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Lübeck Erinnerungen an die alte Bahnlinie
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21:20 20.01.2016
Dieter Harfst (l.) und Hans-Heinrich Tonn, der zehn Jahre lang die Schienenbusse fuhr, eröffneten gestern die Ausstellung in Bad Segeberg. Quelle: Fotos: Silvie Domann

Fotos von Dampflokomotiven und roten Schienenbussen, alte Fahrkarten, Schriftstücke: Zwölf Plakate hängen an den Wänden im Erdgeschoss des Amtes Trave-Land.

Sie gehören zur Ausstellung „Die Lübeck-Segeberger-Eisenbahn — eine Zeitreise in die Vergangenheit“, die noch bis Ende März zu besichtigen ist.

Dieter Harfst und Hans Rahlf vom Arbeitskreis Geschichte im Amt Trave-Land haben die Gegenstände der Zeitreise zusammengetragen. „Dieter Harfst hat viel recherchiert und bereits eine Broschüre über die Geschichte der Kleinbahn Lübeck—Segeberg herausgegeben“, erzählt Rahlf. So stammt ein Großteil der Stücke aus Harfsts Fundus.

Fast 100 Jahre ist es her, dass die Bahnstrecke von Bad Segeberg nach Lübeck eingeweiht wurde. Am Nikolaustag 1916 wurde der Zugverkehr auf der knapp 30 Kilometer langen Strecke eröffnet. Etwa drei Jahre dauerten die Bauarbeiten, die Kosten betrugen um die 2,4 Millionen Mark. Betreiber war die Lübecker-Büchener-Bahn, bis sie 1937 in die Reichsbahn überging. 13 Haltepunkte gab es zum Schluss auf der Strecke zwischen Bad Segeberg und Lübeck.

„Vorplanungen für die Strecke gab es bereits in den 1880er-Jahren“, sagt Harfst. Lübeck strebte eine direkte Anbindung an Itzehoe und Hagenow an, um seine Wirtschaftlichkeit zu verbessern, doch das habe Kiel nicht gewollt. Die Segeberger unterstützten die Idee, um schneller nach Lübeck zu kommen. Denn die Fahrt über Bad Oldesloe bedeutete einmal Umsteigen. Zwölf Seiten lang war eine Machbarkeits- und Wirtschaftsstudie aus dem Jahr 1897, ein extra dafür gebildetes Komitee aus Vertretern beider Städte sowie des Kreises Segeberg hatte die Studie erstellt. Sie fanden unter anderem heraus: „Das Verkehrsgebiet wird von rund 84300 Seelen bewohnt: Die Bevölkerung befindet sich durchweg in ziemlicher Wohlhabenheit. Das Segeberger Solbad mit ansehnlichem Kurhause am Segeberger See wird gern von Lübeckern aufgesucht.“

„Wir waren 54 Minuten unterwegs, der letzte Zug von Lübeck fuhr kurz vor Mitternacht, da musste ich auch die Fahrkarten verkaufen“, sagt Hans-Heinrich Tonn. Von 1954 bis 1964 war der heute 83-Jährige als Triebwagenfahrer tätig. Insgesamt gab es sechs Fahrer, tagsüber fuhr ein Schaffner mit, der auch für das Stellen der Weichen zuständig war.

Die Wirtschaftlichkeit sei das Problem der Linie gewesen, so Harfst. So war der Verlust 1953 auf 249882 Mark angestiegen. Zwar zählte die Linie 404082 Fahrgäste — doch nur 13 Prozent davon zahlten den vollen Preis. Der Personenverkehr wurde im September 1964 eingestellt. Die Ausstellung ist bis Ende März im Gebäude des Amtes Trave-Land, Waldemar-von-Mohl- Straße 10, in Bad Segeberg zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Dort ist auch die Broschüre zum Thema für 9,80 Euro erhältlich.

sd

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