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Lübeck Entspannt proben im einstigen WC-Häuschen
Lokales Lübeck Entspannt proben im einstigen WC-Häuschen
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22:31 06.09.2016
Martina Wagner (Sparkassenstiftung) und Holger Maack haben die Schlüssel für das Häuschen, in dem künftig Bands proben. Quelle: Maxwitat
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St. Gertrud

Es ist ein kleines, weißes Häuschen aus der Zeit um 1900. Bei geschlossenen Türen dringt kaum etwas nach draußen auf den Meesenplatz, bei offenen Türen hingegen kann es ziemlich laut werden. Drinnen nämlich sind auf 55 Quadratmetern binnen eines Jahres zwei Proberäume für Lübecker Bands entstanden. Gestern wurden sie offiziell eingeweiht.

„Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren keinen Proberaum“, erzählt Janto Konik (35) von der Lübecker Band Mauve. Doch als er kürzlich googelte, sei er mit einem Klick auf der Seite der Deutschen Rockmusik Stiftung gelandet. Jetzt ist er einer von zwei Hauptmietern, die rund sechs Euro pro Quadratmeter und Monat an die Stiftung zahlen und nach Belieben an andere Bands untervermieten können.

Initiiert hat die Grundsanierung und den Umbau des früheren, dann aber lange leerstehenden Marktleiterhauses und späteren WCs auf Marli der SPD-Ortsverein. Weil ein Ortsvereinsmitglied Musiker sei und von der Proberaum-Situation erzählt habe, sei man einfach einmal durch den Stadtteil gegangen und auf das leerstehende Häuschen gestoßen, berichtet Vorsitzender Ingo Schaffenberg.

Ein Anruf bei Holger Maack, Vorstand der Deutschen Rockmusik Stiftung, habe genügt. Auch der nämlich befand das Gebäude für geeignet. 170000 Euro haben Grunderwerb, Sanierung und Umbau gekostet – 50000 Euro gab die Possehl-Stiftung dazu, 10000 Euro die Gemeinnützige Sparkassenstiftung, 110000 Euro trägt die Rockmusik Stiftung, die bundesweit rund 100 Proberäume betreibt. Er sei, so Maack, „ein großer Freund davon, dass Musiker nicht in dunklen, muffigen Kellern proben müssen“. Gern würde er noch weitere Probenräume in anderen Stadtteilen Lübecks realisieren.

Für Architektin Ilka Guttenberg war die Akustik des Gebäudes eine besondere Herausforderung, denn die Nachbarn sollen nicht gestört werden. Sie konnte auf die Erfahrung ihres früheren Chefs Kuno Dannien bauen, denn der hatte vor Jahren bereits die Holstentorhalle entsprechend schallgedämmt. Ein Ständerwerk wurde eingebaut, dazu drei bis vier Lagen Gipskarton und Bleifolie – fertig war die Schalldämmung. Unter dem Boden des Gebäudes habe man noch eine Überraschung gefunden: zwei Gänge mit alten, richtig dicken Rohren. Nach dem Umbau jedenfalls ist das einst heruntergekommene Gebäude, das viel zu lange leerstand, kaum noch wiederzuerkennen. Es bietet übrigens eine kleine Grünfläche vor der Haustür. Kuno Dannien schwärmt: „Vielleicht könnte man ja die Umgebung einbeziehen und hier einmal ein Konzert geben.“ Eine Idee, die auch bei Ingo Schaffenberg und der stellvertretenden SPD-Kreisvorsitzenden Conja Grau auf Resonanz stößt, denn schließlich soll das Viertel insgesamt aufgewertet werden.

Seit vier Wochen sind die Bands nun in ihren neuen Räumen. „Es ist kuschelig, trocken und kein muffiger Kellerraum“, sagt Janto Konik. Und auch Xtian Shank (62), Untermieter des zweiten Hauptmieters Ziad Askar, ist glücklich. „Es ist ein schöner und vor allem ein sicherer Raum.“ Sicher sei deshalb wichtig, „weil mir anderswo schon mal Instrumente geklaut worden sind“. Seine Band Fetish Drums hatte sich 2009 in Ermangelung von Proberäumen aufgelöst, nun kann es wieder losgehen. Shank freut sich über die Entwicklung in der Hansestadt: Noch vor einigen Jahren habe die Stadt nichts dafür getan, Lübecker Bands mit Übungsräumen zu versorgen, inzwischen passiere einiges. Er selbst ist übrigens über die Homepage www.luebeck.de, Suchwort „Proberäume“, auf das Häuschen am Meesenring 17 aufmerksam und später zum Untermieter geworden.

 Sabine Risch

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