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Lübeck Erneut Schiffsunfall in Travemünde
Lokales Lübeck Erneut Schiffsunfall in Travemünde
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22:16 11.11.2014
Der Schwimmponton der LHG hat ordentlich eingesteckt: Der Container, in dem normalerweise Arbeiten zu den Umschlägen stattfinden, ist zerquetscht. Auch ein Lichtmast ist umgeknickt. Quelle: Wasserschutzpolizei
Travemünde

Kollisionen, Karambolagen und Unfälle im Hafen von Travemünde sind derzeit keine Seltenheit. Allein in diesem Jahr hatte es drei Mal ordentlich gerumst, jetzt folgte Unfall Nummer vier. Gestern Morgen um kurz vor 11 Uhr kollidierte das niederländische Roll-on-Roll-off-Schiff „Pulpca“ der Reederei Transfennica mit dem am Skandinavienkai liegenden Fährschiff „Stena Flavia“ der Reederei Stena Line. Es entstand hoher Sachschaden, und es war reiner Zufall und großes Glück, dass niemand verletzt wurde.

„Es war zur diesem Zeitpunkt nebelig“, sagt Jörg Baumann von der Wasserschutzpolizei. Keine 600 Meter betrug die Sicht auf der Trave. Die aus Gdynia einlaufende 192 Meter lange „Pulpca“ war in Richtung Seelandkai unterwegs. In der Siechenbucht sollte die Schiffsführung unter der Beratung eines Seelotsen ein Backbordmanöver fahren. Dabei driftete die „Pulpca“ nach Steuerbord in Richtung Skandinavienkai. Es kommt zur Kollision. Die „Pulpca“ rammt sowohl die am Anleger liegende „Stena Flavia“ als auch den angrenzenden Schwimmponton der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG).

„Glücklicherweise kam niemand zu Schaden“, sagt Ortwin Harms von der LHG. Ein für Umschlagarbeiten genutzter Arbeitscontainer auf dem Ponton wird zerquetscht. „Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn jemand darin gearbeitet hätte.“ Der 30 mal 30 Meter große Schwimmponton wird normalerweise zum Be- und Entladen genutzt. „Neben den feststehenden Abfahrrampen, haben wir ihn als bewegliche“, erklärt Harms.

Schwerwiegende Schäden am Ponton sind bei der Kollision nicht entstanden. Das zeigte sich gestern noch im Laufe des Tages bei Untersuchungen. Ein Leuchtmast und der Container auf dem Ponton waren allerdings nicht mehr zu retten. „Die genaue Schadenshöhe konnte noch nicht ermittelt werden“, so Harms.

An der „Stena Flavia“ wurden bei der Kollision mit der „Pulpca“ die Wallschiene und ein Rettungsboot beschädigt. Beide Schiffe wurden zunächst aus dem Verkehr gezogen. Die Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft in Hamburg verhängte ein Auslaufverbot. Die Beschädigungen, die Fahrtauglichkeit und die technischen Einrichtungen wurden gestern bis in den Abend hinein vom Schiffs-Tüv kontrolliert. Beide Reedereien gingen aber davon aus, dass sie am Abend noch auslaufen können.

Ursache für den Unfall könnte eine „navigatorische Fehleinschätzung“ gewesen sein. „Es ist ein anspruchsvolles Fahrwasser“, sagt Polizist Jörg Baumann. Kaum 150 Meter ist das Gewässer an der Engstelle kurz vor der verhängnisvollen Kurve, der Siechenbucht, breit. „Dazu kommt der dichte Nebel.“ Die Navigationsgeräte würden zwar die Umgebungsfaktoren anzeigen, entscheiden müsse aber immer noch der Mensch auf der Brücke.

Chronik der Unfälle
Die Kollision am Skandinavienkai ist bereits die vierte Schiffskollision in diesem Jahr:



6. November: Die 191 Meter lange „Transpulp“ knallt gegen den Betonpier des Sportboothafens am Rosenhof. Ein Signalmast knickt um, der Pier und der Gehweg werden hochgedrückt.


5. Juni: Beim Anlegemanöver kollidiert die Fähre „Huckleberry Finn“ mit der Kaimauer und — wie die „Pulpca“ — mit dem Schwimmponton.
14. Februar: Das Tankschiff „Annika“ wollte zum Anleger verholen, um die dort festgemachte Fähre „Finnmaid“ zu betanken. Dabei gerät das Heck des Tankschiffes unter den Bug der Fähre.


Besonders schwer waren auch die Unfälle, die sich 2012 ereigneten:



9. September: Die Fähre „Antares“ rammt acht am Steg liegende Sportboote, auf denen zwölf Menschen schlafen, sie kommen mit einem Schrecken davon.



3. Mai: Beim Einlaufen fährt die Passagierfähre „Nils Holgersson“ in die festgemachte Fähre „Urd“ und reißt ein riesiges Loch in den Rumpf.

Kim Meyer

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