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Lübeck Erbbau: Mann bangt um seine Existenz
Lokales Lübeck Erbbau: Mann bangt um seine Existenz
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08:52 13.01.2016
„Für diesen Preis hätte ich Haus und Grundstück nicht kaufen wollen.“ Lübecker Martin Reich (47)

Der Mann sitzt in der Zwickmühle. Martin Reich hat sich ein Haus gekauft — kann sich aber das Grundstück nicht mehr leisten. Denn das ist plötzlich teurer geworden. Die Stadt will statt 38500 Euro nun 53000 Euro für das Erbbaugrundstück in der Konradstraße 1 in Schlutup haben. Über den Preissprung von 14500 Euro hat sie Reich aber nicht informiert — obwohl im Liegenschaftsamt bekannt war, dass er das Grundstück erwerben wollte. „Für diesen Preis hätte ich Haus und Grundstück nicht kaufen wollen“, macht Reich klar.

Das Problem: Für das Haus hat er einen Kaufvertrag unterzeichnet, die Finanzierung bei den Banken abgeschlossen — und jetzt wollte er das Erbpachtgrundstück erwerben. Konkret: Reich hat ein Angebot vom 11. August 2015 vorliegen, demnach will das Liegenschaftsamt ihm die 642 Quadratmeter für exakt 38452,59 Euro verkaufen. Reich geht zu den Banken. Er nimmt 154000 Euro auf: 85000 Euro für das 140 Quadratmeter große Haus, weitere 38500 Euro für das Grundstück, der Rest ist für die Sanierung des Gebäudes und Nebenkosten.

Am 21. Oktober unterschreibt er den Kaufvertrag für das Haus. Einen Tag später fordert sein Notar den Kaufvertrag für das Grundstück beim Liegenschaftsamt an. So weit, so gut.

Das Drama beginnt am 19. November. Das Liegenschaftsamt meldet sich schriftlich — und will für das Grundstück nun mehr Geld haben: exakt 52965 Euro. Reich fällt aus allen Wolken. Denn seine Finanzierung ist abgeschlossen, mehr Geld ist nicht drin. „Wie kann das Grundstück um fast 40 Prozent teurer werden?“, will er wissen. Reich fragt im Liegenschaftsamt nach. Dort ist man sich keiner Schuld bewusst, denn die Behörde hatte den Eigentümer des Hauses am 25. August über den neuen Grundstückspreis informiert — nicht aber Reich. Dabei war er im Liegenschaftsamt als Käufer des Grundstücks bekannt. Begründung für den erhöhten Kaufpreis: Das Angebot „enthält leider einen Rechenfehler“. Rechtlich vielleicht einwandfrei, aber für Reich dramatisch. Er ist hilflos, weiß nicht, wie er 14500 Euro mehr auf den Tisch legen soll. „Ich war nach dem 25. August noch persönlich im Liegenschaftsamt“, sagt Reich. „Da hat man mir nichts von dem neuen Kaufpreis für das Grundstück gesagt“, erklärt Reich. Und auch der Verkäufer hat ihn nicht über die Preissteigerung informiert. Er will das Schreiben der Stadt nicht erhalten haben, hat er Reich erklärt.

Jetzt bricht seine gesamte Finanzierung zusammen. Reich ist völlig durch den Wind. Er ist dauernd nervös, hat Schlafstörungen . Er sitzt in der Zwickmühle: Nimmt er das Angebot an, kann er es nicht bezahlen. Lehnt er ab, hat er ein Haus, dessen Grundstück ihm aber nicht gehört. Und der Erbbauvertrag für das Grundstück läuft schon in elf Jahren aus. Reich verzweifelt: „Ich bin in der Schwebe. Daran hängt meine Existenz.“

Der Mann wendet sich an die Lübecker Nachrichten. Die Zeitung fragt beim Liegenschaftsamt nach — eine Stunde später gibt es plötzlich ein Angebot der Stadt an Reich. Sie geht zehn Prozent runter mit dem Kaufpreis. Reich soll jetzt 48150 Euro für das Grundstück zahlen, nicht mehr 53000 Euro. Die LN-Anfrage der Stadt wird nunmehr damit beantwortet, dass „der Bereich sich mit dem Käufer geeinigt hat“. Außerdem wird der „Fehlerteufel“ in dem Ursprungsangebot ausdrücklich bedauert. Das Liegenschaftsamt sei davon ausgegangen, dass „die Verhandlungen mit Herrn Reich beendet waren“, da Reichs Notar sein Mandat Anfang August niedergelegt hatte. Reich bestätigt, dass er den Notar gewechselt hatte, weil der Kauf Monate lang nicht voran kam. Jetzt hofft Reich, dass er das Grundstück von der Stadt doch noch erwerben kann, da der Preis nun gesunken ist — und ihm auch der Verkäufer des Hauses entgegenkommt. Das fehlende Geld will er sich privat leihen. Zeit hat er bis zum 19. Februar. Dann endet die Frist der Stadt.

Verkauf von städtischen Grundstücken
Es ist nicht der erste Vorfall beim Liegenschaftsamt, der für Aufsehen sorgt. Die Behörde hat das Grundstück an der Wiekstraße 9 im September 2014 auf dem Priwall an einen Privatmann verkauft. Obwohl es andere Interessenten gab. Die wurden vom Liegenschaftsamt auf eine Ausschreibung vertröstet, die es nie gab. SPD-Mann Peter Reinhardt hatte den Verkauf vermittelt. Es folgte ein politischer Sonderausschuss. Das Ergebnis: Es habe „maßgebliche Fehler“ gegeben. Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) führte neue Regeln beim Verkauf von Grundstücken ein.

1000 Prozent mehr Pacht: 950 Erbbauverträge laufen bis zum Jahr 2045 aus. Betroffene können sie verlängern oder die Grundstücke kaufen, allerdings wesentlich teurer. Die Hansestadt erklärt diesen enormen Preissprung von bis zu 1000 Prozent damit, dass viele der Verträge noch aus der Vorkriegszeit stammen.

Josephine von Zastrow

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