinder, die alle eine Zeitlang in England zur Schule gegangen sind. Dräger: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, möglichst viele Lübecker Schüler zu Weltbürgern fortzubilden.“ Der Konzernführer räumte aber ein, dass es auch Bedenken gebe. Dräger: „Lehrer haben die Sorge, dass sie zusätzlich belastet werden. Eltern haben die Sorge, dass ihre Kinder stärker gestresst werden.“

Aufgeregt, aber nicht gestresst wirkten die Roter-Hahn-Schüler bei ihrer englischsprachigen Vorführung. Im März hatten sie den großen Auftritt schon einmal vorbereitet. Der fiel aber ins Wasser, wurde vom Bildungsministerium überraschend kurzfristig abgeblasen. Es habe rechtliche Bedenken gegeben, das Lübecker Konzept sei noch einmal überarbeitet worden, hieß es gestern. Staatssekretär Loßack: „Das war großer Mist, ich entschuldige mich dafür. Jetzt bringen wir es zum Abschluss.“

Kai Dordowsky

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