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Lokales Lübeck Er ist Lübecks nettester Taxifahrer
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21:49 15.01.2017
So geht Hilfsbereitschaft: Frank Fietkau hilft Christa Franke beim Aussteigen. Er ist einer von sieben Fahrern des Taxiunternehmens Cebir/Waal. Gerufen werden sie entweder direkt oder über City Taxi Lübeck. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Lorenz Nord

Schlitterpartie mit Happy End: Der erste Sonnabend des neuen Jahres wird vielen Lübeckern als der rutschigste Tag seit Langem in Erinnerung bleiben.

An diesem Tag fand Christa Franke ihren persönlichen Glatteis-Retter auf dem Fahrersitz eines Taxis. Jetzt möchte sie sich für seinen besonderen Einsatz bedanken.

„Ich feierte meinen 75. Geburtstag im Holiday Inn“, erzählt Franke. Und so dünn die Eisschicht auch war, so sehr hatte sie ihr bereits die Gästeliste verpfuscht. „Viele konnten nicht kommen, erst wollte ich mit einem Livemusiker bis in den Abend feiern, aber bei dem Wetter war es gut, dass ich es gelassen habe“, so die Lübeckerin. Nach Kaffee und Kuchen löste sich die Gesellschaft gegen 17 Uhr auf – und versuchte nach Hause zu kommen.

„Mein Nachbar und ich ließen ein Taxi rufen“, erzählt Franke. Eine gute Idee, bescherte sie Franke doch das wohl wichtigste Geburtstagsgeschenk des Tages: Sicheres Geleit übers Glatteis dank Taxifahrer Frank Fietkau (53). In die Ludwigstraße sollte es gehen, „und die Hauptstraßen waren auch kein Problem“, berichtet Fietkau, der gerade seine Spätschicht angetreten hatte. Über die Eric-Warburg-Brücke lenkte er das Taxi in die Schwartauer Allee, fuhr in Richtung Lohmühlenteller und bog in die kopfsteingepflasterte Stitenstraße ein. Von dort ist die Ludwigstraße eigentlich zum Greifen nah.

„Doch da war Schluss“, erzählt Fietkau. In seiner 15-jährigen Tätigkeit als Taxifahrer habe er noch keinen so rutschigen Untergrund unter den Reifen gehabt wie am 7. Januar in der Stitenstraße.

Um eine Karambolage mit den parkenden Autos zu vermeiden, hielt er notgedrungen an. Weil er seine Fahrgäste aber noch nicht zu Hause abgeliefert hatte, musste Fietkau improvisieren. Denn die Fahrgäste dem Glatteis zu überlassen, kam für ihn nicht in Frage. Er ließ sich den Hausschlüssel von Christa Franke geben, stieg aus und schlitterte Meter für Meter den Gehweg entlang in die Ludwigstraße.

„Er hat sich festgehalten, wo es möglich war“, beschreibt Franke die Situation. An seinem Ziel angekommen, ging Fietkau in den Keller, wo nach Frankes Auskunft der Eimer mit Streugut gelagert ist.

Damit ausgerüstet machte sich der Taxifahrer daran, zu zeigen, dass Extremsituationen oft das Beste oder das Schlechteste im Menschen hervorbringen. In seinem Fall das Beste: „Er hat den ganzen Weg zurück zum Auto gestreut und dann noch den Gehweg zum Haus“, berichtet Franke. Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, begleitete er seine Fahrgäste dorthin noch persönlich.

„Das fand ich so toll“, lobt Christa Franke. Heutzutage erlebe man überall sonst eine eiskalte Ich-Gesellschaft, in der Hilfsbereitschaft wenig zähle. Fietkaus Verhalten beeindruckte sie deswegen umso mehr. Der Taxifahrer freut sich über Frankes Dankbarkeit, findet seinen spontanen Winterdienst aber eigentlich ganz selbstverständlich. „Man kann ja selbst in solche Situationen kommen, da möchte man auch, dass andere Menschen hilfsbereit sind.“

Dabei haben Taxifahrer in Sachen Nettigkeit nicht überall den besten Ruf: waghalsige Überholmanöver, den Zebrastreifen überfahren, bevor der herannahende Fußgänger ihn betreten hat, „und manche sind dann noch so mürrisch“, kommentiert Christa Franke.

Was vielleicht aber auch in den Anforderungen des Jobs begründet ist: „Die Nachtschichten sind hart“, bekräftigt Fietkau. „Viele Betrunkene und so“. Trotzdem fährt der Familienvater aus dem kleinen Ort Goddin in Mecklenburg-Vorpommern seit so vielen Jahren verlässlich durch die Nacht. „In den Job passe ich rein“, meint er nachdenklich. Für anderes sei er zu starrsinnig. Bei Christa Franke äußerte sich das im positivsten Sinn: „Ich muss immer zu Ende bringen, was ich angefangen habe“, sagt der 53-Jährige schulterzuckend. Und hätte er seine Fahrgäste in der Stitenstraße einfach rausgelassen, wäre die Geschichte ja nicht zu Ende gewesen. Da ist es besser, man sorgt selber für das Happy End.

 Luisa Jacobsen

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