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Lübeck Erfahrungsaustausch der Flüchtlingshelfer
Lokales Lübeck Erfahrungsaustausch der Flüchtlingshelfer
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21:12 07.05.2018
Tauschen sich aus: ePunkt-Mitarbeiterin Katja Nowroth und die Flüchtlingsbetreuerinnen Astrid Hornig und Gigi Hailemicael (v. l.). Quelle: Foto: Rüdiger Jacob
St. Gertrud

Gigi Hailemicael lebt seit sieben Jahren in Deutschland. Die Frau aus Äthiopien arbeitet beim Internationalen Sozialnetzwerk Regenbogen-Frauen und betreut Flüchtlinge in Lübeck. Die Fachtagung nutzte die Ehrenamtlerin für einen umfassenden Erfahrungsaustausch. „Vor allem zum Thema Therapien bei traumatischen Erlebnissen gab es viele neue Fachinformationen“, sagte Hailemicael. In ihrer Arbeit mit Flüchtlingen stoße sie an eigene Grenzen, gerate aber auch in kritische Situationen.

Wie sich das anfühlt, weiß auch Astrid Hornig. „Oft komme ich an einen Punkt, wo ich nicht sicher bin, wie ich am besten vorgehen kann“, sagte Hornig. Sie setzt sich in der Gemeinde Ratekau für die Integration von Flüchtlingen ein. Geht sie in eine Flüchtlingsfamilie, stelle sich immer auch die Frage, was man offen ansprechen dürfe. „Da treffen sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander“, sagte Hornig, die seit zweieinhalb Jahren Integrationsarbeit macht. Es gelte für die Helferin oft, kulturelle Gegensätze zu überwinden oder einfach nur Vertrauen zu gewinnen. Da ginge es mitunter um scheinbar profane Dinge wie zum Beispiel, ob Fernsehsendungen in deutscher Sprache angeschaut werden. „Die Überwindung der sprachlichen Barriere ist enorm wichtig“, sagte Hornig. „Die Tagung bietet eine tolle Gelegenheit, sich auszutauschen. Sie gibt ganz neue Impulse.“ Ans Aufhören denkt die Ehrenamtlerin nicht. „Auch wenn die anfängliche Euphorie in der Flüchtlingsarbeit und die Zahl der Migranten abgeebbt zu sein scheint.“

Landesweit groß war das Interesse an dem sogenannten BarCamp. Ohne feste Vorgaben bestimmten dabei die Tagungsteilnehmer die Themen für einzelne Workshops. Und die befassten sich unter anderem mit Schwerpunkten wie Traumatisierung, Belastung und Verlust, Asylverfahren, Sprachbarrieren, sportlicher Integration oder Wohnungssuche und Anmietung einer Bleibe.

Die Fachtagung nutzte auch die Lübecker Stabsstelle Integration und Koordinierung der Flüchtlingsarbeit. Deren Leiterin Anke Seeberger appellierte an die Flüchtlingshelfer, die städtische Einrichtung in Anspruch zu nehmen, um beispielsweise die Kosten für Fahrten zum Arzt, zur Therapie oder Wohnungssuche erstattet zu bekommen. Seeberger lobte die Fachtagung: „Die zentrale Anlaufstelle Lighthouse muss unbedingt weiter gefördert und fest etabliert werden. Viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sind auch bei frustrierenden Erlebnissen mit einem ungebrochenen Engagement dabei und wollen auf jeden Fall weitermachen.“ Das bestätigte auch Katja Nowroth, die Leiterin des BarCamp-Projektes: „Die Beteiligung an der Flüchtlingsarbeit ist unverändert hoch.“ Nowroth freute sich über ein „durchweg positives Feedback“. Das ermutige und ermuntere, die Arbeit fortzusetzen, sagte Nowroth. „Neben der inhaltlichen Arbeit konnten sich viele Menschen austauschen und vernetzen“, lautete das Fazit der ePunkt-Mitarbeiterin.

Petra Lange aus dem Lübecker Café Kunterbunt des evangelischen Kirchenkreises, seit zweieinhalb Jahren in der Betreuung von Flüchtlingsfamilien tätig, wünschte sich mehr solcher Fachtage.

„Weitermachen“, lautete ihr kurzes, aber treffendes Urteil über die Veranstaltung. Noch bis 2019 wird das Projekt vom Sozialministerium finanziert.

 Von Rüdiger Jacob

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