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Lübeck Er bringt den Beat in die Manege
Lokales Lübeck Er bringt den Beat in die Manege
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07:32 18.08.2017
In der zweiten Saison von „Reise zum Regenbogen“ bei Roncalli: Der Jongleur, Comedian und Beatboxer Robert Wicke (41). Quelle: Fotos: Malzahn (2), Dpa
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Bis er etwa 15 Jahre alt war, konnte Robert Wicke sich vorstellen, etwas Bodenständiges zu lernen. „Zahnarzt zum Beispiel“, erzählt der 41-Jährige, der jetzt in der zweiten Saison bei dem berühmten Zirkus unter Vertrag steht.Nicht als Clown, nicht als Seiltänzer, nicht als Zahnarzt, sondern als Beatboxer. Allein mit Mund, Nase und Rachen imitiert Wicke Drumcomputerbeats, lässt dazu Rhythmen mit Hilfe von Tischen, Stühlen und anderen Alltagsgegenständen entstehen. Eine ungewöhnliche Kunst, gebettet in ein ungewöhnliches Leben.

„Mit 15 hatte ich mit Schulfreunden in Hannover zusammen eine Hip-Hop-Band“, sagt Wicke. Er rappte „lustiges Zeug, ein wenig wie ,Fettes Brot‘.“ Und er begann mit dem Beatboxing. „Wir hörten uns Platten an, versuchten die Geräusche nachzuahmen.“ Gleichzeitig begann Wicke mit dem Jonglieren – der Wunsch, einen akademischen Beruf zu erlernen, wurde kleiner, schrumpfte ins Nichts. Nach der Schulzeit setzte sich Wicke deswegen mit einem Freund in einen Bully und tourte durch Südeuropa. In Italien, Spanien und Frankreich war er als Straßenkünstler unterwegs, experimentierte mit seinen Shows. „Das Publikum auf der Straße ist viel härter, als das in einem Zirkuszelt“, erklärt Wicke. „Wer Geld für eine Vorstellung zahlt, will sich begeistern lassen, diese Leute geben einem sozusagen einen Kredit.“ Auf der Straße aber herrscht die Skepsis. Dort erfolgreich zu sein, gibt Selbstvertrauen. Und Wicke war erfolgreich. Als Straßenkünstler und später auf der Bühne in diversen Engagements. Erstmal mit der Jonglage, seit 2005 dann auch mit dem Beatboxing. „Damals hatte ich eine Show im Varieté in Hannover und sollte einen Übergang von einer Szene in die nächste gestalten.“

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Robert Wicke begeistert bei Roncalli als Beatboxer. Er erzählt, wie er damit in den traditionellen Zirkus passt.

Das versuchte Wicke es mit Beatboxing – und hatte wiederum Erfolg. Getragen hat ihn dieser Erfolg bis in die Manege von Roncalli. Und von dort, das sagt auch Zirkus-Chef Bernhard Paul, ist er schon nach knapp zwei Jahren nicht mehr wegzudenken. „In der Vorstellung fühlt es sich so an“, sagt Paul, „als wäre er von Anfang an dabei gewesen.“

Dabei könnte man meinen, dass Wicke und seine Show aus Beatboxing, Jonglage und Comedy eigentlich gar nicht so nahtlos in die träumerische Roncalli-Zirkuswelt passt. Doch: „Was hat Zirkus je anderes gemacht, als Ungewöhnliches zu zeigen?“, fragt Wicke. Früher waren das einmal wilde Tiere, die Kunststücke zeigen. Doch das Publikum habe sich verändert und mit ihm die Erwartungen. „Löwen gehören heute nicht mehr in die Manege“, meint Wicke. Dafür kommt etwas anderes nach. Diese Weiterentwicklung des traditionellen Zirkus findet er wichtig. In Zukunft, glaubt er, wird Bernhard Paul Roncalli weiter in Richtung eines Zirkus-Theaters entwickeln, erzählende und interpretative Elemente verwenden. Und auch dort passt Beatboxing, das ja in der Hip-Hop-Szene entstanden ist, besser hinein, als man auf den ersten Blick glauben mag. „Früher war es eine günstige Möglichkeit, Schlagzeugsounds oder Ähnliches zu erzeugen“, sagt Wicke. Und dort, wo Beatboxing entstanden ist, hatte man nicht unbedingt Geld für Instrumente. Rapper nutzten es als Unterlage für ihre Texte, die manchmal von realen Ereignissen berichten, nicht selten aber auch Geschichten sind – Wunschbilder und Fantasien des Künstlers. Beatboxing ist ein Teil davon.

Die Arbeit in der Roncalli-Manege mag für den 15-jährigen Robert Wicke, als er gerade mit dem Jonglieren angefangen hatte, auch einmal so ein Wunschbild gewesen sein. „Zirkus kam für mich schon in Frage, aber Roncalli erschien mir lange unerreichbar“, erzählt Wicke. Nun hat er es trotzdem geschafft – und wird in Bernhard Pauls Team bleiben. Seine Show wird für das nächste Roncalli-Programm natürlich erneuert. Das muss auch so sein, findet er. Stillstand funktioniert nicht. Nicht im Leben, nicht auf der Bühne und nicht in der Manege.

Letzte Vorstellungen

Aufführungen gibt es nur noch heute um 15.30 und 20 Uhr; am Sonnabend um 15 und um 20 Uhr sowie am Sonntag um 14 und 18 Uhr.

Karten gibt es im Internet unter www.roncalli.de, telefonisch unter der Nummer 04 51/880799 00 und direkt an der Zirkuskasse.

Die nächste Station ist für Robert Wicke ein Heimspiel: Vom 25. August bis 1. Oktober gastiert Roncalli mit seiner Jubiläums-Show in Hannover auf dem Waterlooplatz.

 Luisa Jacobsen

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