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Lübeck Ernteglück im Schrebergarten
Lokales Lübeck Ernteglück im Schrebergarten
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18:25 27.08.2016
Franz Kreclewicz (59) freut sich über die Zwetschgenernte. Über Abnehmer für das Obst und Gemüse aus seinem Kleingarten muss er sich keine Sorgen machen: Er hat zwei vegane Söhne. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Dieser Sommer hat bei Urlaubern und Sonnensuchern keinen guten Ruf: Zu wenig Sonne, zu viele Wolken, zu viel Regen, heißt es. Die Pflanzen aber sind offensichtlich anderer Meinung. Zumindest die, die in den Gärten des Kleingartenvereins Travetal, zwischen Moislinger Allee und Kanal gelegen, Früchte tragen.

Bei den Kleingärtnern vom Travetal gibt es keine Klagen über den Sommer – jedenfalls nicht, was die Erträge angeht.

Selbstversorgung

Der Ursprung der heutigen Kleingärten waren „Armengärten“, die deutsche Städte seit etwa 1800 ihren Bewohnern zur Selbstversorgung zur Verfügung stellten.

Schon um 1830 entstand die bis heute gültige Standardgröße von 400 Quadratmetern pro Parzelle. Bis heute gibt es in den meisten Kleingartenvereinen Regeln, wieviel davon mindestens als Anbaufläche genutzt werden soll.

„Ich habe 50 Kilo Kartoffeln aus der Erde geholt“, sagt Ferenc Stettner (58) stolz, „das ist eine gute Ernte.“ Kummer haben ihm nur die Wühlmäuse gemacht, die offenbar auch ein gutes Jahr haben. „Man holt eine schöne, große Kartoffel raus, dreht sie um – und sie ist hohlgefressen.“ Aber das ist nur ein kleines Ärgernis, gemessen an den guten Erträgen. „Die Stachelbeersträucher waren voll – ich wusste nicht, wohin damit, da habe ich ganz viel Saft gemacht“, sagt Stettner. Viele große, kürbisförmige Zucchini hat er geerntet, und Zwiebeln, Tomaten, Gurken und Paprika machen sich gut, auch der Mais, den er gern auf den Grill legt.

Von den Wühlmäusen kann auch Heidi Sachs (62) ein Lied singen. Sie zeigt auf den Boden unter ihrem Apfelbaum: „Als wenn die Wildschweine dagewesen wären!“ Aber der Apfelbaum trägt trotzdem gut, und die Gemüsebeete werfen in diesem Jahr genug ab, dass es für die nächsten Monate reicht. Auf knapp der Hälfte der 400 Quadratmeter des Gartens, den sie seit 19 Jahren bestellt, baut sie Obst und Gemüse an. „Im Sommer bin ich mehr hier als zu Hause“, sagt sie. Sie hat in diesem Jahr viel Erdbeermarmelade gekocht, Erbsen und Mohrrüben eingeweckt, Stachelbeeren eingefroren, Johannisbeeren zu Gelee verarbeitet. Bald werden auch die Hagebutten zu Marmelade gemacht. Zwischen den Erdbeerreihen wachsen kleine, rote Kugeln aus dem Boden – Radieschen, die sie erst vor zwei, drei Wochen nachgesät hat. Auch bei den Bohnen wird es bald eine zweite Ernte geben.

Hans-Christian Christiansen (73) übernahm seinen Garten vor 38 Jahren, als seine Kinder noch klein waren. Damals war er es leid, auf dem Weg an den Strand ständig im Stau zu stehen, und suchte einen nähergelegenen Rückzugsort. Seine Kinder kommen auch jetzt noch gern – und Christiansen ist inzwischen ein leidenschaftlicher Obst- und Gemüsegärtner. „Man hat ein Ziel, man hat ein bisschen körperliche Betätigung – und wir leben von dem, was wir ernten, das ganze Winterhalbjahr.“ Und er kennt sich aus, weiß, was gut gedeiht und was nicht. „Es gibt Dinge, die sich hier einfach nicht lohnen“, sagt er, „zum Beispiel Salat. Da sind so viele Schnecken, das wird alles weggefressen.“ Es sei bis jetzt ein gutes Erntejahr gewesen, sagt auch er. „Nur die Erdbeeren waren Schiete“, sagt seine Tochter Britta Hammer (50). Christiansen widerspricht: „Das denkst du nur, weil ihr nicht so viele abgekriegt habt!“

Franz Kreclewicz (59) und seine Frau übernahmen vor vier Jahren einen Garten, den sie komplett neu anlegten. Am Birnbaum hängen nur drei Birnen, aber der zweijährige Zwetschgenbaum trägt schon ganz gut. Bei Zucchini, und Beerenobst war die Ernte gut, und Mohrrüben, Rote Bete und Chinakohl entwickeln sich gut. „Obwohl das Wetter so wechselhaft ist – das hätte ich nicht gedacht“, sagt er. Um Abnehmer muss er sich keine Gedanken machen: „Unsere beiden Söhne sind ja vegan. Und seit letzter Woche haben wir auch eine vegane Schwiegertochter.“

Hanno Kabel

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